Generation Z: Noch nie so viele Ausfälle und Lehrabbrüche – das sagt ihr dazu

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Lehrabbrüche«Lernende sind keine Billigarbeitskräfte!»

Die Zahlen zu Lehrabbrüchen und Arbeitsausfällen wegen psychischer Erkrankungen haben ein Rekordhoch erreicht. Viele Mitglieder der Community erstaunt das nicht.

von
Gabriela Graber
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Der Bund verzeichnete einen Rekord bei den Lehrvertragsauflösungen. Besonders betroffen sind handwerkliche Berufe. Bei einigen wird fast die Hälfte der Verträge aufgelöst.

Der Bund verzeichnete einen Rekord bei den Lehrvertragsauflösungen. Besonders betroffen sind handwerkliche Berufe. Bei einigen wird fast die Hälfte der Verträge aufgelöst.

20min/Ela Çelik
Laut Wirtschaftspsychologe Christian Fichter ist man es heute nicht mehr so gewohnt, dass es Phasen gibt, die man überwinden und während derer man diszipliniert sein muss.

Laut Wirtschaftspsychologe Christian Fichter ist man es heute nicht mehr so gewohnt, dass es Phasen gibt, die man überwinden und während derer man diszipliniert sein muss.

20min/Ela Çelik
Noch nie wurden so viele Verträge aufgelöst und Ausbildungen abgebrochen.

Noch nie wurden so viele Verträge aufgelöst und Ausbildungen abgebrochen.

20min/Ela Çelik

Darum gehts: 

  • Fast jede und jeder vierte Jugendliche bricht seine oder ihre Lehre frühzeitig ab.

  • Gleichzeitig haben die Arbeitsausfälle aufgrund von psychischen Erkrankungen einen Rekordwert erreicht.

  • «Derzeit haben die Jungen ganz mannigfaltige Probleme», sagt der Wirtschaftspsychologe Christian Fichter. 

  • Viele Leserinnen und Leser geben den sozialen Medien für diese Entwicklung die Schuld, während andere finden, dass die Ansprüche gewachsen sind.

Knapp eine von vier Personen, die 2017 eine Lehre angefangen hat, hat diese mittlerweile vorzeitig wieder abgebrochen. Das sind so viele wie noch nie, wie der Tagesanzeiger schreibt. Auch Arbeitsausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen sind laut NZZ Magazin auf einem Höchststand.

«Derzeit haben die Jungen ganz mannigfaltige Probleme», sagt der Wirtschaftspsychologe Christian Fichter. Dazu gehöre die Sinnfrage, vor allem jetzt mit den vielen weltweiten Krisen. Zudem sei die Gesellschaft durchdrungen vom Problembewusstsein, wie etwa dem Klimawandel. «Diese Probleme spalten die Gesellschaft, das führt zu Verunsicherung bei den Menschen – und zwar in der ganzen Gesellschaft, nicht nur bei Gen Z.»

Was sind die Gründe für die vielen Lehrabbrüche und Ausfälle wegen psychischer Erkrankungen unter Jungen? Was kann getan werden, damit es ihnen besser geht? Und was können junge Menschen tun? Darüber diskutiert die Community in der Kommentarspalte.

«Junge werfen die Flinte gleich ins Korn»

«Das Problem ist, dass Junge oft keinen Durchhaltewillen haben. Klappt etwas nicht, werfen sie die Flinte gleich ins Korn», kommentiert User Repter. Dem stimmt User b.k.a. zu und sagt: «Leider wissen viele Jugendliche heute nicht, wie man Krisen durchstehen kann.» Dies sei so, weil ihnen in der Kindheit alle Hindernisse aus dem Weg geräumt würden. In der Arbeitswelt würden sie erstmals mit grösseren Schwierigkeiten konfrontiert – «und sind dann völlig überfordert». 

Auch eine Mutter von zwei Teenagern kritisiert die heutige Pädagogik, die sie «Kuschelerziehung» nennt. «Meine Kids wurden streng erzogen und sind trotzdem, oder vielleicht genau deshalb, glückliche Menschen», fügt sie an.

Viele Leserinnen und Leser geben Social Media die Schuld an den Ausfällen und Abbrüchen. Einer davon ist Faalke: «Die jungen Menschen wollen geliebt werden – bestenfalls von 500’000 Followern, sonst sind sie nicht motiviert.» – «Sie spielen den ganzen Tag auf Social Media rum und realisieren erst in der Lehre, dass man als Schreiner eben kein Lamborghini-fahrender Millionär werden kann. Das lässt sie ihre Wahl betreffend Ausbildung hinterfragen», findet brnnbs. Auch User Zebioo meint: «Viele können zwischen Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden.» Er plädiert deshalb für bessere Medienerziehung im Elternhaus und in der Schule.

Wie steht es derzeit um deine psychische Gesundheit? 

«Immer mehr Arbeit und immer weniger Mitarbeitende»

Etliche Leserinnen und Leser sehen dies jedoch anders und erkennen die Schwierigkeiten, mit denen junge Menschen heute konfrontiert sind.

«Verständlich. 15-Jährige sollten noch zur Schule gehen – und nicht arbeiten müssen», kommentiert asgahtdichdasah. User wii fügt an: «Das Problem ist der hohe Leistungsdruck: Immer mehr Arbeit und immer weniger Mitarbeitende, um einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen.» Er finde zudem, dass sich ältere Generationen an diesen Druck anpassen, während Junge ins kalte Wasser geworfen werden würden. Und Bananenbrot53 hebt hervor: «Vielleicht sollte man endlich verstehen, dass Lernende keine Billigarbeitskräfte sind!»

«Ich hätte meine Lehre besser abgebrochen»

Viele Mitglieder der Community berichten von eigenen Erlebnissen – oder von Erfahrungen ihrer Bekannten: «Meine Coiffeuse hat die Lehre kurz vor der Lehrabschlussprüfung abgebrochen, weil sie dermassen Angst hatte zu versagen», so Mr.Energie_ch. «Ich hätte meine Lehre besser abgebrochen», erzählt User Wasgitsnonig. Er habe deswegen starke psychische Probleme entwickelt, die ihn bis drei Jahre nach dem Abschluss begleitet hätten. «Leute, hört den mit psychischen Problemen Betroffenen zu. Das kann Leben retten!»

«Vergesst nicht, nach wie vor bricht nur eine Minderheit ab», findet DNA2. User hibiskus7 relativiert: «Man kann nicht alles verallgemeinern. Es gibt ganz verschiedene Jugendliche und das gleiche gilt für Betriebe und Lehrmeister.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine psychische Erkrankung?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

VASK, regionale Vereine für Angehörige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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