Mani Matters Erben: «Leidenschaft macht das Berner Chanson aus»
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Mani Matters Erben«Leidenschaft macht das Berner Chanson aus»

An den ersten Berner Chansons Tagen im Februar singen alte und neue Talente ihre besten Lieder. Das Berner Kulturgut ist derzeit wieder im Aufwind.

von
Katrin Freiburghaus

Rund 50 Jahre nach den ersten Auftritten der Berner Troubadours erlebt das Berner Chanson eine Renaissance: «Es gibt vermehrt neue Stimmen in der Szene», sagt Christian Liengme. Er und Mitorganisator Rolf Marti wollen auf diese Bewegung aufmerksam machen und führen deshalb vom 19. bis 21. Februar die ersten Berner Chansons Tage durch.

Im Café Marta und im Kunst- und Kulturhaus vis-à-vis wird den Zuschauern ein Querschnitt durch die aktuelle Berner Chanson-Szene geboten, bei dem sie laut Liengme altbekannte Grössen wieder und junge Talente neu entdecken können. Die Konzerte in der Berner Altstadt werden an den Auftritten der bekannten Berner Chansonniers ausgerichtet: «Wir haben bewusst zwei Kellerlokale gewählt, die ähnlich sind wie die, in denen damals auch die Berner Troubadours spielten», so Liengme. Die Konzertbesucher könnten so in gemütlicher Atmosphäre sitzen bleiben, während die Musiker zwischen ihren Auftritten die Lokale wechseln, was zum Festival-Charakter beitrage.

Mani Matter ist auch präsent

«Ich fand die Idee sehr schön, die Berner Chansons Tage im damaligen Stil wieder aufleben zu lassen», sagt der Berner Chansonnier Oli Kehrli. Er freue sich besonders auf den Abend mit seinem langjährigen Chanson-Freund und Mentor Jacob Stickelberger. Dieser habe die Geschichte des Berner Chansons seit Jahrzehnten stark geprägt und mitgestaltet. «Ich dachte mir, dass einer von den ganz Alten auch dabei sein sollte», sagt Stickelberger, der gleichzeitig wie Mani Matter Mitglied bei den Berner Troubadours war.

Mani Matter gilt laut Organisator Liengme als der Hauptvertreter des Berner Chansons, weshalb seine Person auch beim Fest nicht fehlen darf: Mit seiner Liedern beeinflusste er viele Troubadouren, von denen einige am Fest spielen. Zudem ist Matter an der Podiumsdiskussion «Die wo so Liedli mache...» über die Hintergrundgeschichte des Berner Chansons ein Thema. Weiter sind am Samstag und Sonntag geführte Mani-Matter-Stadtspaziergänge geplant, sagt Liengme. Dass Matter auch heute noch so bekannt ist, erklärt sich Stickelberger mit seinem lyrischen Talent: «Er hatte die geniale Gabe, aus Kleinigkeiten etwas ganz Wesentliches zu machen. Das hat ihm bisher noch niemand nachmachen können.»

Immer mehr junge Leute

Liengme, der früher selber als Chansonnier auftrat, will mit den ersten Berner Chansons Tagen die Dynamik in der Szene aufzeigen und vor allem jüngere Generationen für das Genre begeistern. «Es gibt immer mehr junge Chansonniers, und die bringen ihre eigenen Fans mit», so Liengme. Diese Beobachtung bestätigt auch Kehrli: «An meine Konzerte kommen Leute aus allen Altersklassen und sozialen Schichten.»

Trotz dieser Entwicklung glaubt Stickelberger nicht, dass das Berner Chanson nochmal die Beliebtheit seiner Blütezeit erreichen wird. Bei der heutigen Musik stehe die Performance im Vordergrund, beim Berner Chanson gehe es jedoch um den Text und den Inhalt. Auch Kehrli betont die Bedeutung von Geschichten in Vers-Form: «Das Berner Chanson ist ein Kulturgut der Stadt Bern.» Er wolle die Tradition weiterführen, die er von den Berner Troubadours gelernt hat – und zwar mit Leidenschaft, denn: «Leidenschaft macht das Berner Chanson aus.»

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