Letzipark Zürich: Lenker fuhr mit Absicht in Kadett - Anklage
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Letzipark ZürichLenker fuhr mit Absicht in Kadett - Anklage

Ein Ausraster mit Folgen: Der Autolenker, der beim Letzipark einen 14-jährigen Verkehrskadetten wüst beschimpft und dann absichtlich angefahren hatte, kommt vor Gericht.

von
Raffaela Moresi
Der Lenker, der im August 2013 beim Letzipark einen Verkehrskadetten absichtlich angefahren hatte, muss vor Gericht.

Der Lenker, der im August 2013 beim Letzipark einen Verkehrskadetten absichtlich angefahren hatte, muss vor Gericht.

Der Fall hatte vergangenen August für Empörung gesorgt: Ein Autolenker fuhr beim Letzipark mit seinem VW Golf voller Absicht gegen einen damals 14-jährigen Verkehrskadetten und verletzte ihn dabei leicht. Danach stieg der Mann aus und drohte dem Jugendlichen, ihn umzubringen.

Dieser Ausraster könnte den heute 21-jährigen Etem Z.* teuer zu stehen kommen. Er muss sich Mitte September vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Straftatbestand: Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie mehrfache Verletzung der Verkehrsregeln. Wie der Anklageschrift zu entnehmen ist, droht dem gelernten Bodenleger eine Geldstrafe von insgesamt 3600 Franken und eine Busse von 900 Franken. Zudem wird er die Verfahrenskosten tragen müssen.

«Mein Sohn litt lange unter Albträumen»

Das minderjährige Opfer wird bei der Verhandlung nicht anwesend sein, wie dessen Vater gegenüber 20 Minuten sagte. Vor allem die Morddrohungen, die der Mann ausgesprochen hatte, hätten seinen Jungen lange beschäftigt. «Er litt unter Albträumen.» Inzwischen gehe es ihm gut, er arbeite auch wieder als Verkehrskadett. Der Vater des Teenagers ist froh, dass es zum Prozess kommt, er hofft auf ein «richtungsweisendes Urteil». Schliesslich müssten sich Verkehrskadetten immer wieder mit aggressiven Lenkern auseinandersetzen. «Dabei ist wohl den wenigsten Leuten klar, dass die Kadetten in ihrer Funktion als Beamte gelten - sie zu attackieren, gilt als Offizialdelikt.» Mehrere Korps hätten sich inzwischen gar mit Pfefferspray ausgestattet, um sich in Notsituationen zur Wehr setzen zu können.

«Die Kadetten sollten sich im Zweifelsfall besser zurückziehen»

Die Verkehrskadetten-Abteilung Albis, deren Mitglieder jeweils am Samstag den Verkehr beim Einkaufszentrum Letzipark regeln, verzichtet allerdings bewusst auf Pfeffersprays, wie Präsident Peter Strittmatter auf Anfrage sagte. Er habe in all den Jahren noch keine Situation erlebt, in der ein Pfefferspray wirklich etwas genützt hätten. «Den Kadetten wird in der Ausbildung beigebracht, dass sie in erster Linie auf ihre eigene Sicherheit achten müssen und sich im Zweifelsfall besser zurückziehen», so Strittmatter. «Wir sind nicht die Polizei: Wenn sich ein Autofahrer nicht ans Gesetz hält, liegt es nicht an uns, ihn zu verfolgen oder zu belangen.»

* Name geändert

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