Leitzins geht rauf, Sparzinsen kaum – sahnen Banken ab?

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ZinserhöhungLeitzins geht rauf, Sparzinsen steigen weniger stark – sahnen Banken nun ab?

Die Nationalbank hat den Leitzins erneut erhöht, die Banken sind mit höheren Zinsen auf Sparkonten gefolgt – aber nicht alle. Machen einige nun das grosse Geld? 

von
Marcel Urech
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Der SNB-Präsident Thomas Jordan (Mitte) hat in Bern die dritte Leitzinserhöhung des Jahres verkündet.

Der SNB-Präsident Thomas Jordan (Mitte) hat in Bern die dritte Leitzinserhöhung des Jahres verkündet.

REUTERS
Die UBS prüft die Auswirkungen der Zinssatzanpassung, wie sie auf Anfrage sagt.

Die UBS prüft die Auswirkungen der Zinssatzanpassung, wie sie auf Anfrage sagt.

20min/Matthias Spicher
«Wir haben den SNB-Entscheid zur Kenntnis genommen und werden Details betreffend Zinskonditionen nächstens kommunizieren», schreibt die Credit Suisse.

«Wir haben den SNB-Entscheid zur Kenntnis genommen und werden Details betreffend Zinskonditionen nächstens kommunizieren», schreibt die Credit Suisse.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Von -0,75 Prozent auf 1 Prozent in sechs Monaten – der Leitzins der SNB ist stark gestiegen.

  • Viele Schweizer Banken haben ihre Zinsen auf Sparkonten mittlerweile ebenfalls erhöht.

  • Die Zinserhöhungen seien für das Geschäft der Banken kurzfristig schlecht, sagt ein Bankenexperte.

Am 1. Januar lag der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank (SNB) noch bei -0,75 Prozent. Mittlerweile hat sie ihn auf 1 Prozent erhöht. Die Zinsen auf Schweizer Sparkonten sind im gleichen Zeitraum aber weniger stark gestiegen. Da stellt sich die Frage, ob die Retailbanken nun das grosse Geld machen.

So hat sich der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank seit Anfang Jahr entwickelt.

So hat sich der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank seit Anfang Jahr entwickelt.

Screenshot von snb.ch

Der Bankexperte Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern nimmt dazu Stellung (siehe Box). Und Schweizer Banken teilen auf Anfrage der Redaktion mit, ob sie nun die Zinsen erhöhen oder nicht.

«Zinserhöhungen sind für Banken kurzfristig eigentlich schlecht»

Die Schweizer Retailbanken profitieren kaum von den höheren Zinsen, sagt der Bankexperte Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern.

Die Schweizer Retailbanken profitieren kaum von den höheren Zinsen, sagt der Bankexperte Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern.

Privat

Herr Dietrich, die SNB hat den Leitzins erneut erhöht. Steigen nun auch die Zinsen bei den Retailbanken?
Ja, viele Banken haben bereits Zinserhöhungen angekündigt - zumindest für Sparkonten. Dass die Zinsen bei Privatkonten bald in einem ähnlichen Ausmass raufgehen, bezweifle ich aber.

Warum?
Banken müssen sich an Liquiditätsvorschriften halten. Das hat zur Folge, dass sie vor allem längerfristig gebundene Einlagen wollen. Spargelder gelten aus Sicht der Bank als stabiler als Gelder auf Privatkonten. Zudem ist es aus Risikomanagement-Sicht besser, längerfristige Einlagen zu haben.

Können Sie das genauer erklären?
Banken müssen genügend liquide Mittel haben, um einen allfälligen Abfluss von Geldern in einem Stressfall während 30 Tagen decken zu können. Die Gelder auf Privatkonten können aber schneller als die Gelder von Sparkonti von der Kundschaft abgezogen werden. Spargelder sind für die Banken daher attraktiver. Entsprechend gehe ich davon aus, dass allfällige Zinserhöhungen auf Sparkonten schneller kommen und höher sein werden als auf Privatkonti.

Machen Banken, die ihre Zinsen nicht erhöhen, nun das grosse Geld?
Nein. Zinserhöhungen sind für das Geschäft der Banken kurzfristig eigentlich schlecht. Viele Ausleihungen von Banken, man denke hier vor allem an Hypotheken, sind langfristig gebunden. Die Banken können die Zinserhöhungen bei den meisten Hypotheken daher erst in einigen Jahren weitergeben. Auf der anderen Seite ist es für eine Bank natürlich teuer, wenn sie die Zinserhöhungen sofort und vollumfänglich auf den Kundengeldern weitergibt. Daher sind die Banken derzeit zögerlich mit der Weitergabe der Zinsen und geben die Zinserhöhungen wohl auch nicht 1:1 weiter.

