Aktualisiert 13.02.2020 09:07

«Berufsfremde Arbeit»Lernende nerven sich über Hilfs-Jöbli

Kaffee bringen, Ferien buchen für den Chef, WCs putzen: Chefs verknurren Lernende oft zu Hilfsarbeiten. Gewerkschafter fordern mehr Kontrollen durch die Kantone.

von
P. Michel
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Die Unia kritisiert, dass Lernende allzu oft für «berufsfremde Arbeiten» eingesetzt werden.

Die Unia kritisiert, dass Lernende allzu oft für «berufsfremde Arbeiten» eingesetzt werden.

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Dabei verknurren Berufsbildner Lernende etwa ständig zum Kaffee holen, WCs putzen oder gar Ferien buchen.

Dabei verknurren Berufsbildner Lernende etwa ständig zum Kaffee holen, WCs putzen oder gar Ferien buchen.

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Natürlich könne es vorkommen, dass Lernende mal Kaffee bringen müssten, sagt Kathrin Ziltener von der Unia. «Aber solche Arbeiten müssen in einem Verhältnis stehen. Lernende müssen solche auch laut Gesetz nicht häufiger übernehmen als andere Mitarbeiter.»

Natürlich könne es vorkommen, dass Lernende mal Kaffee bringen müssten, sagt Kathrin Ziltener von der Unia. «Aber solche Arbeiten müssen in einem Verhältnis stehen. Lernende müssen solche auch laut Gesetz nicht häufiger übernehmen als andere Mitarbeiter.»

Unia

«Lehrjahre sind keine Herrenjahre»: Diese Binsenwahrheit müssen viele Lernende beim Einstieg in die Berufswelt am eigenen Leib erfahren. Einige Berufsbildner treiben es jedoch auf die Spitze: Die Jugendsektion der Unia erhält regelmässig Beschwerden von Lernenden, die Arbeit aufgehalst bekommen, die nichts mit ihrem Lehrberuf zu tun hat. Für 20 Minuten hat Jugendsekretärin Kathrin Ziltener einige aktuelle Fälle gesammelt (siehe Box).

Die Beispiele

An Kundenterminen nur Kaffee bringen

Eine KV-Lernende in einem kleinen Buchhaltungsbetrieb war bei jedem Kundentermin dafür zuständig, Kaffee zu bringen. «An der Besprechung mit dem Kunden selbst war sie jeweils nicht dabei, sie lernte den Umgang mit Kunden also nicht», sagt Ziltener.

Ferien buchen für den Chef

Ein anderer KV-Lernender hatte die Aufgabe gefasst, private Arzttermine des Berufsbildners zu koordinieren oder auch gleich dessen Ferien zu buchen, wie Ziltener berichtet. Auch Einkäufe für die Frau des Chefs hätten zum Pflichtenheft gehört.

Täglich die WCs putzen

Eine angehende Drogistin habe jeden Tag die WCs des Geschäfts reinigen müssen. «Natürlich können Lernende diese Arbeit auch mal machen – aber in diesem Ausmass geht das nicht», so Ziltener.

Essen holen

«Ein angehender Kaufmann musste jeden Tag Znüni und Zmittag für die Kollegen holen», berichtet die Unia. «Das ist pure Schikane, wenn es immer nur den Lernenden trifft.»

Wände streichen

Zum Schluss, dass Lernende «vermehrt für produktive Arbeiten eingesetzt würden, die sonst von ungelernten Mitarbeitenden erledigt werden», kommt auch das Eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung EHB in seiner neuen Studie zum Nutzen der Berufsbildung. Dafür würden die Lernenden «etwas weniger für produktive Tätigkeiten eingesetzt, die sonst von Fachkräften erledigt werden müssten.» Um welche Arbeiten es sich genau handelt, weist die Studie nicht aus. Die Experten warnen aber: «Eine solche Entwicklung wäre bildungspolitisch nicht erwünscht, weil die Lernenden für ihre spätere Tätigkeit als Fachkraft ausgebildet werden sollen.»

Natürlich könne es vorkommen, dass Lernende mal Kaffee bringen müssten, sagt Ziltener. «Aber solche Arbeiten müssen in einem Verhältnis stehen. Lernende müssen solche auch laut Gesetz nicht häufiger übernehmen als andere Mitarbeiter.»

Sie fordert deshalb, dass die Berufsinspektoren der Kantone ihre Kontrollen intensivieren und Beschwerden von Lernenden konsequent nachgehen. «Firmen, die ihre Lernenden so behandeln, sollen ihre Bewilligung zur Ausbildung verlieren.» Denn die Lehre müsse dazu dienen, den Jugendlichen wichtiges Wissen für die Zukunft zu vermitteln.

Nicht mehr Kontrollen

Die Berufsbildungsämter sehen jedoch keinen Handlungsbedarf. «Wir haben im Moment keine Anzeichen, dass es mehr Kontrollen braucht», so die Bildungsdirektion des Kanton Berns. Die Bildungsdirektion des Kantons Zürich unternimmt selbst keine Kontrollen und führt auch keine Statistik über solche Beschwerden. Auch der Kanton Luzern wird nur aktiv, wenn sich Lernende melden.

«In einem Kleinbetrieb sind die ‹Ämtli› meistens verteilt und dann kann Kaffee holen auch mal eines davon sein. In den meisten Fällen wird eine Lösung gefunden, die beiden Seiten entspricht», sagt Sprecherin Sandra Kilchmann. Zahlen hat auch Luzern nicht. Kilchmann betont, es komme immer wieder vor, dass man bei «gravierenden Qualitätsmängeln die Bildungsbewilligung den Lehrbetrieben entziehen muss. Dann ist das Kaffeeholen jedoch das kleinere Problem.»

Forderung führe zu mehr Bürokratie

Auch der Arbeitgeberverband wehrt die Forderungen der Unia ab: «Die Politik vertraut seit langem zu Recht darauf, dass die Arbeitgeber gute Ausbildner und Mentoren für junge Menschen sind, damit sie fit für einen sich wandelnden Arbeitsmarkt werden», sagt Sprecher Fredy Greuter. Die geltenden Gesetze hätten sich bewährt und ahndeten Missbräuche. «Aus diesen Gründen sind weitergehende Forderungen der Unia überzogen und leisten bloss der Bürokratie Vorschub.»

Welche Hilfsarbeiten musstest du während der Lehre erledigen? Erzähle uns davon.

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Rechtliche Lage

Laut Arbeitsrechtler Roger Rudolph müssen auch Lernende nur Aufgaben ausführen, die ihrem Stellenprofil entsprechen. Das hiesse jedoch nicht, dass Hilfs-Jobs ganz verboten seien. «Es ist aber eine Frage des Masses», erklärt er. Einmal in der Woche den Abfallsack auf die Strasse zu stellen oder einen Einkauf zu machen könne noch vom Weisungsrecht des Arbeitgebers gedeckt sein. «Gerade bei Lernenden, wo die Ausbildung und damit eben berufsnahe Tätigkeiten im Vordergrund stehen, ginge es aber klar zu weit, wenn via Weisungsrecht täglich und ständig solche Arbeiten erledigt werden müssen.» Dann könnte die entsprechende Arbeit spätestens nach einer Abmahnung verweigert werden. Auch könne das entsprechende Amt eingeschaltet werden.

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