Aktualisiert 19.10.2008 09:47

Mysteriöses im Leichenschauhaus

Leiche mit männlicher und weiblicher DNA

Münchner Rechtsmediziner sind erstmals auf eine Leiche mit zwei unterschiedlichen Erbinformationen gestossen. Bei der Identifizierung eines unbekannten Selbstmörders fanden die Gerichtsmediziner sowohl männliche als auch weibliche DNA-Merkmale. Was nun? Mann oder Frau? Die Experten standen vor einem Rätsel.

«So etwas war uns noch nie untergekommen», sagte die DNA-Expertin Katja Anslinger vom Institut für Rechtsmedizin der Universität München gegenüber dem Nachrichtenmagazin «Focus». Demnach stellte sich heraus, dass der Mann Jahre vor seinem Suizid eine Knochenmarkspende von einer Frau erhalten hatte. Nach der Transplantation wiesen seine Blutzellen die DNA-Merkmale der Spenderin auf, in allen anderen Körperzellen blieb das ursprüngliche DNA-Muster des Mannes erhalten, wie das Magazin berichtete.

Der Selbstmord ereignete sich laut «Focus» im Februar in München. Die Person habe sich mit einem Sprung vor eine S-Bahn das Leben genommen. Der Leichnam sei bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt gewesen. Aufgrund einer Vermisstenanzeige und eines von der Polizei gefundenen Abschiedsbriefes habe alles auf einen Bauarbeiter hingewiesen. Auch der Zugfahrer habe angegeben, ein Mann habe sich vor die Bahn geworfen. Die Rechtsmediziner fanden im Blut des Leichnams jedoch weibliche DNA, die Hautzellen hingegen zeigten männliche DNA-Merkmale, wie der «Focus» schreibt.

Genspuren kritisch hinterfragen

«Der Fall sollte Fahnder und Untersuchungsbehörden sensibilisieren, Genspuren noch kritischer zu hinterfragen», warnte Anslinger. Wenn die Polizei bei der Identifizierung von Leichen oder bei der Aufklärung von Verbrechen nichts von einer Knochenmarktransplantation wisse, könne dies zu Fehlinterpretationen und falschen Verdächtigungen führen.

Die DNA-Analyse wird von der Polizei inzwischen oft bei Ermittlungen eingesetzt. Mit Hilfe der Methode konnten Verbrechen aufgeklärt werden, die viele Jahre zurückliegen. Mehrfach gab es bei Verbrechen Massengentests, um den Täter zu ermitteln. (dapd)

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