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Später AnpfiffLehrer sollen an der WM müde Schüler schonen

Weil viele WM-Spiele erst um 22 oder 24 Uhr angepfiffen werden, werden viele Schüler müde in den Unterricht kommen. Darauf sollen die Lehrer Rücksicht nehmen.

von
Marco Lüssi
Wegen des späten Anpfiffs der WM-Spiele in Brasilien werden viele Schweizer Schüler unausgeschlafen zum Unterricht erscheinen.

Wegen des späten Anpfiffs der WM-Spiele in Brasilien werden viele Schweizer Schüler unausgeschlafen zum Unterricht erscheinen.

Wenn am 12. Juni in Brasilien die Fussball-Weltmeisterschaft beginnt, werden die Schweizer später zu Bett gehen als üblich: Je nach Spielort beträgt die Zeitverschiebung fünf oder sechs Stunden, zahlreiche Matchs werden erst um 22 oder 24 Uhr Schweizer Zeit angepfiffen.

Wer nichts verpassen will, kann also kaum vor Mitternacht beziehungsweise 2 Uhr morgens schlafen gehen. Betroffen vom späten Beginn sind auch die Fans der Schweizer Nationalmannschaft: Anstoss für das dritte Gruppenspiel der Nati gegen Honduras in Manaus ist um 22 Uhr Schweizer Zeit. Und der Knüller England gegen Italien startet erst zur Geisterstunde.

Verschiebung des Schulbeginns ist kein Thema

Tausende Schweizer Schüler werden sich die Spiele trotz des späten Anpfiffs nicht entgehen lassen wollen. Doch sie müssen am nächsten Tag trotzdem pünktlich hinter der Schulbank sitzen – um 7.30 Uhr oder teilweise noch früher. Der Schlafmangel wird vielen Schülern Mühe bereiten: Laut einer Studie der Universität Heidelberg haben pubertierende Jugendliche besonders grosse Schwierigkeiten, am Morgen aufzustehen, wenn sich kurzfristig ihre Schlafgewohnheiten ändern.

Der Schaffhauser Regierungspräsident Christian Amsler (FDP), Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz der Deutschschweiz, sagt jedoch: «Auch ein sportliches Grossereignis darf nichts daran ändern, dass der Schulbetrieb in seiner normalen Form weiterläuft. Es gilt der Grundsatz: Unterricht findet statt.» Eine Verschiebung des Schulbeginns, damit die Schüler ausschlafen können, komme für ihn nicht in Frage.

Amsler stellt aber klar: «Die Lehrer dürfen natürlich nicht ausblenden, dass die Fussball-WM die Welt in ihren Bann ziehen wird – und damit auch ihre Schüler.» Es wäre deshalb aus seiner Sicht daneben, wenn sie etwa am frühen Morgen nach einem Spiel der Schweizer Nationalmannschaft eine Prüfung ansetzen würden. «Doch ich vertraue darauf, dass unsere Lehrerinnen und Lehrer in dieser Frage das nötige Fingerspitzengefühl und die erforderliche Flexibilität beweisen werden.»

Schüler sollen Gespräch mit Lehrern suchen

Dies stellt auch Beat W. Zemp, Präsident des Dachverbands der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, in Aussicht (siehe Box). Er persönlich würde am Morgen nach einem Spiel der Schweizer Nationalmannschaft keine Prüfung durchführen. Den Schülern rät er, sich mit ihren Lehrern über das Thema WM zu unterhalten.

Die Schweizer Union der Schülerorganisationen (USO) hingegen hält spezielle Massnahmen in der Schule wegen der Fussball-WM nicht für notwendig, wie Sprecherin Gisèle Truong sagt: «Wenn man dies tun würde, müsste man dies auch bei anderen Sportevents machen.»

«Schüler könnten sich vor dem Spiel aufs Ohr legen»

Herr Zemp*, während der WM werden viele Schüler nach zu wenig Schlaf in die Schule kommen.

Das Schulgesetz schreibt vor, dass Schüler lernbereit und ausgeschlafen zum Unterricht zu erscheinen haben. Dafür haben die Eltern zu sorgen.

Heisst das, Eltern sollten ihren Kindern verbieten, um 22 Uhr oder 24 Uhr WM-Spiele zu schauen?

Nicht unbedingt. Eltern könnten ihre Kinder die Spiele schauen lassen, wenn diese sich davor am Nachmittag oder Abend aufs Ohr legen, um an nächsten Tag fit zu sein. Oder die Eltern zeichnen die Spiele für ihre fussballinteressierten Kinder auf, damit sie sich den Match am nächsten Tag ansehen können.

Der Schulbetrieb muss also ohne Rücksicht auf die spezielle Situation während der WM weiterlaufen?

Das bleibt den einzelnen Lehrern überlassen. Ich persönlich würde in der ersten Stunde an einem Tag nach einem Spiel der Schweizer Nati keine Prüfung ansetzen. Schülern rate ich, das Gespräch mit ihren Lehrern zu

suchen, um diese Situation zu vermeiden. (lüs)

*Beat W. Zemp ist Präsident des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer.

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