Leichenschändung: Deutschland befürchtet Rache von El Kaida

Aktualisiert

Leichenschändung: Deutschland befürchtet Rache von El Kaida

Die Skandalfotos von deutschen Soldaten in Afghanistan haben in Deutschland Entsetzen und Befürchtungen vor Rache durch die Taliban oder El Kaida ausgelöst.

Die deutsche Regierung will eine mutmassliche Leichenschändung durch Bundeswehrsoldaten in Afghanistan entschlossen ahnden. Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den Zwischenfall am Mittwoch scharf.

Besonders scharfe Kritik übte der Chef des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz. Die Bilder seien nicht nur abstossend, ekelerregend und pervers, sondern unglaublich dumm, weil sie die Sicherheit der deutschen Soldaten gefährdeten, sagte er Reuters TV.

«Natürlich besteht die Gefahr, dass gegnerische Gruppierungen wie die Taliban oder El Kaida solche Fotos instrumentalisieren und ihren Landsleuten sagen: Seht mal, so gehen die Ungläubigen, so gehen die Deutschen mit unseren Toten um».

«Die Bundesregierung wird gegen die Soldaten, die dabei eine Rolle spielen, ermitteln und mit aller Härte durchgreifen», sagte Merkel in Berlin. «Ein solches Verhalten ist durch nichts zu entschuldigen.»

Die «Bild»-Zeitung veröffentlichte am Mittwoch fünf Fotos, die deutsche Soldaten der Afghanistan-Schutztruppe ISAF im Jahr 2003 während einer Patrouillenfahrt in der Nähe von Kabul zeigen. Dabei präsentieren sie mit zum Teil obszönen Gesten einen Totenschädel.

Unklar sei, ob es sich bei dem Totenschädel um sterbliche Überreste eines Afghanen oder eines russischen Soldaten handle, der während der sowjetischen Besatzungszeit 1979-1989 gefallen sein könnte.

Verdächtige werden verhört

Die Gesichter der Bundeswehrsoldaten waren in der Zeitung ebenso wie das Kennzeichen ihres Fahrzeuges geschwärzt. Dennoch hat die Bundeswehr zwei Verdächtige ermittelt, nachdem sich ein damals in Afghanistan eingesetzter Soldat gemeldet haben soll.

Bei den zwei Verdächtigen soll es sich um einen Stabs- oder Hauptgefreiten der Reserve, bei dem anderen um einen Stabsunteroffizier handeln. Laut dem Generalinspektor der Bundeswehr wurden beide am Mittwoch verhört.

Die Staatsanwaltschaft Potsdam leitete ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt wegen Störung der Totenruhe ein. In der Region Potsdam befindet sich die Kommandozentrale der Streitkräfte.

Sanktionen gegen Soldaten

Verteidigungsminister Franz Josef Jung kündigte harte dienstrechtliche, disziplinarische und möglicherweise auch strafrechtliche Konsequenzen an, falls sich die Vorwürfe bestätigen sollten. «Wer sich so verhält, hat in der Bundeswehr keinen Platz», sagte Verteidigungsminister Franz Josef Jung.

(sda)

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