New York: Lehrer stirbt fast an Schweinegrippe

Aktualisiert

New YorkLehrer stirbt fast an Schweinegrippe

Nach einem ersten fast tödlich verlaufenen Fall von Schweinegrippe in New York hat die Stadt drei Schulen geschlossen. Ein Lehrer aus dem Stadtteil Queens war nach einer Infektion mit dem Virus schwer erkrankt.

Der stellvertretende Rektor überlebte nur mit Hilfe künstlicher Beatmung, berichtete das «Wall Street Journal» am Freitag. Bürgermeister Michael Bloomberg ordnete die Schliessung der betroffenen Schule für zunächst eine Woche an.

Auch zwei weitere Schulen, die auffallend viele Grippefälle hatten, stellten den Unterricht ein. «Ich bedauere die Unannehmlichkeiten, aber wir halten diese Massnahmen für absolut notwendig», sagte Bloomberg.

Insgesamt fällt der Unterricht für 4500 Schüler aus. Anfang Mai waren schon einmal mindestens 430 Schulen in mehreren US- Bundesstaaten wegen der Schweinegrippe geschlossen worden.

Zwei weitere Länder

Das Virus hat sich unterdessen in zwei weitere Länder ausgebreitet: Eine 27-jährige Peruanerin erkrankte nach einer Reise in die USA. In Malaysia wurde das Virus bei einem 21 Jahre alten Studenten nachgewiesen, der ebenfalls zuvor in den USA war. Damit ist das Virus in mindestens 36 Ländern eingetroffen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte mehr als tausend weitere Schweinegrippe-Fälle in den vorangegangenen 24 Stunden. Insgesamt seien nun schon 7520 Menschen in 34 Ländern an Influenza A/ H1N1 erkrankt, teilte die WHO in Genf mit.

Die Zahl der weltweiten Todesfälle liegt laut WHO unverändert bei 65, allein 60 davon im Ursprungsland Mexiko. Am Abend wurde zudem bekannt, dass in den USA zwei weitere Todesfälle zu beklagen sind. Damit starben dort fünf Menschen.

In der Schweiz standen am Freitagnachmittag elf Fälle von möglicher Schweinegrippe in Abklärung. Das sind fünf Fälle mehr als am Vortag. Insgesamt sind in der Schweiz laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) 89 Meldungen eingegangen. Bis auf einen Fall konnten die Mediziner aber bisher immer Entwarnung geben.

WHO: Kein menschliches Versagen

Die WHO hatte am Vorabend der These eines australischen Forschers widersprochen, dass die Schweinegrippeviren aus einem Labor stammten und durch menschliches Versagen freigesetzt worden seien.

Abklärungen mit Wissenschaftlern in aller Welt hätten für diese Theorie bisher keinen Beweis erbracht. Bislang sei der Ursprung des mutierten Virus, das Elemente vom Menschen, vom Schwein und von Vögeln in sich trägt, nicht herausgefunden worden.

Auch über die Massenproduktion eines Impfstoffs hatte das Expertentreffen keinen Beschluss gefällt. Ein Entscheid über die Impfstoffproduktion muss laut WHO sorgfältig abgewogen werden, weil sie die Herstellung anderer Grippe-Impfstoffe beeinträchtigen könnte.

Europäer fragen nach Impfstoff

In Europa bereiteten sich unterdessen mehrere Länder auf Schlimmeres vor. Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline erhielt nach eigenen Angaben Anfragen von mehreren Regierungen nach einem Impfstoff, mit dem sie ihre Vorräte aufstocken wollen - darunter Grossbritannien, Frankreich, Belgien und Finnland.

Nach Erhalt des notwendigen Virenmaterials könnten die ersten Gegenmittel in vier bis sechs Monaten vorliegen, teilte der Konzern mit.

(sda)

Symptome der Schweinegrippe

Die Symptome der Schweinegrippe ähneln der einer ganz normalen Grippe: Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Husten. Einige Patienten berichteten auch über Schnupfen, Halsschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Ohne Laboruntersuchung gibt es keine Gewissheit.

Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch ist sehr kurz, manchmal erkranken Infizierte schon binnen Stunden, die meisten spätestens innerhalb von drei Tagen. In dieser Zeit sind die Patienten schon ansteckend, da die Virenausscheidung über die Schleimhäute des Nasen-Rachen-Raums beginnt. Diese Ausscheidung dauert in der Regel bis zu sieben Tage, bei geschwächten Menschen auch länger. (ap)

Deine Meinung