Spermapfropfen: Lemuren brauchen keinen Vaterschaftstest
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SpermapfropfenLemuren brauchen keinen Vaterschaftstest

Lemuren-Männchen hinterlassen nach dem Sex einen Pfropfen aus Spermienflüssigkeit in der Vagina ihres Weibchens. Damit verhindern sie, dass die Äffin von einem Anderen schwanger wird.

Für Primatenmännchen ist es meistens von Vorteil, gross zu sein, besonders wenn sie wie die Lemuren in sozialen Gemeinschaften leben. Je grösser und stärker sie sind, desto besser können sie Rivalen abwehren und desto grössere Chancen haben sie, Nachwuchs zu zeugen. Auf die Lemuren Madagaskars trifft dieses Prinzip aber offensichtlich nicht zu: Bei ihnen sind Weibchen und Männchen ungefähr gleich gross. Daher stellte sich lange Zeit die Frage, ob Lemuren gar nicht um die Weibchen kämpfen, so wie dies Gorillas und andere Primaten tun.

Tatsächlich sichern sich auch Lemurenmännchen Weibchen, berichten die Forscher. Sie tun dies allerdings nicht durch Kämpfe mit Rivalen, sondern indem sie die Vagina des Weibchens mit einem Pfropfen verschliessen. Dieser Pfropfen besteht aus verdickter Spermienflüssigkeit, die sich sehr schnell verhärtet und ein bis zwei Tage in der Vagina bleibt. Das verhindert, dass auch andere Männchen das Weibchen begatten und so möglicherweise ihr eigenes Erbgut weitergeben. Vermutlich hat sich dieser Mechanismus entwickelt, weil bei vielen Lemurenarten die Weibchen nur ein bis zwei Tage im Jahr empfängnisbereit sind und sich die Chance auf eine erfolgreiche Begattung daher auf eine sehr kurze Zeit beschränkt.

Wenn das Weibchen eine sehr kurze Empfängniszeit hat, ist diese Strategie wahrscheinlich besonders erfolgreich, vermuten die Forscher. Sie testeten ihre Hypothese dann auch bei 62 anderen Primatenarten. Tatsächlich traten Vaginalpfropfen am häufigsten bei Arten auf, bei denen Männchen und Weibchen gleich gross sind und bei denen die Weibchen nur für sehr kurze Zeit empfängnisbereit waren. Neben den Lemurenarten verwenden auch einige andere Primatenarten wie das südamerikanische Totenkopfäffchen diese Strategie.

Stefanie Strauch, wissenschaft.de

Forschung um Amy Dunham und Volker Rudolf von der Rice-Universität in Houston publiziert im Fachmagazin «Journal of Evolutionary Biology» (doi:10.1111/j.1420-9101.2009.01768.x).

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