Aktualisiert 20.01.2012 11:53

Kichern auf der Brücke

Lenkte sie den Kapitän ab?

Sie ist 25, blond, kommt aus Moldawien und stand während des Unglücks bei Kapitän Schettino auf der Brücke. Offiziell war sie aber nicht einmal an Bord.

von
ann

Eine junge blonde Frau soll den Comandante Francesco Schettino in der kritischen Phase vor dem Unglück vor der Insel Giglio irritiert haben, berichten mehrere italienische Medien. Als dieser das riskante Manöver an der Küste der Insel Giglio ausführte, habe eine Frau beim Eingang in die Kommandozentrale gekichert und gelacht, gab dieser in der Vernehmung zu Protokoll. Die Ermittler sprechen von einer fatalen Ablenkung. Schettino hat auch einen Namen für die junge Dame: Domnica. Sie soll 25 sein und aus Moldawien stammen.

Trifft diese Frau darum eine Mitschuld? Oder hat sie vielleicht als Beobachterin entscheidende Informationen über die Zeit vor, während und nach der Havarie der «Concordia»?

Am Arm von Schettino

Dies wollen die Ermittler klären und suchen die Moldawierin als Zeugin. Doch Domnica war lange Zeit unauffindbar. Und: Ihr Name erscheint auch auf keiner Passagierliste. Mehrere Zeugen haben die schöne Blonde aber kurz vor dem Crash gesehen. Sie soll am Arm von Schettino im Salon neben der Kommandobrücke gewesen sein. Dies zeigt offenbar auch ein Foto vom Tisch des Kapitäns, auf dem eine blonde Frau zu sehen ist.

Schettino habe dort mit ihr und einer dunkelhaarigen jungen Frau mehrere Gläser Wein getrunken, berichten Zeugen. Von den grossen Fenstern des Salons aus habe er den beiden die prächtige Aussicht auf die Insel Giglio gezeigt.

«Schettino hat über 3000 Menschen gerettet»

Mittlerweile hat sich die 25-Jährige in den moldawischen Medien gemeldet. Sie heisst Domnica Cemortan und ist eine Angestellte der Costa-Reederei. Auf der «Costa Concordia» war sie aber ferienhalber. Sie sei bei Comandante Francesco Schettino gewesen, sagte sie den Journalisten. In einem Interview mit dem moldawischen Newsportal «adevarul.md» und dem Fernsehsender «Jurnal tv» erzählt Domnica, sie sei am Freitagabend auf der Brücke gewesen. Sie will aber nur zum Helfen dorthin gegangen sein, weil sie vier Sprachen fliessend spreche. Sie habe die Rettungsanweisungen übersetzt.

Über Kapitän Schettino kann sie nur Gutes berichten: «Ich denke, er hat ausgezeichnete Arbeit geleistet, er hat über 3000 Personen gerettet.» Sie habe Schreckliches erlebt. Im Schiff habe man wegen der Dunkelheit kaum etwas sehen können, die Leute hätten geschrien, aber der Kapitän sei auf der Brücke gewesen. Auch sie habe mit dem Übersetzen der Rettungsanweisungen geholfen, Leben zu retten. Auf ihrem Weg aufs Rettungsboot habe sie zudem zahlreiche Leute geführt und ihnen geholfen.

Domnica fuhr «schwarz» mit

War Domnica eine «Freundin» von Schettino, eine Verehrerin oder war sie nur zufällig auf der Brücke? Ziemlich sicher ist, dass sie als Gast von einem der Rangoberen an Bord der «Concordia» war. Offiziere und Kommandanten des Schiffes dürfen eine gewisse Zahl an Freunden und Verwandten mit auf den Kreuzer einladen. Diese privaten Gäste werden nicht im Besatzungs- oder Passagierregister des Schiffes erfasst, sondern fahren «schwarz» mit. So lässt sich erklären, wieso Domnica nicht auf der Passagier- oder Besatzungsliste war.

Angeblich war Domnica Gast eines Offiziers. Doch vielleicht gehörte sie auch zu Schettino – die Details sind unklar. Die italienischen Ermittler wollen Domnica auf jeden Fall so bald wie möglich befragen.

(Quelle:YouTube/telegraphtv )

Rettungsaktion läuft weiter

Rettungstaucher haben am Donnerstag die Suche nach 21 Vermissten im Wrack des havarierten Kreuzfahrtschiffs «Costa Concordia» wieder aufgenommen. Die Behörden kamen zu dem Schluss, dass sich das Wrack vor der Küste der Toskana stabilisiert habe, nachdem es am Tag zuvor auf den Felsen in Bewegung geraten war.

Für den Verlauf des Donnerstags wurde hoher Wellengang vorhergesagt, was die Bergungsarbeiten gefährden könnte. Es sei ein wichtiger Tag, nach Vorhersagen werde das Wetter schlecht, die See rau und man müsse sehen, wie das Schiff darauf reagiere, sagte Feuerwehrsprecher Luca Cari am Donnerstag.

Die Taucher wollten sich weiter auf die Erkundung eines Fluchtwegs auf dem vierten Deck konzentrieren. Dieser Bereich des Schiffes liegt etwa 18 Meter unter der Meeresoberfläche. Zu Beginn der Woche waren dort fünf Leichen geborgen worden. (dapd)

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