Befragung - Lernende sind zufrieden mit der Lehre – mit der Berufsschule weniger
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Befragung Lernende sind zufrieden mit der Lehre – mit der Berufsschule weniger

Trotz Coronakrise sind die meisten Lernenden glücklich in ihrem Job. Sie schätzen ein gutes Arbeitsklima und Selbständigkeit mehr als einen möglichst hohen Lohn.

von
Pascal Michel
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Die Plattform professional.ch hat 1200 Lernende befragt.

Die Plattform professional.ch hat 1200 Lernende befragt.

Getty Images
In diesen Branchen war die Zufriedenheit unter den Lernenden am grössten.

In diesen Branchen war die Zufriedenheit unter den Lernenden am grössten.

professional.ch
Schwierigkeiten bereitete indes der Online-Unterricht.

Schwierigkeiten bereitete indes der Online-Unterricht.

professional.ch

Darum gehts

  • Die Pandemie zeigte auch positive Effekte: Lernende konnten selbständiger arbeiten.

  • Das hat die Zufriedenheit verbessert.

  • Schlechte Noten gibt es für die Berufsschulen, die unter schwierigen Bedingungen unterrichten mussten.

Homeoffice, Fernunterricht und Kurzarbeit: Die Pandemie veränderte nicht nur den Arbeitsalltag der Angestellten, sondern auch denjenigen der Lernenden. Wie eine Umfrage der Plattform «professional.ch» unter mehr als 1000 Lernenden zeigt, ist ein Grossteil der angehenden Berufsleute gut durch die Pandemie gekommen: Sie sind sogar so zufrieden mit ihrer Ausbildung wie seit Beginn der Erhebung im Jahr 2015 nicht mehr.

Auf einer Skala von ein bis fünf bewerteten die Befragten dieses Jahr ihre Zufriedenheit mit durchschnittlich 4,15. 2019 lag der Wert bei 3,81. Zufriedener trotz Pandemie – wie geht das? «Die vielen Umstellungen und Umstrukturierungen förderten das selbständige Arbeiten der Lernenden, die Berufsbildenden zeigten mehr Engagement und die Lernenden fühlten sich mehr respektiert», erklären die Berufsbildungs-Expertinnen und -Experten von «professional.ch». Diese Aspekte beeinflussten die Zufriedenheit der Lernenden positiv.

Geld allein macht nicht zufrieden

Respekt ist sowieso das zentrale Thema der befragten Lernenden. Für sie ist es der Faktor, der am meisten zur Zufriedenheit in der Lehre beiträgt. Danach folgt ein gutes Arbeitsklima, abwechslungsreiche Tätigkeiten und selbständiges Arbeiten. Nebenleistungen, wie ein vergünstigtes Handy-Abo oder generell ein möglichst guter Lohn, sind weniger entscheidend. «Für den passenden Beruf und die passende Firma sind die Jugendlichen sogar bereit, längere Arbeitswege in Kauf zu nehmen», sagt Anja Iseli von «professional.ch».

Spuren hinterlässt die Pandemie laut Umfrage aber doch. Den Berufsschulunterricht, der teils online stattfinden musste, war für viele Lernende ein Problem. Die meisten Befragten sagen, dass die Qualität des Unterrichts gelitten habe. Danach folgen Schwierigkeiten mit der Konzentration im Unterricht sowie grundsätzlich Motivationsprobleme.

Dass die Bewertungen hier schlechter ausfallen, führt Iseli darauf zurück, dass sehr schnell von Präsenz- auf Online-Unterricht gewechselt werden musste. «Dies führte dazu, dass sowohl vonseiten der Lernenden als auch vonseiten der Lehrpersonen eine Umgewöhnung stattfinden musste, die Zeit brauchte.»

Wer im Betrieb bleiben kann, gibt bessere Noten

Bei jenen Lernenden, die mit ihrer Berufswahl weniger zufrieden sind, spielen die Zukunftsaussichten eine Rolle. Lernende, die im Lehrbetrieb nach dem Abschluss weiterarbeiten können, sind wesentlich zufriedener. Vor allem Jugendliche im letzten Lehrjahr weisen eine vergleichsweise niedrigere Zufriedenheit aus, wenn sie noch keine Pläne nach dem Lehrabschluss haben.

Am zufriedensten sind Lernende in der Branche Elektronik. Dazu gehören etwa die Berufe Elektroinstallateur oder Elektroplaner. An zweiter Stelle folgt die stets sehr beliebte Bank- und Versicherungsbranche. Auf dem dritten Platz stehen Berufe im Bereich Gesundheit, Soziales und Schönheit.

77’000 Lehrverträge unterzeichnet

Ein neuer Bericht der «Taskforce Perspektive Berufslehre» zeichnet ein stabiles Bild des Lehrstellenmarkts. Schweizweit sind per Ende September rund 77’000 Lehrverträge unterzeichnet worden. Diese Zahl bewege sich im Rahmen der Vorjahre, schreiben die Expertinnen und Experten. Die gute Situation sei «zum einen auf die hohe Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen zurückzuführen. Zum anderen haben die Kantone und die Organisationen der Arbeitswelt ihre Anstrengungen in den letzten Monaten verstärkt, um Jugendliche auf Lehrstellensuche zu unterstützen.» Die Taskforce hält dennoch fest, dass es in den nächsten Jahren weitere Anstrengungen brauche. Bald erreichten geburtenstarke Jahrgänge das Ende ihrer obligatorischen Schulzeit. Laut der Taskforce werden im Jahr 2027 gegenüber 2021 rund 10’000 Jugendliche kurz vor Abschluss ihrer Schulzeit stehen.

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