Ehe für alle - Lesbisches Pärli will an Halloween heiraten
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Ehe für alleLesbisches Pärli will an Halloween heiraten

Seit 21 Jahren sind Tanja (40) und Pam (39) Lüber unzertrennlich. Wenn die «Ehe für alle» angenommen wird, wollen sie endlich heiraten – und zwar an Halloween.

von
Zora Schaad
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Tanja und Pam Lüber haben sich vor 21 Jahren kennengelernt – im Teletext. 

Tanja und Pam Lüber haben sich vor 21 Jahren kennengelernt – im Teletext.

luminas-weddingart.ch
Die beiden sind unzertrennlich: «Wir machen alles gemeinsam. Freizeit, Ferien, Freund*innen treffen – wir können die Nächte, die wir nicht zusammen verbracht haben, an unseren Händen abzählen. Das war immer nur der Fall, wenn eine von uns ins Spital musste», so Tanja.

Die beiden sind unzertrennlich: «Wir machen alles gemeinsam. Freizeit, Ferien, Freund*innen treffen – wir können die Nächte, die wir nicht zusammen verbracht haben, an unseren Händen abzählen. Das war immer nur der Fall, wenn eine von uns ins Spital musste», so Tanja.

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An Halloween 2017 liessen die beiden ihre Partnerschaft eintragen, später nahm Pam Tanjas Nachnamen an.

An Halloween 2017 liessen die beiden ihre Partnerschaft eintragen, später nahm Pam Tanjas Nachnamen an.

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Darum gehts

  • Tanja und Pam Lüber haben sich beim Chatten auf Teletext ineinander verliebt.

  • Seit 21 Jahren sind die beiden Frauen zusammen.

  • Dass sie nicht heiraten dürfen, können Tanja und Pam nicht verstehen.

  • Sie hoffen auf ein Ja zur «Ehe für alle» am 26. September.

  • Das Gruftie-Pärchen will sich an Halloween das Ja-Wort geben.

Vampire waren es, die Tanja und Pam zueinander gebracht haben. Genauer: ein Chat auf der Fernseh-Kommunikationsplattform Teletext über ihre damalige Lieblingsserie «Angel – Jäger der Finsternis». «Wir hatten noch kein Internet. Stundenlang haben wir gechattet und gesimst, einmal hatte ich eine Handyrechnung von 1000 Franken», erinnert sich Pam Lüber. Sie war 19 damals, Tanja 20. Als sie sich nach einem halben Jahr das erste Mal trafen, kannten sie sich zwar schon sehr gut – bloss wie sie aussahen, wussten sie nicht. «Ich war damals schon voll in der Gruftieszene, schwarz angezogen von unten bis oben, schwarzer Lippenstift, Piercings. Von Pam hatte ich nichts als ein kleines Passfoto, darauf trug sie ein helles Kleid. Was für eine Tussi, dachte ich. Aber halt ein sehr herziges.» «Und ich dachte, war für ein dünner Hippie du bist!», sagt Pam. Beide lachen.

Sobald sie sich das erste Mal gesehen hatten, war der Fall klar. «Das Aussehen spielte überhaupt keine Rolle, wir wussten gleich, wir gehören zusammen. Ich bin pansexuell, das heisst, ich verliebe mich in den Menschen. Wie er aussieht und ob er eine Frau oder ein Mann ist, ist mir eigentlich egal», so Pam. Tanja, die schon vor Pam Erfahrungen mit Frauen gesammelt hatte, bezeichnet sich als lesbisch. Sie war es auch, die den ersten Schritt machte. «Ich wusste, ich musste. Ich durfte diese Chance nicht verstreichen lassen. Also küsste ich sie. Und danach gingen wir essen.»

«Manchmal meinen die Leute, Tanja sei meine Schwester»

21 Jahre später sind die beiden immer noch unzertrennlich. «Wir machen alles gemeinsam. Freizeit, Ferien, Freund*innen treffen – wir können die Nächte, die wir nicht zusammen verbracht haben, an unseren Händen abzählen. Das war immer nur der Fall, wenn eine von uns ins Spital musste», so Tanja. An Halloween 2017 liessen die beiden ihre Partnerschaft eintragen, später nahm Pam Tanjas Nachnamen an. Der Name war uns wichtig als Zeichen, damit man sieht, dass wir zusammen gehören. Seither meinen die Leute manchmal, Tanja sei meine Schwester. Dann sag ich immer deutlich, ‹Sie ist meine Frau! Sie weiss alles von mir!›»

Sofern die Vorlage «Ehe für alle», über die die Schweizer Stimmbevölkerung am 26. September entscheidet, angenommen wird, wollen die beiden sofort ihre Hochzeit planen. «Sie wird an Halloween stattfinden, das ist unser Lieblings-Feiertag. Und ich weiss schon, welches Kleid ich tragen werde!», so Pam. Die eingetragene Partnerschaft allein reicht dem Paar nicht. «Wir wollen heiraten können wie alle anderen Paare. Heterosexuelle Paare dürfen immer heiraten, egal, wie sehr sie aus der Norm fallen. Wir aber sind seit über 20 Jahren zusammen, zahlen gemeinsam Steuern, führen einen Haushalt – und wir sollen nicht heiraten dürfen? Das ist absurd!» Ihnen geht es ums Grundlegende, um Gleichberechtigung und um den traditionsreichen Stempel der Ehe, den sie für ihre Beziehung wollen.

«Die Samenspende ist für uns kein Thema»

«Bei einem Ja profitieren wir nicht direkt. Familiennachzug oder Samenspende, die in der Vorlage ja auch enthalten sind, sind für uns kein Thema», so Tanja. «Wobei, wer weiss: Wenn die Abstimmung vor zehn Jahren gewesen und die Samenspende für lesbische Pärchen damit erlaubt worden wäre – dann hätten wir vielleicht jetzt eine Familie», so Pam nachdenklich. Die Nacktkatze Kadaj – eine von vier Büsis, die die beiden halten – springt auf ihren Schoss. Sie streichelt sie. «Unser Leben ohne Kinder ist gut. Aber unseren lesbischen Freundinnen, die jünger sind und Kinderwunsch haben, wünsche ich, dass sie ihren Familientraum in Zukunft leichter leben können.»

Ehe für alle

Am 26. September stimmt das Volk über die «Ehe für alle» ab. Künftig sollen auch gleichgeschlechtliche Paare zivil heiraten können. Damit könnten sie ein Kind adoptieren. Verheiratete Frauenpaare hätten Zugang zur gesetzlich geregelten Samenspende in der Schweiz. Anonyme Spenden blieben verboten. Ausländische Ehepartnerinnen und Ehepartner können sich erleichtert einbürgern lassen.

LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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