Aktualisiert 06.12.2018 08:42

Löhne von VerkäufernLeistungslohn treibt Büezer in Bonus-Stress

Detailhändler wollen mit Prämien ihre Angestellten motivieren. Laut Gewerkschaften geht es aber bei den Verkäufern ums Überleben.

von
Dominic Benz
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In der Weihnachtszeit stehen die Verkäufer unter grossem Druck.

In der Weihnachtszeit stehen die Verkäufer unter grossem Druck.

Keystone/Peter Klaunzer
Doch deren Löhne sind oft sehr tief.

Doch deren Löhne sind oft sehr tief.

Keystone/Walter Bieri
Das zeigt der Arbeitsvertrag eines Verkäufers bei der Coop-Tochter Interdiscount.

Das zeigt der Arbeitsvertrag eines Verkäufers bei der Coop-Tochter Interdiscount.

urs Troesch

Sonntagsverkäufe, Überstunden, Verkaufsdruck – vor allem in der Weihnachtszeit müssen die Verkäufer im Detailhandel viel leisten. Die Löhne hingegen sind oft bescheiden. Zudem müssen viele Verkäufer ihren monatlichen Lohn mit Prämien selber aufbessern.

Ein solcher Prämienlohn stresst etwa einen Leser von 20 Minuten, der als Verkäufer bei der Coop-Tochter Interdiscount arbeitet. Ein grosser Teil seines Lohnes bestehe aus Prämien, die er sich selber erwirtschaften muss. «Man wird regelrecht dazu gedrängt, den Kunden viele und teure Produkte zu verkaufen – Hauptsache, man erreicht den Tagesumsatz.»

Leiden auch Sie unter einem Leistungslohn? Wie setzt sich Ihr Lohn zusammen? Erzählen Sie uns von Ihrer Job-Situation.

Schwankende Löhne

Wie sich der Lohn des Verkäufers konkret zusammensetzt, zeigt sein Arbeitsvertrag. Dieser liegt 20 Minuten vor. 13-mal im Jahr erhält der Verkäufer einen monatlichen Bruttogrundlohn von 2700 Franken. Hinzu kommen jeweils Akonto-Prämien von 400 Franken. Unter dem Strich sind das 3100 Franken monatlich. Alles, was über dem Grundlohn hinzukommt, sind demnach Prämien.

Interdiscount bestätigt auf Anfrage, dass Verkäufer mit einem Leistungslohnsystem angestellt sind. Ein solches gebe es im Unternehmen seit über 30 Jahren. Dabei bestehe das Salär aus einem Grundlohn, garantierten Prämien in Form der Akonto-Prämie und einem Anteil selbst erwirtschafteter oder im Team erarbeiteter Prämien. Der Lohn fällt monatlich nicht immer gleich aus und liegt mal tiefer, mal höher.

Kontrolle der Referenzlöhne

Laut Interdiscount werde aber darauf geachtet, dass unter dem Strich mindestens der Referenzlohn gemäss Gesamtarbeitsvertrag (GAV) von Coop ausbezahlt wird. Für Verkäufer mit Ausbildung liegt dieser bei mindestens 4000 Franken. «Die Einhaltung der Referenzlöhne wird zwei- bis dreimal jährlich kontrolliert und wo nötig angepasst», sagt eine Sprecherin.

Sind die Prämien hoch genug, kann der Referenzlohn auch mal klar übertroffen werden, betont Interdiscount. Das sei besonders während des Weihnachtsgeschäfts möglich. Prämien sollen demnach den Verkäufer anspornen. «Ein Leistungslohnsystem fördert gute Leistungen und honoriert diese entsprechend. Dieses System ist darauf ausgerichtet, aktive und freundliche Kundenberatungen zu fördern», erklärt die Sprecherin.

«Bei den Prämien geht es ums Überleben»

Keine Freude an solchen Prämienlöhnen haben die Gewerkschaften. «Sie sind für die Verkäufer ein grosser Stress», sagt Anne Rubin von der Unia. Mitarbeiter müssten zwingend hohe Prämien erwirtschaften, da sie sonst mit einem solch tiefen Lohn kaum durchs Leben kämen. «Arbeitgeber verkaufen Prämien als Motivation, dabei geht es ums Überleben», meint Rubin. Fallen die Löhne wegen tiefen Prämien über Monate sehr niedrig aus, setze das die Mitarbeiter unter Existenzängste, auch wenn irgendwann später die allfällige Differenz zum Referenzlohn ausbezahlt werde.

Keine Prämienlöhne gibt es bei der Migros. «Die Migros-Gruppe verfügt über kein Leistungslohnsystem», erklärt das Unternehmen. Dennoch sind schwankende Einkommen laut Unia keine Seltenheit. Diese Tendenz verbreite sich leider mehr und mehr, vor allem in Unternehmen ohne GAV. Für Rubin ist klar: «Es braucht Festlöhne, von denen man leben kann.»

Mitarbeit: Valeska Blank

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