Aktualisiert 05.05.2015 15:24

Vermisst in NepalLeonie und Nina waren im Tal, das es nicht mehr gibt

Zwei deutsche Backpackerinnen weilten während des Erdbebens in einem bei Touristen beliebten Naturpark. Doch das Langtang-Tal gibt es nicht mehr.

von
kmo
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Leonie Elsner und Nina Stechmann waren im nepalesischen Langtang-Tal, als sich am 25. April 2015 das Erdbeben ereignete.

Leonie Elsner und Nina Stechmann waren im nepalesischen Langtang-Tal, als sich am 25. April 2015 das Erdbeben ereignete.

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Wegen seiner spektakulären Aussicht ist das Tal eine beliebte Touristendestination.

Wegen seiner spektakulären Aussicht ist das Tal eine beliebte Touristendestination.

Screenshot Twitter
Mitten im Tal stand das Dorf Langtang (Archivbild). Es wurde vollkommen von einer Schlamm- und Schneelawine verschüttet.

Mitten im Tal stand das Dorf Langtang (Archivbild). Es wurde vollkommen von einer Schlamm- und Schneelawine verschüttet.

AFP/Moira Shaw

«Wo sind Nina und Leonie», fragt sich ganz Deutschland. Die beiden Zwanzigjährigen werden seit dem verheerenden Erdbeben in Nepal vermisst. Genauso wie 110 weitere Touristen, deren Namen die nepalesische Polizei am Montag veröffentlicht hat.

Die beiden deutschen Frauen befanden sich – wie ein Grossteil der ausländischen Vermissten – im Langtang-Tal, ihre Namen sind auch auf dieser Liste zu finden. Das Naturparadies liegt rund 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kathmandu und ist wegen seiner spektakulären Sicht auf den Himalaya eine beliebte Touristendestination.

So sah das Langtang-Tal vor fünf Monaten aus:

(Quelle: YouTube/Suchan Bajracharya)

«Unmöglich, alle Leichen zu bergen»

Jetzt liegt die Gegend unter Zehntausenden Tonnen von Schnee, Erde und Geröll: «Das Langtang-Tal gibt es nicht mehr», sagte Tulsi Prasad Gautam, Chef des Fremdenverkehrsamts in Kathmandu. Mitten im Tal stand einmal das Dorf Langtang. Auch dieses existiert nicht mehr. «Das gesamte Dorf ist durch den Erdrutsch ausgelöscht worden», sagte der Regierungsbeamte Gautam Rimal im Bezirk Rasuwa. «Es gab hier einmal 60 Häuser, aber sie wurden alle unter den Trümmern begraben. Es wird unmöglich sein, alle Leichen zu bergen.»

So sieht das Langtang-Tal heute aus:

(Quelle: YouTube/Xavier Bloomer, Original: BBC Hindi)

Am Dienstag gruben sich die Rettungskräfte in dieser Region durch Schutt und Erdmassen. Ein schwieriges Unterfangen. «Es scheint, als dass ganze Berghänge abgebrochen sind», sagte ein Trekking-Führer zum «Guardian» (Bilder siehe Diashow oben). Die Rettungskräfte haben bereits 100 Tote geborgen, nach Hunderten wird noch gesucht. Ramesh Dhamala, Präsident der nepalesischen Trekking Agencies' Association, vermutet, dass noch mindestens 600 Touristen und Nepalesen in der Gegend vermisst werden, schreibt der «Guardian» weiter.

Ganze Berghänge brachen ab:

«Nicht genügend Helikopter»

Die Suche nach den Verschollenen läuft im ganzen Land auf Hochtouren. Daneben warten Tausende Nepalesen in abgelegenen Gebieten und abgeschnittenen Dörfern auf die Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und Medizin.

Für beides braucht es Helikopter. Länder wie die USA, Indien und China helfen mit Senkrechtstartern und Hubschraubern. Doch es reicht bei weitem nicht: «Wir haben nicht genügend Helikopter, um beides gleichzeitig zu bewerkstelligen: Rettung und Versorgung», sagte der Sprecher des Innenministeriums laut der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» am Montag.

Die Angehörigen der Vermissten geben die Hoffnung nicht auf. Auf Facebook veröffentlichen sie Bilder ihrer Liebsten. Doch die Chancen, noch Überlebende zu finden, schwinden mit jeder Stunde. Insgesamt haben die Behörden nach dem schlimmsten Erdbeben seit 80 Jahren am 25. April bereits über 7500 Tote registriert.

Die Glückskette hat eine grosse Sammelaktion für die Opfer des Erdbebens in Nepal gestartet. Spenden können Sie hier.

Keine Schweizer auf der Polizeiliste

Auf Anfrage von 20 Minuten teilte das Eidgenössische Departement für Äusseres (EDA) mit, es versuche weiterhin den Kontakt zu den «ganz wenigen Schweizer Bürgerinnen und Bürgern» herzustellen, die von ihren Angehörigen vermisst werden. Keine dieser Personen gelten jedoch als polizeilich vermisst, weshalb sie nicht auf der nepalesischen Polizeiliste stehen.

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