30.07.2020 16:36

Ferien im Risikoland

«Lehrer sollen Schüler aus Risikoländern sofort nach Hause schicken»

Schüler, die frisch aus den Sommerferien aus einem Risikoland zurückgekehrt sind, haben im Unterricht nichts verloren. Lehrer sollen sie vor Ort sofort vom Unterricht ausschliessen.

von
Bettina Zanni
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«Lehrer oder Schulleiter sollen zudem Kinder, die zum Unterricht erscheinen und von denen sie wissen, dass sie in einem Risikoland in den Ferien waren, unter Benachrichtigung der Eltern sofort nach Hause schicken», sagt Daniel Dauwalder, Mediensprecher des Eidgenössischen Departements des Innern.

«Lehrer oder Schulleiter sollen zudem Kinder, die zum Unterricht erscheinen und von denen sie wissen, dass sie in einem Risikoland in den Ferien waren, unter Benachrichtigung der Eltern sofort nach Hause schicken», sagt Daniel Dauwalder, Mediensprecher des Eidgenössischen Departements des Innern.

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Die Eltern müssten sich und die Kinder bei den kantonalen Behörden melden, heisst es beim Bund.

Die Eltern müssten sich und die Kinder bei den kantonalen Behörden melden, heisst es beim Bund.

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Die Quarantäne sei auch für Kinder, die aus einem Risikoland zurückkehrten, obligatorisch, sagt Daniel Dauwalder.

Die Quarantäne sei auch für Kinder, die aus einem Risikoland zurückkehrten, obligatorisch, sagt Daniel Dauwalder.

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Darum gehts

  • Haben Schüler die Sommerferien in einem Risikoland verbracht, gehören sie zehn Tage in Quarantäne.
  • Tauchen sie trotzdem im Unterricht auf, sollen Lehrer die betreffenden Schüler sofort heimschicken, heisst es beim Bund.
  • Als Quarantäne-Polizisten dürfen Lehrpersonen laut den Erziehungsdirektoren aber nicht agieren.
  • Schulen, die sich in die Reisepläne eingemischt hatten, verletzten den Datenschutz und wurden über ihr Fehlverhalten informiert.

Sofia verbrachte die Sommerferien in Brasilien, Leon im Kosovo. Nach ihrer Rückkehr dürften die beiden Schüler des fiktiven Beispiels nicht direkt wieder die Schulbank drücken. Da die Länder zu den Risikogebieten gehören, müssen sich Rückkehrer bei der Ankunft in der Schweiz zehn Tage in Quarantäne begeben. Doch was geschieht, wenn sich Schüler am ersten Schultag verplappern und dabei klar wird, dass die Eltern sie statt in Quarantäne ins Klassenzimmer geschickt haben?

Der Bund sieht einen klaren Ablauf vor. Die Quarantäne sei auch für Kinder, die aus einem Risikoland zurückkehrten, obligatorisch, sagt Daniel Dauwalder, Mediensprecher des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI). Die Eltern müssten sich und die Kinder bei den kantonalen Behörden melden. Auch hätten sie die Schule zu informieren, damit die Kinder den Schulstoff während der Quarantäne bearbeiten könnten. «Lehrer oder Schulleiter sollen zudem Kinder, die zum Unterricht erscheinen und von denen sie wissen, dass sie in einem Risikoland in den Ferien waren, unter Benachrichtigung der Eltern sofort nach Hause schicken.»

Gesunder Menschenverstand zähle

Bei Rückkehrern aus Risikoländern zählt der gesunde Menschenverstand, wie Thomas Minder, Präsident des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz (VSLCH), zu «Blick» sagte. «Wenn mir ein Kind sagt, es sei in Serbien in den Ferien gewesen, dann schicke ich es nach Hause.» Quarantäne-Polizei dürfen die Lehrer nicht spielen. Laut der Zürcher Regierungspräsidentin Silvia Steiner ist es unzulässig, dass die Lehrpersonen den Ferienort der Schülerinnen und Schüler aktiv erfragen. Sollte eine Lehrperson feststellen, dass Quarantäneregeln nicht eingehalten werden, reiche es, das Gespräch mit den Eltern zu suchen.

