Drang nach Likes - Leidest du an einer Social-Media-Sucht? Diese Symptome weisen darauf hin

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Drang nach LikesLeidest du an einer Social-Media-Sucht? Diese Symptome weisen darauf hin

Immer mehr Menschen rutschen in suchtartiges oder problematisches Verhalten ab, was den Umgang mit Social Media angeht. Wann man sich Hilfe suchen sollte, erklärt eine Psychiaterin.

von
Dominique Zeier
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Eine Social-Media-Sucht kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.

Eine Social-Media-Sucht kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.

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Betroffene ziehen sich aus ihrem Leben zurück und vernachlässigen die Schule oder die Arbeit.

Betroffene ziehen sich aus ihrem Leben zurück und vernachlässigen die Schule oder die Arbeit.

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Wie Dagmar Pauli, Chefärztin an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, weiss, haben sich die Fälle von problematischem oder suchtartigem Social-Media-Konsum während der Corona-Zeit vermehrt. 

Wie Dagmar Pauli, Chefärztin an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, weiss, haben sich die Fälle von problematischem oder suchtartigem Social-Media-Konsum während der Corona-Zeit vermehrt.

Darum gehts

  • Social-Media-Unternehmen sind in letzter Zeit häufiger in Kritik geraten.

  • Dabei geht es um deren Suchtpotenzial und negativen Einflüsse auf die Psyche ihrer Nutzerinnen und Nutzer.

  • Dagmar Pauli, Chefärztin an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, erklärt, wie man eine Social-Media-Sucht erkennt.

  • Aber auch gesunde Menschen weisen heutzutage bereits einen Drang auf, immer wieder ihre sozialen Medien zu checken.

In Anbetracht der Corona-Krise, mehreren Lockdowns und Ausgehrestriktionen ist es nicht verwunderlich, dass wir in den letzten anderthalb Jahren viel mehr Zeit als zuvor im Internet verbracht haben. Tatsächlich soll die Internetnutzung bereits zu Beginn der globalen Pandemie laut «Forbes» um bis zu 70 Prozent angestiegen sein. Ein Grossteil dieser Zeit, die online Verbracht wird, fällt auf das Scrollen durch Instagram-Posts, Tiktok-Clips oder die Facebook-Timeline ab.

Im Durchschnitt schauen Handy-Besitzerinnen und -Besitzer täglich 58 Mal auf ihr Smartphone, wie «Daily Star» berichtet. Immer mehr Personen finden es aber zunehmend schwierig, das Telefon nach einer gewissen Zeit wieder beiseite zu legen. So hat sich während der Corona-Zeit nicht nur die Internetnutzung erhöht, auch die Fälle an Social-Media-Süchtigen und Personen mit problematischer Internet-Nutzung hat zugenommen.

Kreislauf negativer Inhalte

«Wir haben tatsächlich einen Anstieg während der Corona-Zeit bemerkt», bestätigt Dr. Dagmar Pauli, Chefärztin an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Denn in dieser Zeit seien die Jugendlichen und jungen Erwachsenen viel häufiger alleine gewesen und hätten sich mit sich selbst beschäftigen müssen. «Besonders Jugendliche, die in ihren Familien weniger Rückhalt erfahren oder das Gespräch nicht suchen können, sind vermehrt in diese Welt hinein gefallen.»

Für Jugendliche sei es zunehmend schwierig, aus dieser Welt wieder herauszufinden. «Wenn vulnerable Jugendliche mit psychischen Problemen im Internet Videos anschauen, die suizidales Gedankengut oder ein schlechtes Körperbild vermitteln, dann bekommen sie vom Algorithmus immer nur noch mehr solche Inhalte vorgeschlagen», erklärt Pauli. Insbesondere auf Tiktok sei Suizidalität und Selbstverletzung immer stärker ein Thema. «Die Jugendlichen kommen dann in eine Bubble, in der sie es ganz normal finden, solche Videos anzuschauen und zu teilen.»

