Finanzbranche in der Misere: Leser vertrauen weder Bundesrat noch Parteien
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Finanzbranche in der MisereLeser vertrauen weder Bundesrat noch Parteien

Nur jeder Vierte glaubt in der Krise an den Bundesrat. Auch die Parteien finden kaum Zuspruch, wie eine Umfrage von 20 Minuten Online zeigt. Vertrauen erhält nur die Nationalbank.

von
R. Nicolussi
32,1 Prozent der User finden, das beste Rezept gegen einen allzu starken Franken habe «keine Partei».

32,1 Prozent der User finden, das beste Rezept gegen einen allzu starken Franken habe «keine Partei».

Die zögerliche und dünne Kommunikation des Bundesrats in der Frankenkrise hat im Volk Spuren hinterlassen. 57,9 Prozent der Teilnehmer einer nicht repräsentativen Umfrage von 20 Minuten Online glauben nicht, dass die Regierung in der Finanzkrise die richtigen Entscheidungen trifft. Lediglich 25,7 Prozent stärken dem Bundesrat den Rücken. 16,4 Prozent der Befragten wussten auf eine entsprechende Frage keine Antwort.

Nicht viel besser kommen im Volk die unterschiedlichsten Ideen der Parteien gegen die Frankenstärke an. Auf die Frage, welche Partei die besten Rezepte gegen den allzu starken Franken habe, wählte ein Drittel die Antwort: «keine Partei». Immerhin 29,4 Prozent setzen auf die SVP, was praktisch der Wählerstärke der Volkspartei entspricht. Abgeschlagen auf dem zweiten Platz folgt die SP mit 10,2 Prozent, noch vor der Wirtschaftspartei FDP, der 9,3 Prozent der User gute Rezepte zutrauen, wobei die Zustimmung mit zunehmendem Alter der User abnimmt.

Hinter dem Freisinn reihen sich BDP (7,0 Prozent), Grünliberale (4,4 Prozent), die CVP (3,9 Prozent) und die Grünen (1,4 Prozent) ein. 2,3 Prozent der User setzen in der Krise auf verschiedene Kleinparteien. Die BDP als kompetente Wirtschaftspartei sehen vor allem die älteren Semester (16 Prozent der über 60-Jährigen). Eine Ansicht, die aber nur ein Prozent der unter 18-Jährigen teilt.

Kaum Auswirkungen auf Wahlen

Eine grosse Bedeutung für die Wahlen im Herbst haben die Positionen der Parteien zur Frankenstärke indes kaum. Fast 85 Prozent gaben an, die Parteipositionen hätten überhaupt keinen Einfluss auf ihr Wahlverhalten. 7,2 Prozent gedenken hingegen, eine andere zu Partei wählen, als sie ursprünglich wollten. Und 6,0 Prozent wollen wählen gehen, obschon sie das ursprünglich nicht vorhatten. Diese Angaben sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen, da sie Ausdruck einer momentanen Stimmung sein könnten, die sich bis zu den Wahlen möglicherweise wieder ändert. So geben beispielsweise lediglich 4,6 Prozent der User an, am 23. Oktober nicht wählen zu wollen. Seit den späten 70er-Jahren lag die Wahlbeteiligung jedoch stets unter 50 Prozent.

Zu teuere Importprodukte

Auf die «Sonntagsfrage» ergab die Auswertung mitunter erstaunliche Ergebnisse. Würde das Stimmvolk im Herbst tatsächlich so abstimmen, wie sich die User in der Umfrage äusserten, könnte die SVP mit 38,9 Prozent der Stimmen einen überragenden Wahlsieg erringen. Die SP schrumpfte als zweite Kraft auf 13,6 Prozent. Kräftig zulegen könnten die Grünliberalen (9,4 Prozent) und die BDP (9,3 Prozent), welche an der Zehn-Prozent-Grenze kratzten. Ein Debakel gäbe es für die traditionellen Mitteparteien. Die FDP verlöre rund die Hälfte ihrer Wähler und käme auf 8,0 Prozent, die CVP schrumpfte gar auf einen Drittel ihrer bisherigen Grösse (4,8 Prozent). Einen herben Verlust müssten auch die Grünen in Kauf nehmen, die neu noch auf 3,8 Prozent Wähleranteil kämen.

Für SVP und Hildebrand

Während die User der Politik keine guten Noten ausstellen, zeigt sich bei den Währungshütern ein anderer Trend. 46,4 Prozent sind überzeugt, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) in der Finanzkrise die richtigen Entscheidungen trifft. Damit vertrauen die User ironischerweise gleichzeitig dem SNB-Präsidenten, Philipp Hildebrand, und am ehesten der SVP, die seit geraumer Zeit eine Hatz auf Hildebrand veranstaltet. Kein Vertrauen in die SNB haben hingegen lediglich 35,6 Prozent der User.

Konsequenterweise finden denn auch fast zwei Drittel der Befragten, dass die SNB die richtige Instanz ist, um gegen die Frankenstärke zu intervenieren. 30,9 Prozent wünschten sich – auf die Frage, bei der eine Mehrfachnennung möglich war – eine Intervention des Bundesrats, 15,5 Prozent eine solche des Parlaments. Ein Viertel der Befragten outete sich hingegen als neoliberal. Sie wünschen gar keine Intervention.

Über 40 Prozent empfinden starken Franken positiv

Dies könnte damit im Zusammenhang stehen, dass für viele User die derzeitige Frankenstärke an sich nichts Schlechtes ist. 41,3 Prozent sehen in der harten Währung gar Vorteile. Lediglich 47,1 Prozent empfinden den starken Franken als negativ. 11,6 Prozent haben dazu keine Meinung.

Über 6000 User befragt

20 Minuten Online hat vom Dienstag, 9. August bis zum Donnerstag, 11. August Leser zum starken Franken befragt. An der nicht repräsentativen Umfrage nahmen 6041 User teil.

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