Aktualisiert 13.09.2019 12:44

Teurer FahrspassLehrling zahlt 960 Franken Strafe wegen E-Board

Lehrling Danny Vivas fuhr mit seinem E-Skateboard ohne eingeschalteten Elektroantrieb durchs Dorf. Jetzt erwartet ihn eine saftige Busse.

von
Ilona Himmelberger
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Danny Vivas (20) erfüllte sich einen Jugendtraum. Er sparte seinen Lehrlingslohn und kaufte sich ein Elektro-Skateboard. Doch das Board bescherte Vivas kürzlich einen Strafbefehl mit einer Zahlungsaufforderung von happigen 960 Franken – 400 Franken Busse und rund 560 Franken Bearbeitungsgebühren. (Symbolbild)

Danny Vivas (20) erfüllte sich einen Jugendtraum. Er sparte seinen Lehrlingslohn und kaufte sich ein Elektro-Skateboard. Doch das Board bescherte Vivas kürzlich einen Strafbefehl mit einer Zahlungsaufforderung von happigen 960 Franken – 400 Franken Busse und rund 560 Franken Bearbeitungsgebühren. (Symbolbild)

Ende Juli begegnete Vivas in Würenlos AG zwei Polizisten, als er mit dem E-Board unterwegs war. Seinen Angaben zufolge ist er mit ausgestelltem Motor auf dem Trottoir durchs Dorf gefahren. (Symbolbild)

Ende Juli begegnete Vivas in Würenlos AG zwei Polizisten, als er mit dem E-Board unterwegs war. Seinen Angaben zufolge ist er mit ausgestelltem Motor auf dem Trottoir durchs Dorf gefahren. (Symbolbild)

Nora Tarvus
Einen Monat später erhielt Vivas einen Strafbefehl wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz. (Symbolbild)

Einen Monat später erhielt Vivas einen Strafbefehl wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz. (Symbolbild)

Christophe Gateau

Danny Vivas (20) erfüllte sich einen Jugendtraum. Er sparte seinen Lehrlingslohn und kaufte sich ein Elektro-Skateboard. Doch das Board bescherte ihm kürzlich einen Strafbefehl mit einer Zahlungsaufforderung von happigen 960 Franken – 400 Franken Busse und rund 560 Franken Bearbeitungsgebühren.

Ende Juli begegnete Vivas in Würenlos AG zwei Polizisten, als er mit dem E-Board unterwegs war. Er sei mit abgeschaltetem Motor durchs Dorf gefahren, da er gewusst habe, dass E-Skateboards nicht für den Verkehr zugelassen seien. «Ich habe es aber als logisch empfunden, dass das E-Board ohne Motorbetrieb als normales Skateboard gilt.» Deshalb sei er mit diesem auf dem Trottoir mit Beinantritt gefahren.

Von der Polizei erwischt

Die beiden Polizisten hätten Vivas angehalten, da sie ein Motorengeräusch gehört hätten. «Ich erklärte ihnen, dass das Board auch so töne, wenn die Elektronik nicht eingeschaltet sei.» Daraufhin hätten sie ihn so weiterfahren lassen. Am nächsten Tag wurde er auf den Polizeiposten vorgeladen und gefragt, ob er mit dem Board gefahren sei. «Ich habe das bejaht. Ich bin ja damit gefahren», so Vivas.

Einen Monat später erhielt er einen Strafbefehl wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz: Das E-Board verfügte über keine Haftpflichtversicherung und kein Kontrollschild, und der Besitzer sei im Wissen gewesen, dass er damit auf öffentlichen Strassen nicht fahren dürfe.

«Die Busse belastet mein Budget stark»

Vivas legte Einsprache ein mit der Begründung, dass das E-Board zum betreffenden Zeitpunkt nicht elektrisch betrieben gewesen sei. Die daraufhin befragten Polizisten geben in 20 Minuten vorliegenden Dokumenten aber an, dass sie Vivas in einem «zügigen (mit einer nicht näher definierbaren Geschwindigkeit) Tempo und ohne mit dem Fuss zu beschleunigen» angetroffen hätten. Zudem habe er die Fernbedienung des E-Boards gehalten, und sie hätten ein Motorengeräusch wahrgenommen.

Da Vivas seine Sicht der Dinge nicht beweisen könne und sein Fall vor Gericht deshalb aussichtslos sei, riet ihm sein Rechtsschutz-Anwalt, die Einsprache zurückzuziehen. Die Busse belastet den Lehrling stark: «Eigentlich wollte ich über Weihnachten nach Australien und habe bereits gebucht. Jetzt muss ich mir dafür wohl Geld borgen, da die Busse mein kleines Budget arg belastet.»

E-Skateboards sind keine Skateboards

Laut Thomas Rohrbach, Mediensprecher Bundesamt für Strassen (Astra), ist es egal, ob man bei einem E-Skateboard den Motor eingeschaltet hat oder nicht. Entscheidend ist, ob ein solches Gefährt die technischen Anforderungen erfüllt, um überhaupt im öffentlichen Strassenverkehr benutzt werden zu dürfen. Wie hoch die jeweilige Busse bei Übertretung dieser Regelung ist, entscheiden die jeweils zuständigen Gerichtsbehörden im Einzelfall, die anfallenden Gebühren legen die Kantone fest.

Fiona Strebel von der Medienstelle der Staatsanwaltschaft Aargau sagt, bei der Festlegung des Betrags habe man sich an die Strafbefehlsrichtlinie gehalten. Diese sehe für Übertretungen wie die vorliegende Bussen ab 400 Franken vor. «Der junge Mann hat also unter Berücksichtigung aller Umstände die Minimalbusse erhalten.» Und die zusätzlich anfallende Strafbefehlsgebühr könne sich zwischen 200 und 10'000 Franken bewegen, je nach Aufwand von Polizei und Staatsanwaltschaft.

E-Skateboarding auf Schweizer Strassen

In anderen Schweizer Ortschaften wurden ebenfalls bereits E-Skateboardfahrer verzeigt. Im Jahr 2016 wurde beispielsweise ein Elektrotechnik-Student von der Stadtpolizei Zürich beim Fahren eines E-Skateboards angehalten und erhielt vom Strafrichteramt der Stadt Zürich einen Strafbefehl (20 Minuten berichtete). Dort betrug der Gesamtbetrag rund 620 Franken für Busse und Gebühren. Und auch die Stadtpolizei St. Gallen hatte schon ein paarmal mit E-Skateboardern zu tun, wie Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St. Gallen, bestätigt.

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