«Aus dem sozialen Leben zurückgezogen»

Auch haben in den letzten zwei Jahren immer mehr Jugendliche mit problematischem Gebrauch von Social-Media professionelle Hilfe aufgesucht. «Hier müssen wir aber problematische Nutzung von einer effektiven Social-Media-Sucht abgrenzen», hält Pauli fest. Wer an einer Suchterkrankung leide, ziehe sich immer stärker zurück. «Das reale Leben wird immer stärker vernachlässigt und man fühlt sich zu Hause in seinem eigenen Zimmer viel wohler als draussen. Viele Betroffene glauben, nur noch im Online-Raum Freunde zu haben und vergleichen sich auch nur noch mit anderen Menschen aus dem Internet. Darunter leidet dann das echte Leben und die psychische Gesundheit.»

Psychische Gesundheit und die sozialen Medien

Insbesondere Facebook ist in den vergangenen Wochen massiv unter Druck geraten. So wirft die frühere Mitarbeiterin und Whistleblowerin Frances Haugen dem Konzern vor, eigene Profite über die Sicherheit von Menschen zu stellen. Unter anderem soll Facebook von schädlichen Auswirkungen seines Fotodienstes Instagram auf das Wohlbefinden jugendlicher Nutzerinnen und Nutzer gewusst, aber nichts dagegen unternommen haben. Facebook selbst weist die Vorwürfe jedoch von sich und behauptet, das Wohlergehen seiner Nutzerinnen und Nutzer an erste Stelle zu setzen. Auch Vertreterinnen und Vertreter von Tiktok, Youtube und Snapchat sagten in dieser Woche vor dem US-Senat diesbezüglich aus. Sie stellten dabei klar, dass sie anders als Facebook operieren würden und den Jugendschutz auf ihrer Plattform äusserst ernst nehmen.

Wer bemerke, dass er oder sie sich nach dem Gebrauch von Social Media schlechter fühle, solle auf jeden Fall über seine Nutzung reflektieren, so Pauli, «Mir erzählen Jugendliche und junge Erwachsene immer wieder, dass sie sich nach dem Scrollen richtig schlecht fühlen. Sie haben auch das Gefühl, den Gebrauch selbst gar nicht mehr unter Kontrolle zu haben.» Darunter leiden im Anschluss die schulischen Leistungen oder die Arbeit. «Wenn man merkt, dass man die Kontrolle verloren hat und sich immer stärker isoliert, sollte man professionelle Hilfe aufsuchen», rät Pauli.

Drang nach Likes

Aber, wie viel Zeit auf Social Media ist tatsächlich zu viel Zeit? «Das kann man so pauschal nicht beantworten, denn das ist ganz individuell. Man muss einfach schauen, was einem gut tut», erklärt die Psychiaterin. Der Gebrauch von sozialen Medien in einer gesunden Form sei dazu da, Kontakte zu knüpfen, sich Informationen zu verschaffen oder Kontakte aufrecht zu halten.

«Wichtig ist aber, dass man diese Kontakte auch im realen Leben weiterverfolgt. Ich stelle aber auch bei gesunden Menschen schon einen Drang fest, immer wieder in die sozialen Medien schauen und die Likes unter den eigenen Posts überprüfen zu wollen.» Daher sei es wichtig, zu lernen, die Selbstbestätigung nicht aus der Anzahl von Likes unter einem Post zu ziehen, denn das könne über kurz oder lang nur auf das Selbstwertgefühl schlagen.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine psychische Erkrankung?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Digital-Push

Wenn du den Digital-Push abonnierst, bist du über News und Gerüchte aus der Welt von Whatsapp, Snapchat, Instagram, Samsung, Apple und Co. informiert. Auch erhältst du Warnungen vor Viren, Trojanern, Phishing-Attacken und Ransomware als Erster. Weiter gibt es Tricks, um mehr aus deinen digitalen Geräten herauszuholen.

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann «Einstellungen» und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Digital» an – et voilà!

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