Bundestagswahl: «Leider war es ein langweiliger Abend»
Aktualisiert

Bundestagswahl«Leider war es ein langweiliger Abend»

Zwei Wochen vor der deutschen Bundestagswahl ist das einzige TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Frank-Walter Steinmeier unentschieden ausgegangen. Ein offener Schlagabtausch blieb aus.

von
Michael Fischer

Die Kandidaten verzichteten bei dem 90-minütigen Live-Auftritt vor einem Millionenpublikum auf scharfe gegenseitige Attacken. Beide Spitzenkandidaten lobten die Arbeit der Grossen Koalition in den vergangenen vier Jahren und zeigten sich in Fragen wie der Opel-Übernahme und der Afghanistan-Strategie einig. Differenzen wurden vor allem bei den Themen Mindestlohn, Managergehälter, Steuerpolitik und Atomausstieg deutlich.

Müntefering spricht von Durchbruch für SPD

In einer ZDF-Umfrage sahen 28 Prozent der Befragten Merkel als Siegerin, 31 Prozent Steinmeier. In der ARD fiel das Ergebnis noch knapper aus: Für 43 Prozent gewann Steinmeier, 42 Prozent fanden Merkel besser. Nach einer RTL-Umfrage ging das Duell 37 zu 35 Prozent für Merkel aus.

SPD-Chef Franz Müntefering sprach trotzdem von einem Durchbruch für seine Partei im Wahlkampf. Noch nie habe ein Kandidat in einem Fernsehduell so klar vorne gelegen wie Steinmeier, sagte er. Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte dagegen, Merkel habe überzeugender und souveräner gewirkt.

Kein Schwung für den Wahlkampf

Den erhofften Schwung in den schleppenden Wahlkampf brachte das Duell nicht. Steinmeier warnte mehrfach vor einer schwarz-gelben Koalition und schloss ein Bündnis mit der Linkspartei aus. Trotz der schlechten Umfragewerte setze er weiterhin darauf, dass die SPD nach der Wahl den Kanzler stellt, sagte er.

Merkel bekannte sich zum Ziel einer Koalition mit der FDP. Die Absage Steinmeiers an ein Linksbündnis vor 2013 bezweifelte sie. «Eine Garantie haben wir nicht, dass es nicht in der Legislaturperiode schon kommt.»

Steinmeier stellte vor allem die offene Mindestlohnfrage und die Pläne zur Begrenzung von Managergehältern als Unterschiede zwischen Union und SPD heraus. Bestrebungen der Union, den Atomausstieg zu verzögern, erteilte Steinmeier eine klare Absage: «Ich halte den Rückweg in die Atomenergie ... für nicht verantwortbar und politisch auch für falsch.»

Steinmeier nennt Steuerpolitik der Union unglaubwürdig

Die Kanzlerin lobte wie Steinmeier die Erfolge der Grossen Koalition. In der derzeitigen Krise müsse aber «eine entschiedene Politik für mehr Arbeit» gemacht werden, sagte sie. Deswegen sei mehr Union in der Regierung notwendig. Merkel verteidigte die von CDU und CSU geplanten Steuersenkungen gegen die Kritik Steinmeiers und stellte die Bewältigung der Wirtschaftskrise erneut als wichtigstes Wahlkampfthema heraus.

Steinmeier nannte die Steuerpolitik Merkels unglaubwürdig. Um die von Union und FDP versprochenen Steuersenkungen zu realisieren, bräuchte man ein Wachstum von neun Prozent im Jahr, sagte er.

Opposition enttäuscht

Die Opposition zeigte sich enttäuscht von dem Duell. «Leider, leider war es ein langweiliger Abend», sagte der Linken-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch. Die Vorsitzenden der Grünen und der FDP, Jürgen Trittin und Guido Westerwelle, kritisierten die Abwesenheit der Opposition bei der Sendung. Dies sei nicht mehr zeitgemäss, sagte Trittin. Westerwelle erklärte, zu einer demokratischen Auseinandersetzung hätte auch eine Teilnahme der drei im Bundestag vertretenen Oppositionsparteien gehört.

Das einzige Fernsehduell der beiden Kandidaten wurde von vier Sendern live übertragen. Es wurden rund 20 Millionen Menschen vor den Bildschirmen erwartet.

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