Aktualisiert 04.05.2012 14:52

Wegen einem SatzLeidet Köbi Kölliker an Gössenwahn?

Aufregung um den Deutschen Nationaltrainer Köbi Kölliker (58). Spiegel-Online stellt die Frage: Ist Kölliker grössenwahnsinnig?

von
Klaus Zaugg, Helsinki
Köbi Kölliker: Vom Spiegel falsch verstanden.

Köbi Kölliker: Vom Spiegel falsch verstanden.

Es ist ein ganz harmloser Satz, den Jakob Kölliker vor dem WM-Startspiel gegen Italien sagte: «Wir wollen gewinnen. Und wenn man gewinnt, ist man Weltmeister.» Er hat in seiner trockenen Art und mit leichter Ironie gemeint: Wenn wir jedes Spiel gewinnen, dann sind wir Weltmeister. Logisch.

Aber in Deutschland ist Ironie gefährlich. Eigentlich müsste die Deutsche Sprache keine Anführungszeichen haben. Sondern Ironiezeichen. Um zu sagen: Achtung, Ironie, nicht ganz ernst nehmen!

Die Online-Ausgabe des Spiegel hat Köllikers harmlose Aussage so interpretiert: «Vielleicht liegt es daran, dass er als Profi nie ausserhalb der Schweiz gespielt hat, daran, dass er die NHL und somit das ganz grosse Eishockey nie hautnah erlebt hat. Vielleicht ist es auch einfach übermässiges Selbstbewusstsein. Was auch immer Deutschlands Bundestrainer Jakob Kölliker dazu bewegt hat, vor der am Freitag beginnenden WM in Helsinki und Stockholm ernsthaft über den Titelgewinn zu sprechen, ist offen. Realistisch ist das nicht, es grenzt an Grössenwahn. Der Einzug ins Viertelfinale - und die damit verbundene Qualifikation für Olympia 2014 - ist das Minimalziel des DEB.»

Mehr über Eishockey vergessen, als deutsche Funktionäre je wussten

Das ganz grosse Eishockey nie hautnah erlebt? Eine geradezu absurde Behauptung. Als Verteidiger war Köbi Kölliker (213 Länderspiele) unter anderem schon beim Olympischen Turnier von 1976 dabei und in Calgary hat er 1988 den Siegestreffer (2:1) gegen den späteren Olympia-Silber-Medaillengewinner Finnland erzielt. Als Assistent von Ralph Krueger arbeitete er bei drei Olympia- und zehn WM-Turnieren.

Alles in allem hat Jakob Kölliker schon mehr über Eishockey vergessen als alle Deutschen Funktionäre über dieses Spiel wissen. Das WM-Startspiel hat er gegen Italien 3:0 gewonnen, das WM-Debüt ist geglückt.

Sportkultur des Grössenwahns

Die Unterstellung, der Nationaltrainer aus der Schweiz könnte aufgrund eines harmlosen Satzes grössenwahnsinnig sein, ist wohl nur in einer Sportkultur möglich, in der Grössenwahn eine reiche Tradition hat.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.