Aktualisiert 24.02.2014 06:49

Bermuda-Dreieck

Lehrerinnen, Studenten und WGs statt Dirnen

Das ehemalige Dirnenhaus im Zürcher Kreis 4 ist saniert – im April ziehen die ersten neuen Mieter ein. Ganz vertreiben kann die Verwaltung das horizontale Gewerbe jedoch nicht.

von
som/rom

«Direkt im Vergnügungsviertel der Langstrasse gelegen, erwarten Sie neu renovierte Wohnungen mit viel Charme.» So preist die Kornhaus Verwaltungs AG ihre 65 Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen in der Überbauung Hohlstrasse 30/Brauerstrasse 27 im Zürcher Bermuda-Dreieck an. Am Boden liegt Laminat, durch die raumhohen Fenster dringt viel Licht ein und alle Wohnungen verfügen über eigene Geräte für Waschen/Trocknen. Kostenpunkt: zwischen 1400 und 2850 Franken monatlich. «Wir haben derzeit mehrere Besichtigungen pro Tag – sechs Wohnungen sind bereits weg», sagt Remo Lips, Teamleiter Liegenschaften bei der Kornhaus Verwaltungs AG.

Unter den neuen Mietern sind laut Lips Studenten, Lehrerinnen, Banker und auch WG's. «Diese Leute schätzen die zentrale Lage und dass rundherum immer etwas los ist», sagt Lips. Wer einziehen will, wird jedoch auf Herz und Nieren geprüft. «Neben einem Betreibungsregister- müssen sie uns sogar einen Strafregisterauszug vorlegen», sagt Lips. Damit wolle die Verwaltung verhindern, dass sich das horizontale Gewerbe wieder im Haus einnistet. «Dies ist zwar keine Garantie, aber das Maximum an Sicherheit, das wir einfordern können.» Der Rest sei gute Menschenkenntnis. Zudem werde der Hauswart und am Anfang auch ein Sicherheitsdienst melden, wenn Wohnungen doch wieder zweckentfremdet würden.

«Es herrschten schlimme Zustände»

Bis zum Start der Sanierung im vergangenen September vermietete der Vorbesitzer der Liegenschaft die Wohnungen vor allem an Prostituierte. Freier gingen ein und aus, es wurde mit Drogen gedealt und das Mobiliar war heruntergekommen. «Es herrschten schlimme Zustände», sagt Lips und betont: «Als wir die Überbauung kauften, war für uns klar, dass es nicht so weitergehen kann.» Die Sanierung sei auch im Sinne der Stadt, die keine sexgewerbliche Nutzung mehr in Gegenden will, in denen der Wohnanteil über 50 Prozent liegt.

Ganz verhindern kann die Kornhaus Verwaltungs AG die Prostitution im Gebäudekomplex allerdings nicht. Denn 15 der 80 Wohnungen im ehemaligen Dirnen-Haus gehören nicht der Verwaltung, sondern anderen Eigentümern. Wie 20 Minuten weiss, vermieten diese ihre Räume teilweise immer noch an Prostituierte. Lips sagt dazu: «Die neuen Mieter, die nun einziehen, wissen dies – sie haben kein Problem damit, solange sie dadurch nicht gestört werden.»

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