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Neues KonzeptLehrlinge müssen eigenen Laptop zur Schule bringen

Computerräume an Berufsschulen könnten schon bald Geschichte sein: Viele Auszubildende müssen ihre eigenen Laptops mitbringen.

von
R. Knecht
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In Luzern müssen Lernende künftig ihre eigenen Laptops in die Berufsschule mitbringen.

In Luzern müssen Lernende künftig ihre eigenen Laptops in die Berufsschule mitbringen.

Keystone/Christian Beutler
«Bring your own device» heisst das Konzept, das im Rahmen des kantonalen Programms Pegasus zur Digitalisierung der Ausbildung umgesetzt wird.

«Bring your own device» heisst das Konzept, das im Rahmen des kantonalen Programms Pegasus zur Digitalisierung der Ausbildung umgesetzt wird.

Keystone/urs Flueeler
Wie es bereits bei vielen Berufsschulen in der Schweiz der Fall ist, sollen auch in Luzern die einzelnen Institutionen die Mindestanforderungen für die verschiedenen Berufe vorgeben.

Wie es bereits bei vielen Berufsschulen in der Schweiz der Fall ist, sollen auch in Luzern die einzelnen Institutionen die Mindestanforderungen für die verschiedenen Berufe vorgeben.

Britta Pedersen

Im Kanton Luzern müssen Lernende an Berufsschulen nächstes Jahr ihre eigenen Laptops organisieren. «Bring your own device» heisst das Konzept, das im Rahmen des kantonalen Programms zur Digitalisierung der Ausbildung, Pegasus, umgesetzt wird. Dieser Schritt soll die Informatikkompetenz der Lernenden stärken, wie Christof Spöring, Leiter der Luzerner Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, zur «Luzerner Zeitung» sagt.

Wie es bereits bei vielen Berufsschulen in der Schweiz der Fall ist, sollen auch in Luzern einzelne Institutionen vorgeben, was Laptops für die verschiedenen Berufe leisten können müssen. Laut Spöring sei je nach Fachgebiet mit Ausgaben von 300 bis 700 Franken zu rechnen, sofern die Lernenden auf Aktionspreise zurückgreifen.

Den Lehrbetrieben werde empfohlen, sich an diesen Kosten zu beteiligen. Das kritisiert Gaudenz Zemp, Direktor des kantonalen Gewerbeverbands: «Weitere Auslagen machen die Ausbildung von Lehrlingen zunehmend unattraktiv», so Zemp.

Luzern ist keine Ausnahme

Immer weniger Schweizer Ausbildungsstätten haben fest installierte Computerstationen. Die Berufsfachschule BBB in Baden etwa setzt ebenfalls auf Notebooks und verlangt, dass die Lernenden ihre eigenen Geräte mitbringen.

Die Schule arbeitet mit einem IT-Dienstleister zusammen, um besondere Angebote zu ermöglichen. Das günstigste Gerät kostete im Sommer 740 Franken. Ein Laptop, der sich für Polymechaniker eignete, kostete 1250 Franken. Besonders teuer waren Geräte, die sich für Informatikberufe eignen: Der Preis betrug bis zu 1670 Franken. Lernende konnten ihre Geräte natürlich auch andernorts beschaffen.

Auszubildende stört es nicht

Von den Lernenden habe es bezüglich der Laptop-Pflicht bisher keine Reklamationen gegeben, sagt Rolf Häner, Rektor der Berufsfachschule BBB, zu 20 Minuten. «Das eigene Notebook ist eine Investition in die Ausbildung und ins Leben», so Häner, «Viele Lehrlinge in technischen Berufen haben sowieso schon eines.»

Anders als in Baden ist es an der Technischen Berufsschule Zürich: Dort gilt «Bring your own device» nur bei bestimmten Berufsgruppen. Ein Sprecher der Schule sagt zu 20 Minuten, die Auszubildenden müssten ihre eigenen Geräte nur mitbringen, wenn sie auch im Berufsalltag damit konfrontiert seien. Für die anderen gebe es feste Computerstationen. Prinzipiell auf private Laptops umzustellen, biete keinen allgemeinen Mehrwert, sagt der Sprecher.

Alle Schulen werden umsteigen

Für Philippe Wampfler, Lehrer und Experte für Lernen mit neuen Medien, ist klar, dass in der Schweiz auf Sekundarstufe zwei bald alle Schüler ihre eigenen Geräte mitbringen müssen. In den nächsten fünf Jahren würden alle Schulen auf dieses System wechseln, prognostiziert Wampfler.

Doch was, wenn sich Lernende und deren Familien keinen teuren Laptop leisten können? Wampfler sieht zwei Lösungsansätze. Einerseits sollten Schulen in solchen Fällen eine Lösung zur finanziellen Unterstützung bieten. Betriebe, die sowieso mit ähnlichen Geräten arbeiten, sollten sich zudem überlegen, den Auszubildenden einen Laptop bereitzustellen. «Schliesslich ist es im Berufsalltag normal, dass der Betrieb ein Arbeitsgerät zur Verfügung stellt», so der Experte.

Für die Lehrbetriebe könnte es auch von Vorteil sein, wenn sie den Lehrlingen ein Gerät stellten, sagt Wampfler. So würden sie auf dem gleichen Laptop arbeiten, mit dem sie in der Berufsschule lernten.

Entsteht in den Berufsschulen durch «bring your own device» ein sozialer Druck?

Laut Philippe Wampfler, Lehrer und Experte für Lernen mit Neuen Medien, sind diese technischen Geräte klar ein Statussymbol: «Ich habe auch schon Schüler gehabt, die mit einem brandneuen Macbook Pro daherkamen.» Da könne unter den Kameraden schon Neid entstehen. Wampfler glaubt allerdings, dass der Laptop eine weniger grosse Rolle spielt als etwa das Handy, das ja heute auch etwa gleich viel koste wie ein Laptop.

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