Extra-Geld: «Lehrlingslohn reicht nicht für die ganzen Kosten»
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Extra-Geld«Lehrlingslohn reicht nicht für die ganzen Kosten»

Budgetberaterin Andrea Schmid rechnet vor, was vom Lehrlingslohn für die Freizeit übrigbleiben kann. Und wohin das Geld sonst geht.

von
ish
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Wie viel bleibt für den Ausgang vom Lehrlingslohn?

Wie viel bleibt für den Ausgang vom Lehrlingslohn?

Keystone/Christian Beutler
Und wie viel zum Einkaufen, zum Beispiel für Kleider oder Schuhe?

Und wie viel zum Einkaufen, zum Beispiel für Kleider oder Schuhe?

Keystone/Christian Beutler
Die Lehrzeit bedeutet für viele junge Schweizer, dass sie zum ersten Mal selbst Geld verdienen und auch einteilen müssen.

Die Lehrzeit bedeutet für viele junge Schweizer, dass sie zum ersten Mal selbst Geld verdienen und auch einteilen müssen.

Keystone/Gaetan Bally

Die Hälfte der Lehrlinge bekommt zusätzlich Geld von der Familie, wie eine Umfrage des Verbandes Schweizerischer Kantonalbanken zeigt. Macht die Jugendlichen das fit genug, um finanziell auf eigenen Beinen zu stehen? 20 Minuten hat Andrea Schmid von der Budgetberatung befragt.

Ist es richtig, dass die Familie noch etwas auf den Lehrlingslohn draufzahlt?

Das hat zum Teil berechtigte Gründe. Der Lohn reicht nicht für die ganzen Kosten der Lehrlinge. Es geht um zirka 20 Budgetposten – darunter auch Ausbildungskosten, Kost, Logis, Versicherungen, Krankenkasse, Mobilität, Zahnarzt, Freizeit. Insgesamt braucht es dafür rund 2000 Franken pro Monat.

Sollen Lehrlinge zu Hause Geld abgeben?

Das ist die Gretchenfrage, ist aber gar nicht so wichtig. Entscheidender ist, ob das Geld, das ihnen zur Verfügung steht, bestimmten Budgetposten in angemessener Höhe zugeordnet ist. Denn es geht um Kompetenzen wie Planung oder das Einhalten von Grenzen. Ob es sich dabei unter anderem um einen Beitrag für Kost und Logis oder andere Budgetposten handelt, ist zweitrangig. Wichtig ist auch, ein realistisches Gespür dafür zu bekommen, was das Leben kostet. Zum Beispiel einzelne Bereiche wie Krankenkasse oder Telefonie.

Wie viel Geld sollte frei zur Verfügung stehen?

Auf der Website von Budgetberatung Schweiz sind dazu Beispiele aufgeschaltet. Bei einem Lehrlingslohn von 400 Fr. können es für Freizeit und Handy 150 Fr. sein. Für Jugendliche, mit einem Lohn von 1000 Fr. Lohn können es 230 Fr. sein. Was Kleider/Schuhe betrifft, empfiehlt die Budgetberatung pro Monat 70 Fr. respektive 80 Fr. Aber die Beispiele passen nicht für jede Familie, und es macht Sinn, eigene Lösungen zu finden.

Sollten Jugendliche den gleichen Lebensstandard haben wie ihre Eltern?

Je nach Familie werden die Eltern ihn sogar tiefer ansetzen. Hauptziel sollte immer sein, die Finanzkompetenz der Jungen zu fördern. Wer mit wenig Geld zurechtkommt, hat bessere Chancen, dass mehr Geld später nicht gleich in den Händen zerrinnt.

Wie ist es, wenn Jugendliche ihren Lohn von über 1000 Franken zu freien Verfügung haben?

Wenn das Geld nur für Freizeit, Handy und Kleider verwendet werden kann, dann entspricht dies dem Lebensstandard eines gehobenen Kaders. Das ist je nach Ausbildung und im Hinblick auf die Zukunft völlig unrealistisch. Hier sollten die Eltern unbedingt weitere Budgetposten an die Jugendlichen abgeben, damit junge Erwachsene nicht den Lebensstandard senken müssen, wenn sie zu Hause ausziehen.

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