Fredi Lerch - «Echsenland»: Lerchsche Gedichte mit einem Schuss Ironie
Aktualisiert

Fredi Lerch - «Echsenland»Lerchsche Gedichte mit einem Schuss Ironie

GEDICHTE – Eigentlich hat der Dichter ja unter anderem die Aufgabe, als aufmerksamer Betrachter und Chronist öffentlichen Unfugs anzutreten und nicht nur haltlos herumzusäuseln.

Fredi Lerch erfüllt diese Anforderung bestens:

«Auf sendung wissen

koryphäen was für ihr

publikum das beste sei

die wahlgewinner machen

ihr geschrei

und ausgezählte resultate

wehen

mit dem frisch gefallnen laub vorbei»

Mit diesem hübschen Vers klingt das Gedicht «Der Wahlsieg» aus. Lerch ist ein kritischer Geist, der in seiner Lyrik komplexe Inhalte wunderbar klar verarbeitet und ausschweifende Geschichten erzählt. Dabei gibt er sehr Acht auf die Form seiner Gedichte, er arbeitet mit klassischen Vorbildern und mit dem Reim, er schreibt in Sonetten und strengen Rhythmen. Das gibt dem teilweise brisanten Inhalt seiner Gedichte sozusagen noch einen zusätzlichen Kick.

Aber in Lerchs lyrischer Chronik der Jahre 1990 bis 2004 gibt es nicht nur politisches Material: Hymnen auf Landschaften wechseln ab mit Kinderversen und Lebensgeschichten. Die Landesausstellung wird besungen, Bad Schinznach, das so genannte Ende der Geschichte und das Folienrauchen werden bedichtet. Der Mäzen Paul Sacher ist ebenso Inhalt seiner Poesie wie eine Eidechse im Tessin oder eine Grillparty. Lerchs bildstarke Lyrik erklingt ohne falsches Pathos und mit feiner Ironie. So müssen Gedichte heutzutage sein!

Wolfgang Bortlik

Fredi Lerch «Echsenland», Rotpunktverlag, 149 Seiten, 29 Franken.

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