Stadt Bern: Lehrerin entlassen, weil sie Hund zur Arbeit mitnahm
Aktualisiert

Stadt BernLehrerin entlassen, weil sie Hund zur Arbeit mitnahm

Weil sie keinen Hunde-Sitter gefunden hatte, wurde einer Berner Lehrerin gekündigt. Schüler und Eltern können den Entscheid nicht begreifen.

von
Mira Weingartner

Die Entlassung einer Unterstufenlehrerin des Berner Bitzius-Schulhauses begründete die Schulleitung am Montagmorgen in einem Elternbrief: «Es ist der Lehrerin nicht gelungen, eine künftige Betreuung ihres Hundes Minya im neuen Schuljahr nach Vorgabe der Schulleitung zu finden.» Bis anhin hatte die Lehrerin ihren Jack Russell Terrier ins Klassenzimmer mitgenommen. Weil der kleine Vierbeiner blind ist, kann er während den Schulstunden nicht allein gelassen werden.

Für die Schüler sei die Massnahme der Schulleitung ein harter Schlag, sagt Mattebewohner Philippe Cornu. Sein siebeneinhalbjähriger Sohn drückt derzeit bei der betroffenen Lehrerin die Schulbank. Auch die Eltern könnten die Kündigung nicht verstehen, es sei eine «Lappalie», ein «Paragraphen-Krieg». Am Zaun des Pausenplatzes flattert derzeit ein Transparent – die Lehrerin solle bleiben. Hund Minya störe nicht. «Eine gute, beliebte Lehrerin einfach so entlassen? Wir sagen nein», steht zudem auf einem Flugblatt.

Bereits zweite Kündigung

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Eltern für die entlassene Primarlehrerin einsetzen: Bereits letzten Sommer erhielt die Frau wegen des Hundes den blauen Brief. Doch der damalige Entscheid wurde zurückgezogen: Der Jack Russell durfte ein weiteres Schuljahr vom Körbchen aus dem Unterricht der Erst- und Zweitklässler beiwohnen. Nun sei es aber nicht mehr möglich, «dass der Hund weiterhin in der Schule betreut werde», steht im Schreiben der Schule. Genauere Angaben will die Schulleitung gegenüber 20 Minuten nicht machen. Das Kündigungsverfahren sei noch nicht abgeschlossen.

Auch die Lehrerin wollte gegenüber 20 Minuten keine Auskunft geben. Sie werde die Schule per Ende Schuljahr im Sommer zusammen mit Minya verlassen, weiss Cornu. So habe sein Bub beim Mittagessen gesagt: «Wir sind alle sehr traurig. Doch wir können verstehen, dass sie nicht mehr mag.»

Deine Meinung