Etwa das Volksschulamt des Kantons Zürich hat einen Muster-Elternbrief mit dem Titel «Textbausteine Elternbrief Sommerferien Quarantäne» erstellt. Darin steht, dass Eltern die Schule informieren, sollte ihr Kind wegen den Quarantänebestimmungen die Schule nach den Sommerferien nicht besuchen können. Ein Anspruch auf Fernunterricht besteht nicht.

Schulen gingen zu weit

Einen Schritt weiter geht die Schule Männedorf ZH. Diese fordert laut der «Zürichsee-Zeitung» alle Familien, die in ein Risikoland reisen, auf, sich unabhängig vom Zeitpunkt der Rückkehr bei der Schulleitung zu melden. «Wir wollen gern vorher wissen, was Sache ist, und nicht erst hinterher die Überraschung erleben», sagt Schulpräsident Wolfgang Annighöfer (FDP). Man habe die Formulierung des Musterbriefs deshalb bewusst angepasst.

Damit überspannt die Schule aber den Bogen. Laut Dominika Blonski, Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich, passten auch andere Gemeinden das Wording des Elternbriefs an. Schulen dürften jedoch nicht verlangen, dass Eltern vorab über die Reise in ein Risikoland informierten, hält Blonski fest. Ausserdem müssten sie auch im Nachhinein das Risikoland nicht offenlegen. Die betroffenen Schulgemeinden würden nun über ihr Fehlverhalten informiert. Ob etwa die Schule Männedorf das Vorgehen angepasst hat, bleibt unklar. Ferienhalber war die Schule am Donnerstag nicht erreichbar.

Quarantäne-Liste

Für Rückkehrer aus den folgenden Ländern gilt die Quarantäne-Pflicht bereits:

Argentinien
Armenien
Aserbaidschan
Bahrain
Besetztes Palästinensisches Gebiet (gilt seit dem 23. Juli)
Bolivien
Bosnien und Herzegowina (gilt seit dem 23. Juli)
Brasilien
Cabo Verde
Chile
Costa Rica (gilt seit dem 23. Juli)
Dominikanische Republik
Ecuador (gilt seit dem 23. Juli)
El Salvador (gilt seit dem 23. Juli)
Eswatini (Swasiland) (gilt seit dem 23. Juli)
Guatemala (gilt seit dem 23. Juli)
Honduras
Irak
Israel
Katar
Kasachstan (gilt seit dem 23. Juli)
Kirgisistan (gilt seit dem 23. Juli)
Kolumbien
Kosovo
Kuwait
Luxemburg (gilt seit dem 23. Juli)
Malediven (gilt seit dem 23. Juli)
Mexiko (gilt seit dem 23. Juli)
Moldau
Montenegro (gilt seit dem 23. Juli)
Nordmazedonien
Oman
Panama
Peru
Russland
Saudiarabien
Serbien
Südafrika
Suriname (gilt seit dem 23. Juli)
Turks- und Caicos-Inseln
Vereinigte Arabische Emirate (gilt seit dem 23. Juli)
Vereinigte Staaten von Amerika (inklusive Puerto Rico und US Virgin Islands)

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259 Kommentare
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Remus

31.07.2020, 09:49

Einfach einen Coronatest machen und alles ist ok. Wird vom Bund bezahlt. Jeder der Hustet und sich nicht gut füllt kann Corona haben. War im Ausland in den Ferien gute Hygienemassnahmen viel Platz (wenig Touristen). Zurück in der Schweiz geh Ich in die Badi. MEGA VIELE MENSCHEN UNGLAUBLICH.

Erika

31.07.2020, 06:50

Für was alles sollen Lehrereigentlich noch verantwortlich gemacht werden? Das ist doch Sache der Behörden.

Xname

31.07.2020, 05:57

Bi Corona muss der Datenschutz erlassen werden.