Aufruhr: Lehrmeister hat eine Liaison mit Stiftin
Aktualisiert

AufruhrLehrmeister hat eine Liaison mit Stiftin

Der Küchen-Lehrmeister eines Heims im Limmattal hat ein Verhältnis mit seiner 18-jährigen Lehrtochter – für Experten ist dies mehr als nur problematisch.

von
Deborah Sutter

Das Personal eines Altersheims im Limmattal ist entsetzt: Der Souschef ihrer Küche vergnügt sich zurzeit mit niemand anderem als seiner Lehrtochter. «Es ist grässlich für mich, mit anzusehen, wie ein über 40-Jähriger eine 18-Jährige anfasst», empört sich eine Mitarbeiterin. Das Mädchen werde bevorzugt, weil sie mit ihm ins Bett steige, so die Angestellte. Von 20 Minuten auf die Affäre angesprochen, sagt der Heimleiter, er werde in dieser Sache aktiv werden: «Nur weil die Lehrtochter mitten in ihren Lehrabschlussprüfungen steckt, habe ich die beiden noch nicht damit konfrontiert.» Seine vorgesetzte Stelle hingegen habe er bereits informiert.

Der Präsident der Hotel & Gastro Formation und Ausbildner im Belvoirpark, Paul Nussbaumer, sagt: «Ein Verhältnis zwischen einem Lehrmeister und einer Lernenden ist ein absolutes No-Go.» Es sei die Aufgabe eines jeden Vorgesetzten, auf klare Distanz zu achten, so Nussbaumer. Beim kantonalen Berufsbildungsamt äussert man sich ähnlich. Leiter Marc Kummer: «Eine solche Beziehung ist problematisch, auch wenn rechtlich von der Lehraufsicht des Berufsbildungsamtes nichts dagegen zu unternehmen ist.» Stelle sich aber heraus, dass ein Abhängigkeitsverhältnis ausgenutzt werde, wie es zwischen Lehrmeister und Lernenden bestehe, müsse das Amt als Aufsichtsbehörde tätig werden.

«Solche Affären sind immer heikel»

«Eine Affäre zwischen einem Lehrmeister und seiner Lehrtochter ist immer heikel, auch wenn sie volljährig ist, denn es besteht in dieser Konstellation immer ein gesteigertes Abhängigkeitsverhältnis», sagt Andrea Ruckstuhl, Leiter der Jugendstelle KV Schweiz. Die Ausnützung der Abhängigkeit sei ein Straftatbestand – ob dieser erfüllt sei, gelte es in solchen Fällen jeweils zu prüfen. Der Verband Heime und Institutionen Schweiz, Curaviva, kennt keine Checkliste oder Richtlinie, wie derartige Beziehungen zu regeln wären, wie Sprecher Dominik Lehmann sagt. «Die einzelnen Institutionen haben dazu eigene Regelungen.»

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