Corona in Österreich – Leichen müssen aus Platzmangel im Spitalgang zwischengelagert werden
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Corona in ÖsterreichLeichen müssen aus Platzmangel im Spitalgang zwischengelagert werden

Die Corona-Zahlen befinden sich in Österreich weiterhin auf einem Höchststand. Pflegefachkräfte berichten von einer hoffnungslosen Überlastung der Spitäler.

von
Benedikt Hollenstein
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Die österreichischen Spitäler laufen aufgrund der hohen Infektionszahlen am Anschlag.

Die österreichischen Spitäler laufen aufgrund der hohen Infektionszahlen am Anschlag.

AFP/Helmut Fohringer
Bereits jetzt müssen Ärztinnen und Ärzte teilweise entscheiden, wer behandelt wird und wer nicht.

Bereits jetzt müssen Ärztinnen und Ärzte teilweise entscheiden, wer behandelt wird und wer nicht.

AFP/Helmut Fohringer
Seit Montag gilt in ganz Österreich ein Lockdown für alle ungeimpften Personen.

Seit Montag gilt in ganz Österreich ein Lockdown für alle ungeimpften Personen.

AFP/Hans Punz

Darum gehts

  • Seit Wochen steigen die Fallzahlen in Österreich rasant an.

  • Trotz dem Lockdown für Ungeimpfte und strenger 2G-Regel ist bis jetzt keine Besserung in Aussicht.

  • In einzelnen Spitälern ist die Auslastung so gross, dass Leichen übergangsmässig im Gang gelagert werden.

Noch immer scheinen viele nicht wahrhaben zu wollen, wie dramatisch die Corona-Situation in Österreich tatsächlich ist. Gleichzeitig sind Medizinerinnen und Mediziner landesweit am Ende: In Salzburg müssen künftig Ärztinnen und Ärzte wegen einer Triage darüber entscheiden, wer behandelt wird und wer nicht – also tendenziell, wer leben darf und wer wahrscheinlich sterben muss. Nun kommen neue beunruhigende Nachrichten aus Oberösterreich: Dort sterben so viele Corona-Patienten, dass die Pathologie nicht nachkommt, wie heute.at berichtet.

Personal ist psychisch am Ende

Die APA hat mit einer Insiderin eines oberösterreichischen Spitals gesprochen: Alleine in der Nacht auf Montag seien so viele Patientinnen und Patienten gestorben, dass man am Limit war. «Die Leichen mussten wegen Überfüllung am Gang abgestellt werden», so Pflegefachkraft Monika, deren Name von der Agentur geändert wurde, um ihre Anonymität zu wahren. Das Personal sei psychisch am Ende: «Keiner draussen kann sich vorstellen, was das bedeutet», so die Pflegerin.

Ihr Job sei es, die Verstorbenen nach dem Tod noch so herzurichten, dass Angehörige einen würdigen Abschied bekommen könnten. Doch bei Corona sei das wegen der hochinfektiösen Leichen nicht möglich: «Corona-Tote steckst du nackt in einen luftdicht verschlossenen Plastiksack, zippst zu und das wars.» Immer mehr Stationen müssten geschlossen werden, das Personal werde dringendst auf den Corona-Abteilungen gebraucht, so die Pflegefachkraft.

«Kein Feuerlöscher, sondern Benzin»

«Es brennt und du nimmst keinen Feuerlöscher, sondern Benzin», sagt sie zu den momentan getroffenen Massnahmen. Schon vor Corona sei man knapp besetzt gewesen, nun sei man soweit: «Mit Covid schwimmen wir total.» Und es müsse bereits entschieden werden, wer leben darf und wer sterben muss: Eine betagte Frau musste abgewiesen werden, obwohl sie nur noch 50 Prozent Sauerstoffsättigung aufgewiesen habe. Zum Glück habe die Frau den Kampf für sich entschieden. Was sie zudem sagt: Sie wolle keinen Bonus, sie wolle nur ihr Leben zurück. Immer mehr ihrer Kolleginnen und Kollegen würden an Kündigung denken, nur um dem Corona-Horror zu entkommen.

Leidest du oder jemanden, den/die du kennst, unter einer grossen Belastung?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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