Neue Details zum Amoklauf: Rätsel um unverriegelte Aussentür nach Schulmassaker

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Neue Details zum AmoklaufRätsel um unverriegelte Aussentür nach Schulmassaker

Nach dem Amoklauf im texanischen Uvalde haben Ermittler neue Details bekannt gegeben. Anders als zunächst angenommen hat eine Lehrkraft die Tür zur Schule geschlossen. Dennoch konnte der Täter durch diese Tür ins Gebäude gelangen und sein Blutbad anrichten.

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17. Juli
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Bericht zum Schulmassaker in Uvalde macht den Einsatzkräften schwere Vorwürfe.

AFP/Chandan Khanna
23. Juni
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Polizeichef Pete Arredondo (rechts) wird für das zögerliche Verhalten der Polizei in Uvalde verantwortlich gemacht. (Archivbild)

AFP/Eric Thayer
31. Mai
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Die getötete Amerie Jo Garza wird zu Grabe getragen. Sie ist eines der ersten Opfer, von denen Angehörige Abschied nehmen.

AFP

Darum gehts

  • Am 24. Mai erschoss ein 18-Jähriger 19 Kinder und zwei Lehrkräfte.

  • Zunächst hiess es, dass eine Aussentür der Schule offengehalten wurde.

  • Jetzt sagen die Ermittler, dass eine Lehrerin die Tür geschlossen habe, die Tür sich aber nicht verriegelte.

  • Warum, ist noch unklar.

Eine Woche nach dem Massaker an einer Grundschule im texanischen Uvalde hat die Polizei neue Erkenntnisse zum Hergang präsentiert. Eine Lehrkraft habe zwar eine Aussentür offengehalten, diese dann aber wieder zugemacht, als sie den Schützen auf dem Schulgelände bemerkt habe, sagte Travis Considine, Kommunikationschef der texanischen Behörde für öffentliche Sicherheit, am Dienstag. Doch habe die Türverriegelung nicht funktioniert, wodurch der Angreifer ins Gebäude gelangt sei. Ermittler prüften nun, warum sich die Tür nicht verschliessen liess.

Der 18-jährige Salvador R. erschoss laut der Polizei am 24. Mai an der Robb Elementary School 19 Kinder und zwei Lehrkräfte, ehe Beamte der Grenzschutzpolizei das Klassenzimmer stürmten und ihn töteten.

Lehrerin glaubte, Tür sei verriegelt

Zunächst erklärten Ermittler, eine Lehrkraft habe eine Aussentür der Schule offengehalten, durch die R. dann habe eindringen können. Nach der Auswertung weiterer Aufnahmen einer Überwachungskamera revidierte die Sicherheitsbehörde die Angaben zum Hergang nun.

19 Kinder und zwei Lehrkräfte haben bei dem Amoklauf in Uvalde ihr Leben verloren – die Trauer ist riesig.

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AFP

Die Lehrerin habe einen Stein in den Türspalt geschoben, sei aber ins Gebäude gerannt, um ihr Handy zu holen und den Notruf zu wählen, als der Angreifer auf dem Gelände einen Unfall mit seinem Wagen gebaut habe, sagte Considine. Sie sei mit dem Handy am Ohr herausgekommen und habe jemanden rufen gehört, dass er eine Waffe habe. Als sie dann gesehen habe, wie R. mit einer Waffe über den Zaun gesprungen sei, sei sie hineingerannt und habe dabei den Stein entfernt. «Wir haben nachgewiesen, dass sie die Tür geschlossen hat.» Warum sie sich nicht verriegeln liess, sei noch unklar.

«Wir haben nachgewiesen, dass sie die Tür geschlossen hat. Die Tür verriegelte nicht. Soviel wissen wir und nun prüfen Ermittler, wieso sie nicht verriegelte», sagte Considine.

Widersprüchliche Informationen über Tatablauf

Don Flanery, ein Anwalt aus San Antonio, bestätigte die neuen Angaben im Gespräch der Zeitung «San Antonio Express-News». Die Lehrerin habe angenommen, dass die Tür wie sonst auch automatisch verriegeln würde. Sie habe sie zunächst offengehalten, um müheloser Lebensmittel von ihrem Auto ins Klassenzimmer tragen zu können. Die Lehrkraft erinnere sich, die Tür aber geschlossen zu haben, als sie der Notrufzentrale gemeldet habe, dass der Mann Schüsse abgebe, sagte Flanery weiter.

Nach dem Schulmassaker von Uvalde hat es bisweilen widersprüchliche Informationen über den Tatablauf gegeben. Für einen Aufschrei unter den Eltern der toten Kinder sorgte vor allem das späte Einschreiten der Polizei am Tag des Amoklaufs. Die Sicherheitsbehörde räumte ein, dass der Schütze sich mehr als eine Stunde in der Schule aufgehalten habe, ehe er von Einsatzkräften getötet wurde.

Ermittler versuchen noch immer, den für den Schulbezirk zuständigen Polizeichef Pete Arredondo zu befragen. Er war nach Angaben der Staatspolizei von Texas der Einsatzleiter während des Amoklaufs. Arredondo sei an jenem Tag von einer Geiselnahme im Klassenzimmer ausgegangen und habe angenommen, dass die Kinder nicht länger in Gefahr seien, hatte Steven McCraw, Chef der texanischen Behörde für öffentliche Sicherheit, erklärt. Dies sei «natürlich die falsche Entscheidung» gewesen. Der Fokus der Ermittlungen liege nun auf Arredondo und dem Polizeieinsatz.

Während Beamte der Polizei von Uvalde und des Schulbezirks aktuell befragt würden und Stellungnahmen abgäben, habe Arredondo aber auf Vorladungen der Sicherheitsbehörde seit zwei Tagen nicht reagiert, sagte Sprecher Considine.  

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Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

(DPA/roy)

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