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BernLeihmütter-Geschäft wird immer schlimmer

Berner Behörden warnen vor dem skrupellosen Geschäft mit Leihmüttern: Wer bezahlt, bekommt ein Kind – egal mit welchem Hintergrund.

von
Deborah Sutter

Das Geschäft mit der Baby-Industrie wird immer hässlicher: Schweizer können sich in Ländern wie etwa Georgien «Allinclusive»-Leihmutterpackages kaufen. Ob sie sich als Eltern eignen, spielt dabei keine Rolle. Die «Rundschau» berichtete von einem solchen Fall: Die Schweizerin Edith D. hat in Georgien ein Leihmutterschaftsangebot gekauft. Die Vormundschaftsbehörde der zuständigen Gemeinde im Kanton Bern hat der 52-Jährigen das Kind nun aber weggenommen. Der Grund: Der 24-jährige Sohn aus erster Ehe, der offenbar das Baby regelmässig mitbetreute, ist ein zweifach verurteilter Sexualstraftäter.

Peter Fehr, Reproduktionsmediziner und Befürworter einer liberaleren Fortpflanzungsmedizin-Gesetzgebung, ist schockiert: «Diesem Paar hätte ich nie geholfen, ein Kind zu bekommen! Das ist extrem unverantwortlich.»

Was Leihmutterschaftskinder anbelangt, kennt Georgien keine Gesetze: «Es ist durchaus möglich, dass sich Pädophile so ein Kind verschaffen», sagt Andrea Weik, die Vorsteherin des Kantonalen Jugendamts Bern.

«Die Leihmutterschaft ist in der Schweiz verboten. Nur weil man auf der ausländischen Geburtsurkunde als Eltern aufgeführt ist, hat man noch lange nicht den Anspruch, mit dem Leihmutterschaftskind in die Schweiz zu reisen», sagt Cora Graf-Gaiser, die stellvertretende Vorsteherin des Eidgenössischen Amtes für das Zivilstandswesen. SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr: «Die Geschichte dieses Kindes hat mich erschüttert. Ich werde mich mit einem Vorstoss erkundigen, ob da Gesetzeslücken bestehen.»

Adoption auch für Unverheiratete

Der Ständerat will unver­heirateten Paaren die Adoption von Kindern erlauben. Per Motion beauftragt er den Bundesrat ausserdem, das Mindestalter für Adoptiveltern auf 30 Jahre zu senken. Heute müssen Paare, die Kinder adoptieren wollen, mindestens 35 Jahre alt sein. Diskussionslos stimmte der Ständerat auch einer Motion von Nationalrätin Jacqueline Fehr (SP/ZH) zu, die die Lockerung des Adoptionsgeheimnisses verlangt: Leibliche Eltern sollen die Personalien ihrer adoptierten Kinder erfahren dürfen, wenn diese die Volljährigkeit erreicht und ihr Einverständnis gegeben haben.

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