Stabhochsprung: Leichtathletik-Superstar Duplantis – «Werde für einen Schweizer gehalten»

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StabhochsprungLeichtathletik-Superstar Duplantis – «Werde für einen Schweizer gehalten»

Mit 22 Jahren steht Armand «Mondo» Duplantis auf dem Gipfel des Leichtathletik-Olymps. Im Interview spricht der Olympiasieger über die Rekorde, Grenzen und Verwechslungen.

von
Lucas Werder
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An der WM in Eugene sicherte sich Armand Duplantis überlegen WM-Gold und stellte einen neuen Weltrekord auf.

An der WM in Eugene sicherte sich Armand Duplantis überlegen WM-Gold und stellte einen neuen Weltrekord auf.

IMAGO/Bildbyran
Der 22-Jährige hat bereits alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.

Der 22-Jährige hat bereits alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.

IMAGO/TT
Alleine in diesem Jahr verbesserte er seinen eigenen Weltrekord dreimal.

Alleine in diesem Jahr verbesserte er seinen eigenen Weltrekord dreimal.

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Darum gehts

Armand Duplantis, in den USA haben viele Mühe, Schweden und die Schweiz auseinanderzuhalten. Sie sind in den USA geboren, starten aber für Schweden. Wurden Sie schon mal für einen Schweizer gehalten?

Die ganze Zeit. Die Leute in Louisiana dachten häufig, dass ich Schweizer sei. Es gibt aber sicher schlimmere Verwechslungen. (lacht)

Alleine in diesem Jahr haben Sie den Weltrekord dreimal verbessert, wurden Welt- und Europameister. Waren die letzten Monate die verrücktesten Ihrer bisherigen Karriere?

Sicher die Erfolgreichsten. Es war bislang ein fantastisches Jahr für mich. Ich konnte praktisch alles in die Tat umsetzen, was ich mir vorgenommen hatte.

Mit 22 Jahren haben Sie bereits alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Wofür trainieren Sie überhaupt noch jeden Tag?

Ich versuche ja nicht, etwas nur einmal zu gewinnen. Ich möchte jeden Titel mehrfach gewinnen, so wie einst Sergej Bubka. Ich weiss, dass ich das nicht für immer tun kann, aber ich möchte so lange wie möglich erfolgreich sein.

Sehen wir aktuell den besten Armand Duplantis?

Ich weiss es nicht. Ich versuche mich jeden Tag zu verbessern – als Athlet, aber auch als Mensch. Ich bin noch nicht da, wo ich gerne sein möchte.

Gibt es ein Limit?

Ich denke, ich habe noch höhere Sprünge in mir. Ich bin erst am Anfang.

An WM und EM haben Sie die Konkurrenz jeweils um mehr als 20 Zentimeter überflügelt. Brauchen Sie gar keine Gegner, um Ihr Potenzial auszuschöpfen?

Ich habe genug interne Motivation. Im Sport trittst du auch gegen dich selbst an und versuchst, besser zu sein, als am Tag zuvor. Natürlich ist Konkurrenz eine gute Sache. Aber das kann ich nun mal nicht kontrollieren.

Sie haben mal erzählt, dass Sie vor den Olympischen Spielen in Tokio wegen des Drucks «fast verrückt» geworden seien. Ist heute weniger Druck da, wo Sie alles gewonnen haben?

Zu 100 Prozent. So einen Druck wie vor den Olympischen Spielen verspürte ich seitdem nie wieder.

Woher kam der Druck?

Die Olympischen Spiele sind etwas ganz Spezielles. Diese Chance gibt es nur alle vier Jahre. Ich wusste damals, dass Gold möglich ist. Das hat den Druck zusätzlich erhöht.

Bei all Ihren Erfolgen, gibt es da einen, der heraussticht?

Es ist entweder der erste Weltrekord oder mein erster EM-Titel.

Kein WM-Titel? Kein Olympia-Gold?

Nein. An der EM 2018 war ich das letzte Mal als Aussenseiter am Start, übersprang erstmals die sechs Meter und gewann Gold. Das macht es für mich zu einem ganz besonderen Tag. Es war wie ein Traum, der endlich wahr geworden ist.

«Mein erstes Mal Raclette war fantastisch»

Armand Duplantis über die Schweiz

Heute sind Sie immer der grosse Favorit. Vermissen Sie die Aussenseiterrolle?

Vielleicht ein wenig. Aber ich befürchte, ich werde diese Rolle in der nächsten Zeit nicht wieder einnehmen müssen. (lacht)

Ihr Grossvater und Ihr Vater waren Stabhochspringer. Auch Ihre drei Geschwister betreiben oder betrieben den Sport. Gab es in Ihrem Leben nie «zu viel» Stabhochsprung?

Ich glaube nicht. Immer, wenn ich das Gefühl hatte, dass es zu viel wird, bin ich einfach nicht mehr gesprungen. Das war immer ok, meine Eltern haben mich nie gedrängt. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum ich heute immer noch so ein Feuer und eine solche Leidenschaft für den Sport verspüre.

Was tun Sie heute, wenn es dann doch mal zu viel wird mit dem Stabhochspringen?

Ich liebe Golf. Es ist sehr friedlich und entspannend, aber trotzdem kompetitiv.

Sind Sie gut?

Nicht wirklich. Aber immerhin gut genug, um Spass zu haben. Ich habe es sehr genossen, am Pro-Am des Omega Masters spielen zu können und einige erholsame Tage in Crans zu verbringen.

Sie waren schon mehrfach für Wettkämpfe in der Schweiz. Gibt es etwas, das Ihnen besonders gut gefällt?

Die Landschaft, die manchmal wie ein Gemälde aussieht. Dann natürlich auch Schokolade und Raclette, beides zwei meiner liebsten Sachen. Diese Woche hatte ich das erste Mal in meinem Leben Raclette, es war fantastisch.

*Armand Duplantis ist Markenbotschafter des Uhrenherstellers Omega. Das Interview wurde im Rahmen des Omega Masters in Crans-Montana durchgeführt. Am Donnerstag wird Duplantis bei Weltklasse Zürich an den Start gehen.

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