Aktualisiert 16.07.2012 09:42

SexualerziehungLehrer sollen Schülern Pornos zeigen

Der Verein Männer.ch will harte Pornographie legalisieren und Schülern im Unterricht Pornos zeigen. Politiker und Experten reagieren mit Kopfschütteln.

von
Ilda Özalp

In einer Stellungnahme an den Bund fordert der Verein Männer.ch die Legalisierung von harten Pornos: So sollen Sado-Maso-Darstellungen und Sexpraktiken mit Exkrementen ­gezeigt werden dürfen – sofern kein Schutzinteresse verletzt wird.

Ausserdem schlägt der Verein laut «NZZ am Sonntag» vor, an den Schulen Pornofilme zu zeigen, damit die Jugendlichen den Umgang mit Pornografie lernen. Brisant: Vereinspräsident Markus Theunert ist gleichzeitig Männerbeauftragter des Kantons ­Zürich (siehe Interview rechts).

Die Forderungen stossen bei vielen Politikern auf Ablehnung. Nationalrat Oskar Freysinger findet ­solche Formen der harten ­Pornografie «unwürdig und erniedrigend». Beat Zemp, Präsident des Lehrerverbandes, sagt: «Wir können doch nicht mit Schülern Pornofilme schauen.» Auch die Zürcher Kantonsparlamentarierin Anita Borer (SVP) denkt, dass Pornofilme in Schulen «völlig unangebracht» seien und viele Schüler überfordert wären.

Bedenklich finden die Politiker auch Theunerts Doppelfunktion: «Er muss darauf achten, dass er seine Kompetenzen als Männerbeauftragter nicht überschreitet», so Kantonsrätin Esther Guyer (Grüne). Rochus Burtscher (SVP) geht weiter: «Wenn Herr Theunert sich wieder auf solch bedenkliche Aussagen einlässt, muss er die Konsequenzen ziehen und seine Stelle kündigen.»

«Fachlich fundierte Sexualpolitik»

Markus Theunert*, gehört die Legalisierung von Fäkalpornos tatsächlich zu den dringendsten Anliegen der Schweizer Männer?

Das sind erst Grundsatzüberlegungen. Ob und was politisch verfolgt werden soll, diskutieren wir im September. Uns geht es darum, fachlich fundierte Sexualpolitik zu machen, die sich nicht durch Moral, sondern durch Schutzinteressen definiert.

Lässt sich dieses Engagement mit Ihrer Aufgabe als Männerbeauftragter vereinbaren?

Ich äussere mich als Männer.ch-Präsident und nicht als Männerbeauftragter. Das ist ein privates Engagement.

Das Zeigen von Pornofilmen an Schulen ist eine weitere Forderung. Was soll dies bringen?

Es geht um die Begleitung durch Eltern und Fachleute. Ein Grossteil der Jugendlichen hat Pornoerfahrung. Wir ­sollten sie damit nicht allein ­lassen.

*Markus Theunert ist Präsident des Vereins Männer.ch und Männer­beauftragter des Kantons Zürich.

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