So gehen Schweizer Banken mit der neuesten Zinserhöhung der SNB um:

Bank WIR

Für die Kundinnen und Kunden der Bank Wir gibt es ab 1. Januar 2023 folgende höhere Zinsen auf Bonussparkonten und ab 1. März folgende höhere Zinsen auf Spar- und Vorsorgekonten:

Die neuen Zinsen bei der Bank Wir.

Die neuen Zinsen bei der Bank Wir.

Bank Wir

Basler Kantonalbank

Die Basler Kantonalbank sagt auf Anfrage, dass sie eine Zinserhöhung derzeit prüfe.

Berner Kantonalbank

Die Berner Kantonalbank hat ihre Zinsen per 23. September 2022 erhöht und beobachtet den Markt. Weitere Zinserhöhungen seien aktuell in Abklärung und nicht auszuschliessen, so die Bank.

Credit Suisse

«Wir haben den SNB-Entscheid zur Kenntnis genommen und werden Details betreffend Zinskonditionen nächstens kommunizieren», schreibt die Credit Suisse.

Luzerner Kantonalbank

Die Luzerner Kantonalbank erhöht ihre Zinsen auf Spar- und Aktionärs-Sparkonten per 29. Dezember wie folgt: bis 100'000 Franken neu 0,6 statt wie bisher 0,3 Prozent Zins, ab 100’000 Franken neu 0,5 statt wie bisher 0,25 Prozent Zins. Der Zins auf dem 3a-Konto steigt von 0,2 auf 0,4 Prozent.

Auf dem Sparkonto blu (bis 26 Jahre) und dem Geschenksparkonto blu gibt es folgende Erhöung: bis 20'000 Franken, neu 0,8 Prozent (bisher 0,5 Prozent), ab 20'000 Franken neu 0,6 Prozent (bisher 0,3 Prozent), ab 100'000 Franken neu 0,5 Prozent (bisher 0,25 Prozent).

Migros Bank

Die Migros Bank teilt mit, dass sie die Zinsen bereits nach dem Zinsschritt vom 22. September erhöht habe.

Postfinance

Postfinance sagt auf Anfrage, dass nach wie vor die bestehenden Zinskonditionen gelten – man beobachte das Marktumfeld laufend.

Raiffeisen

Raiffesen teilt mit, dass man Ende November entschieden habe, die Zinsempfehlungen für Sparkonten zu erhöhen. Ab 1. Januar empfiehlt Raiffeisen ihren Banken Beträge bis 100’000 Franken auf Mitgliedersparkonten mit 0,25 Prozent zu verzinsen, Beträge ab 100’000 Franken auf Mitgliedersparkonten sowie Beträge auf Sparkonten in Schweizer Franken und Euro mit 0,1 Prozent. Ebenfalls per 1. Januar erhöht Raiffeisen die Zinsen auf dem Vorsorgekonto 3a von aktuell 0,25 Prozent auf 0,3 Prozent.

Wechselst du wegen den Zinsänderungen bald deine Bank?

St.Galler Kantonalbank

Die St.Galler Kantonalbank sagt auf Anfrage, dass sie per 1. Oktober die Negtivzinsen aufgehoben und per 1. Dezember den Zinssatz auf dem Sparen-3-Konto auf 0,25 Prozent erhöht habe. Über das weitere Vorgehen entscheide die Bank in den kommenden Tagen.

UBS

Die UBS prüft die Auswirkungen der Zinssatzanpassung, wie sie auf Anfrage sagt.

Valiant

Wer ein 3a-Vorsorgekonte bei Valiant hat, erhält ab 1. Januar 2023 neu 0,3 Prozent Zins. Die Zinsen steigen laut der Bank auf allen Spar- und Vorsorgekonten, auf bis zu 0,55 Prozent.

Zuger Kantonalbank

Die Zuger Kantonalbank erhöht ihre Zinsen per 1. Februar 2023 wie folgt:

Sparerinnen und Sparer erhalten bei der Zuger Kantonalbank neu bis zu 0,75 Prozent Zins.

Sparerinnen und Sparer erhalten bei der Zuger Kantonalbank neu bis zu 0,75 Prozent Zins.

Zugerkb.ch

Zürcher Kantonalbank

Das sind die neuen Zinsen bei der Zürcher Kantonalbank ab Januar 2023:

Anfang 2023 erhöht auch die Zürcher Kantonalbank ihre Zinsen.

Anfang 2023 erhöht auch die Zürcher Kantonalbank ihre Zinsen.

Zkb.ch

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