Vorurteile an der Schule: Lehrer trauen Migrantenkindern wenig zu
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Vorurteile an der SchuleLehrer trauen Migrantenkindern wenig zu

Lehrer diskriminieren Kinder mit ausländischen Wurzeln, weil sie zu tiefe Erwartungen an ihre Leistungen stellen. Das bedingt einen Teufelskreis, sagt eine neue Studie.

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jdr
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«Die Förderung und Beurteilung von Kindern erfolgt leider nicht so neutral, wie sie sollte»: Eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz erlaubt Rückschlüsse darauf, welche Erwartungen Lehrpersonen an ihre Schüler stellen. Gymi-Schüler im Kanton Glarus. (Symbolbild)

«Die Förderung und Beurteilung von Kindern erfolgt leider nicht so neutral, wie sie sollte»: Eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz erlaubt Rückschlüsse darauf, welche Erwartungen Lehrpersonen an ihre Schüler stellen. Gymi-Schüler im Kanton Glarus. (Symbolbild)

Keystone/Gaetan Bally
Schüler mit ausländischen Wurzeln haben auch deswegen schlechtere Noten, weil Lehrpersonen zu geringe Leistungserwartungen an sie haben. Schüler in einem Klassenzimmer in Solothurn. (Symbolbild)

Schüler mit ausländischen Wurzeln haben auch deswegen schlechtere Noten, weil Lehrpersonen zu geringe Leistungserwartungen an sie haben. Schüler in einem Klassenzimmer in Solothurn. (Symbolbild)

Keystone/Christian Beutler
Besonders im Fach Mathematik liegen die Erwartungen laut der Studie massiv tiefer. Und das, obwohl objektiv keine Leistungsunterschiede zwischen einheimischen Kindern und Migrantenkindern bestehen. Heft eines Solothurner Gymi-Schülers im Fach Wirtschaft und Recht. (Symbolbild)

Besonders im Fach Mathematik liegen die Erwartungen laut der Studie massiv tiefer. Und das, obwohl objektiv keine Leistungsunterschiede zwischen einheimischen Kindern und Migrantenkindern bestehen. Heft eines Solothurner Gymi-Schülers im Fach Wirtschaft und Recht. (Symbolbild)

Keystone/Christian Beutler

Lehrer sollten ihren Schülern unvoreingenommen gegenüber treten, das Geschlecht oder die Herkunft eines Kindes oder Jugendlichen sollte im Klassenzimmer keine Rolle spielen – soweit die Theorie.

In der Praxis sieht das ein wenig anders aus, wie eine Studie der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz zeigt. Deren Ergebnisse legen nahe: Lehrer diskriminieren Kinder mit Migrationshintergrund, weil sie zu tiefe Erwartungen an ihre Leistungen stellen.

Schüler geraten in Teufelskreis

«Die Förderung und Beurteilung von Kindern erfolgt leider nicht so neutral, wie sie sollte», sagt der zuständige Professor Markus Neuenschwander in der «NZZ am Sonntag».

Besonders in Mathematik liegen die Erwartungen laut der Studie massiv tiefer. Und das, obwohl objektiv keine Leistungsunterschiede zwischen einheimischen und Migrantenkindern bestehen. Das Fatale dabei sei, dass dies zu schwächeren Leistungen bei den Schülern führe. Diese gerieten dann in einen Teufelskreis – Vorurteile würden bestätigt.

«Wer von einem Kind wenig erwartet, fördert und fordert es weniger», erklärt Professor Markus Neuenschwander. Die Leistungsunterschiede zwischen Migranten und Nichtmigranten würden im Verlauf einer Schulkarriere folglich immer grösser.

Verband nimmt Lehrer in Schutz

Die Studie bestätigt Ergebnisse von ähnlichen Untersuchungen im Ausland und die Erfahrung zahlreicher Fachleute in der Schweiz, auch die von Erziehungswissenschaftlerin Katharina Maag. «Die Lehrpersonen müssen sich verbessern», sagt Maag. «Dazu braucht es Information, aber auch ein ständiges Hinterfragen der eigenen Haltung.»

Beat Zemp, Präsident des Lehrerverbands Schweiz nimmt seine Kolleginnen und Kollegen in Schutz: «Erwartungen sind immer durch Erfahrungen geprägt, die sich im Verlauf der Zeit zu Stereotypen verdichten können», sagt er in der Zeitung. Das gelte für Lehrer genauso wie für andere, etwa Journalisten oder Politiker. «Lehrpersonen sind nicht davor gefeit, negative Erwartungshaltungen auf Schüler zu übertragen», sagt Zemp.

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