Stadt Luzern: «Leichen» als Mahnmal gegen Flüchtlings-Drama

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Stadt Luzern«Leichen» als Mahnmal gegen Flüchtlings-Drama

Mitten in Luzern lagen am Donnerstag zehn Menschen unter weissen Leichentüchern am Boden. Die Passanten sollten damit angeregt werden, der Opfer der Flüchtlingsdramen zu gedenken.

von
mme
Diese Leichen vor der Jesuitenkirche in Luzern sollen auf die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer aufmerksam machen.

Diese Leichen vor der Jesuitenkirche in Luzern sollen auf die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer aufmerksam machen.

Irritierendes Bild am Donnerstagmittag vor der Jesuitenkirche in Luzern: Am Boden lagen zehn Personen, umhüllt von weissen Leichentüchern. Stockstill verharrten sie dort vierzig Minuten lang und zogen die Blicke der Passanten auf sich. Hinter der Aktion mit dem Namen «Just one minute» steckt Performerin Beatrice Fleischlin, die als Associated Artist im Kulturhaus Südpol arbeiten. Ihr Ziel: Passanten sollten für die Opfer der Flüchtlings-Katastrophe im Mittelmeer eine Schweigeminute einlegen.

«Auf die Idee kam ich, als letzte Woche vermeldet wurde, dass die Schweiz vom World Happiness Report zum glücklichsten Land der Welt auserkoren wurde, und in der gleichen Woche kamen bei der Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer Hunderte Menschen ums Leben», sagt Fleischlin.

Irritierte Eritreer

Die Reaktionen der Passanten waren unterschiedlich. Laut Fleischlin seien viele Leute irritiert gewesen. Am meisten irritiert hätten zwei Männer aus Eritrea reagiert, die erst vor Kurzem in die Schweiz gekommen seien. «Einige Passanten folgten der Einladung zur Schweigeminute und stellten sich für einen Moment stumm neben die ‹Leichen›.» Auch hätten viele Leute Fotos oder gar Selfies gemacht. Die negativste Reaktion: Jemand habe gesagt, dass «die alle abfahren sollen».

Auf die Frage, ob man keine Bedenken gehabt habe, weil auch kleine Kinder die regungslosen Körper in Leichentüchern gesehen haben könnten, sagt Fleischlin: «Es ist eine traurige Realität, dass das Zeitgeschehen von Eltern verlangt, ihren Kindern erklären zu müssen, dass andere Kinder auf der Flucht vor Krieg und Hoffnungslosigkeit ihr Leben verlieren.»

Ähnliche Aktion vor zwei Jahren

Gut möglich, dass die Aktion wiederholt wird: «Wir finden es sinnvoll und dringlich, diese oder ähnliche Aktionen zu wiederholen. Gerade sind wir daran, die Erfahrungen dieser Aktion auszuwerten und das weitere Vorgehen zu planen.»

Neu ist die Leichen-Aktion indes nicht: Vor der Abstimmung über die Asylgesetzrevision vor zwei Jahren haben die Jungen Grünen Luzern ebenfalls mit Personen in Leichensäcken an der Reuss darauf aufmerksam gemacht, dass im Mittelmeer täglich Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken.

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