Taxireglement Luzern: Leser geben Taxifahrern schlechte Noten
Aktualisiert

Taxireglement LuzernLeser geben Taxifahrern schlechte Noten

Der Luzerner Stadtrat will, dass Taxifahrer Benimmregeln beachten und über bessere Sprach- und Ortskunde verfügen. Die Taxiunternehmer sind sauer und erwarten eine Entschuldigung.

von
Sarah Weissmann
Fast 90 Prozent der 20-Minuten-Leser erachten die Kritik des Luzerner Stadtrats an den Taxifahrern absolut berechtigt.

Fast 90 Prozent der 20-Minuten-Leser erachten die Kritik des Luzerner Stadtrats an den Taxifahrern absolut berechtigt.

Das Statement des Stadtrats ist klar: Die Qualität der Dienstleistungen von Taxichauffeuren sei oft mangelhaft, schrieb er in einer Mitteilung bezüglich des neuen Taxireglements am Dienstag. Daraufhin startete 20 Minuten eine Umfrage und die Aussagen der Leser zeigen ein ebenso klares Bild.

Von 1140 Teilnehmern erachten 87 Prozent die Kritik des Stadtrats als absolut berechtigt. Ein Leser schreibt: «Die Fahrer sind sehr unfreundlich und in manchen Autos stinkt es nach Rauch und Schweiss. Zudem verstehen 90 Prozent sehr schlecht Deutsch und manche wollen die Uhr nicht mal einschalten - lausig, lausig.»

Der Kunde ist König

Adrian Chiaruzzi ist Einzelunternehmer und hat Verständnis für die Kritik - wenn auch nur wenig. «Nach meiner Erfahrung hat der Stadtrat zu einem kleinen Teil sicher recht. Ich habe ab und zu Kunden gefahren, die sich über andere Taxifahrer beschwert haben», so Chiaruzzi. Bei ihm selbst sei der Kunde König und in seinem Taxi dürfe beispielsweise nicht geraucht werden.

Für ihn ist jedoch klar, dass es einen Qualitätsunterscheid zwischen Selbstständigerwerbenden und Unternehmern gibt: «Ein Selbstständiger gibt sich mehr Mühe, da er auf seine Kunden angewiesen ist und sie behalten will. Einem Angestellten bei einem Unternehmen ist das oft nicht so wichtig», so Chiaruzzi. Um den Problemen etwas entgegenzuwirken, appelliert Chiaruzzi an das Beschwerderecht der Kunden. «Man muss bei der Gewerbepolizei konkrete Angaben zum betreffenden Chauffeur machen. Nur so kann gegen schwarze Schafe vorgegangen werden.» Chiaruzzi findet, es sollte in jedem Taxi zusätzlich in Kombination mit dem Fahrpreis ein Schild angebracht werden mit der Aufschrift: «Qualität? Der Fahrgast hat ein Beschwerderecht.»

Wir sind nicht bei der SBB

Die Aussagen der Stadtbehörde empfindet André Hess, Geschäftsführer von Ernst Hess Taxi AG, als unangemessen: «Wir haben klare Regeln, dass Chauffeure nicht in kurzen Hosen und Flipflops arbeiten dürfen.» Auch das Rauchen sei in seinen Taxis verboten. Und er sieht das Problem gerade bei den Selbstständigerwerbenden, diese könnten so arbeiten gehen, wie sie wollten - es sei kein Chef dahinter, der nach dem Rechten schaut. «Die Stadt steckt uns Unternehmer in die gleiche Schublade wie die Selbstständigen. Damit wird unser Image einmal mehr ins schlechte Licht gerückt.» Darüber ist Hess verärgert. Er verlangt: «Die Stadtbehörde muss sich bei uns Unternehmern, die seit Jahrzenten einen 24-Stunden-Service, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr anbieten, für ihre Worte entschuldigen!»

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