Femizid in Wien: «Leonie wollte nur mit den Angeklagten mitgehen und kam nie wieder»

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Femizid in Wien«Leonie wollte nur mit den Angeklagten mitgehen und kam nie wieder»

2021 machte der Tod einer 13-Jährigen in Wien Schlagzeilen. Drei Männer stehen nun wegen Vergewaltigung mit Todesfolge vor Gericht. Ihre Aussagen widersprechen teils den Resultaten der Ermittlungen.

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Die 13-jährige Leonie starb, nachdem ihr am Abend des 26. Juni 2021 mehrere Tabletten Ecstasy verabreicht worden waren. Das Mädchen wurde laut Anklage von drei Männern vergewaltigt.

Die 13-jährige Leonie starb, nachdem ihr am Abend des 26. Juni 2021 mehrere Tabletten Ecstasy verabreicht worden waren. Das Mädchen wurde laut Anklage von drei Männern vergewaltigt.

Screenshot Heute.at
Passanten fanden ihre Leiche am nächsten Morgen auf einem Grünstreifen in Wien-Donaustadt.

Passanten fanden ihre Leiche am nächsten Morgen auf einem Grünstreifen in Wien-Donaustadt.

Screenshot Heute.at
Am 27. September 2022 begann der Prozess gegen die drei Angeklagten in Wien. Ihnen drohen Strafen zwischen zehn Jahren und lebenslang.

Am 27. September 2022 begann der Prozess gegen die drei Angeklagten in Wien. Ihnen drohen Strafen zwischen zehn Jahren und lebenslang.

Screenshot Heute.at

Darum gehts

Der Prozess um die Misshandlung und den Tod einer 13-Jährigen in Wien hat mit einem angekündigten Geständnis und einer Entschuldigung begonnen. Der Staatsanwalt warf den jungen Männern im Alter von 19, 20 und 23 Jahren am Dienstag vor, Leonie am Abend des 26. Juni 2021 mehrere Tabletten Ecstasy verabreicht und sie vergewaltigt zu haben. Das Mädchen war laut Staatsanwalt während der Misshandlungen «stark beeinträchtigt und völlig wehrlos». Es starb demnach an einer Drogen-Überdosis und Erstickung. «Leonie wollte nur 20 Minuten mit den Angeklagten mitgehen und kam aber nie wieder», sagte der Staatsanwalt in seinem Eröffnungsplädoyer.

Der Anwalt des jungen Mannes, in dessen Wohnung das Mädchen starb, kündigte an, dass sich sein Mandant schuldig bekennen werde. Ein weiterer Angeklagter zeigte in seiner Vernehmung Reue und sagte, dass er sich teilweise schuldig fühle. «Ich wollte nicht, dass so etwas passiert. Ich entschuldige mich auch bei der Familie des Opfers», sagte der 23-Jährige, der nach dem Tod des Mädchens nach England geflüchtet und dort von der Polizei ausfindig gemacht worden war.

Ihm und den zwei anderen werden Vergewaltigung mit Todesfolge und schwerer sexueller Missbrauch einer unmündigen Person vorgeworfen. Den drei aus Afghanistan stammenden Verdächtigen drohen Strafen zwischen zehn Jahren und lebenslang. Der Staatsanwalt schloss aber nicht aus, dass sich das Verfahren noch zu einem Mordprozess ausweiten könnte, falls weitere belastende Tatsachen zum Vorschein kämen. Das Geschworenengericht soll am 6. Oktober die Urteile verkünden.

50 Euro für Sex

Der Fall hat auch eine politische Dimension. Die Kanzlerpartei ÖVP nahm die afghanische Abstammung der Verdächtigen voriges Jahr zum Anlass, auf Abschiebungen von kriminellen Asylbewerbern nach Afghanistan trotz der Machtergreifung der militant-islamistischen Taliban zu beharren. Vertreter der konservativen ÖVP stellten ausserdem die Frage, ob manche Geflüchtete überhaupt in die österreichische Gesellschaft integrierbar seien.

Der 23-Jährige sagte am Dienstag aus, dass er dem Mädchen für den Sex 50 Euro bezahlt habe. Drogen habe er nicht verabreicht. Laut «Heute» sagte der Angeklagte vor Gericht, dass er am Tatabend am Donaukanal gewesen sei und dort einen Joint geraucht und ein paar Bier getrunken habe. Dann sei ihm ein Mädchen angeboten worden. Er habe geglaubt, dass Leonie 18 oder 19 Jahre alt sei.

Zwei Stunden nachdem die beiden Sex hatten, sei es Leonie nicht gut gegangen. «Ich habe gefragt, ob sie ein Taxi oder die Rettung braucht. Dann habe ich einen Freund angerufen, der riet mir, ihr Zitronensaft oder ein Cola zu geben», sagte der 23-jährige Kampfsportler vor Gericht.

Kollegen sagten aus, dass auch der 23-Jährige Leonie vergewaltigt habe

Daraufhin sei er ein Cola holen gegangen. Als er zurückkam, sei das Mädchen nackt auf der Matratze gelegen und der 19-Jährige und 20-Jährige hätten sie vergewaltigt. «Und dann filmte ich mit, nur damit die beiden es nicht abstreiten können», so die Aussage des 23-Jährigen.

Er habe auch versucht, das Mädchen mit Herzmassage und Beatmung zu retten. Die Richterin hielt ihm Aussagen von zwei unbeteiligten Freunden vor, wonach er ihnen nach der Tatnacht erzählt habe, dem Kind sechs Tabletten Ecstasy gegeben und es vergewaltigt zu haben.

Drogen waren in ein Getränk gemischt worden

Der jüngste Verdächtige hat laut seinem Anwalt angegeben, dass er und das Mädchen ein Paar gewesen seien, und dass der Sex einvernehmlich gewesen sei. Laut Staatsanwalt sprechen die Verletzungen des Opfers und die in einem Getränk aufgelösten Drogen eindeutig für eine Vergewaltigung.

Sexuelle Handlungen an einer Person unter 14 Jahren sind in Österreich illegal und werden nach Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft, je nach den Umständen auch härter. Bei sexuellen Handlungen mit einer Person unter 14 kommt es nie auf eine angebliche Einvernehmlichkeit an.

Prozess ist öffentlich zugänglich

Die Hauptverhandlung war grundsätzlich öffentlich zugänglich. Leonies Mutter hat kein Verständnis dafür. Dass der Fall eintreten könnte und die vorsitzende Richterin das Video von der toten Leonie der Öffentlichkeit zugänglich macht, liess die Mutter in der ersten Reaktion hemmungslos weinen.

Die 41-Jährige sagte zu «Heute»: «Bitte, lasst unserem Kind das letzte Stückchen Würde. Unser Kind wurde ein reines Politikum. Ich kann wirklich nicht nachvollziehen, was das bringen soll.» 

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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(Newsdesk)

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