Aktualisiert 30.05.2006 10:19

Lesbensex,... and the City

Die Stars aus der TV-Serie «The L-Word» sind jung, schön - und lesbisch. Am 30. Mai 2006 um 22.15 Uhr kommt die Erfolgssendung endlich bei uns im Fernsehen: ProSieben zeigt die erste Staffel. In den USA hatte die Sendung einen Riesenwirbel verursacht.

Als die Serie vor zwei Jahren in den USA startete, gab es gehörige Proteste - und zwar von beiden Enden des Spektrums. Erwartungsgemäss empörte sich die religiöse Rechte. «Homosexuelle Aktivisten, von denen es in Hollywood jede Menge gibt, wollen Homosexualität zum amerikanischen Mainstream erheben», wetterte Robert Knight, Direktor eines konservativen «Instituts für Familie und Kultur». «Ein wesentlicher Bestandteil dieser Strategie ist es, die Medien mit positiven Bildern von Homosexuellen zu überfluten.» Weniger vorhersehbar war die Kritik feministischer Gruppen, die der Serie vorwarfen, nur weisse Frauen aus der Oberschicht mit Model-Look zu zeigen.

Die Autorin und Produzentin Ilene Chaiken verteidigt sich damit, dass die Serie in Los Angeles spiele und da nun mal fast alle toll aussähen. «Ich kann nicht bestreiten, dass es um eine sehr attraktive Gruppe von Frauen geht, vielleicht eine idealisierte Form des realen Lebens - aber nur leicht idealisiert.» Chaiken hatte die Serie bereits um 1990 entworfen, doch damals traute sich noch kein Sender ran. «Wo denken Sie hin?» bekam sie zu hören. «Im amerikanischen Fernsehen haben noch nicht mal Heterosexuelle Sex.»

Doch nach der erfolgreichen Schwulenserie «Queer as Folk» änderte sich die Einstellung. Gleichzeitig begann die US-Wirtschaft, Schwule und Lesben mehr und mehr als interessante Kundengruppe zu entdecken. Die beischlafwütigen Damen aus «The L Word» waren für den durchschnittlichen Fernsehzuschauer des Mittleren Westens allerdings eine Provokation ganz besonderer Art. Brust an Brust in Grossaufnahme - das hatte es so noch nicht gegeben. Und wenn in «The L Word» gesprochen wird, dominieren Probleme wie die Suche nach dem richtigen Samendoktor oder lesbische Insider-Witze: «Ich gehe davon aus, dass unser Kernpublikum aus Lesben besteht», sagt Chaiken. Interessierte heterosexuelle Frauen seien natürlich ebenfalls willkommen und selbstverständlich würden auch Männer toleriert.

Es müssen wohl eine ganze Menge Männer zuschauen, da sich die Quote für die Serie sonst kaum auf hohem Niveau stabilisiert hätte. Zu Beginn der ersten Staffel geht es um eine gewisse Jenny (Mia Kirshner), die mit ihrem Freund Tim (Eric Mabius) nach Los Angeles zieht, um sich dort auf ihre Karriere als Schriftstellerin zu konzentrieren. Stattdessen trifft sie Marina (Karina Lombard), die europäische Besitzerin eines Lesben-Cafes, und ist künftig zwischen ihr und Tim hin- und hergerissen...

Eins kann man auf jeden Fall schon mal sagen: Die Serie ist das perfekte Kontrastprogramm zur Fussball-WM. Das F-Wort wird garantiert nicht erwähnt, und schwitzende Männerkörper sind ebenfalls tabu. (sda)

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