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Trotz mehrerer BaumängelLetzigrund wird wieder freigegeben

Das Letzigrund-Stadion musste am 8. Februar notfallmässig gesperrt werden – wegen eines Haarrisses. Nun ist die Sperre vorbei, der FC Zürich kann sein Heimspiel gegen den FC Luzern am kommenden Sonntag wieder im Zürcher Heimstadion austragen. Die Probleme aber sind noch nicht behoben.

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meg/mlu
Drei schlanke, graue Stützen verstärken das Tribünendach im Sektor A des Letzigrund-Stadions. (Bild: rom)

Drei schlanke, graue Stützen verstärken das Tribünendach im Sektor A des Letzigrund-Stadions. (Bild: rom)

Der Letzigrund kann wieder benutzt werden: Die Stadt Zürich gibt das wegen eines Risses in einem Stahlträger der Dachkonstruktion geschlossene Stadion dieser Tage wieder frei. Bis am Samstag werden alle 31 Dachträger das Stadions mit je einer provisorischen Stütze gestützt. Damit sei das Dach ausreichend gesichert, so dass jedes Sicherheitsrisiko ausgeschlossen werden könne, teilt das Hochbaudepartement der Stadt Zürich mit. Die Stadt habe bei der Totalunternehmerin eine Mängelrüge deponiert, die Untersuchungen liefen derweil weiter.

Bis jetzt förderte die Untersuchung am Dach verschiedene Baumängel zu Tage. Neben dem bisher bekannten Riss sei Korrosion an kritischen Stellen festgestellt worden. Diese müssten sofort behandelt werden. Daneben tauchten verschiedene Material- und Ausführungsunregelmässigkeiten auf, die aber noch weiter untersucht werden müssen.

Das Spiel FCZ – FC Luzern kann wie ursprünglich geplant am 7. März in Zürich stattfinden. Bis Ende Juli sollen alle Stützen wieder abgebaut und das Dach saniert sein – somit kann das Leichtathletik-Meeting «Weltklasse Zürich» im besten Fall ohne Stützen stattfinden.

Zehn Zentimeter langer Riss

Am 8. Februar wurde das Letzigrund-Stadion per sofort geschlossen. Im 120-Millionen-Bau wurde bei einer Routinekontrolle ein rund zehn Zentimeter langer Riss in einem der 36 Stahlträger entdeckt. Drei Spiele der Zürcher Fussballklubs mussten in der Folge verschoben werden. Betroffen ist auch das Länderspiel vom Mittwoch zwischen der Schweiz und Uruguay. Die Fussball-Nati muss wegen dem Riss in die AFG-Arena nach St.Gallen ausweichen. Doch die Zürcher Stadion-Probleme hatten nicht nur sichtbare Folgen. Stadion-Manager Peter Landolt sagte im «Tages Anzeiger»: «Einerseits haben wir einen grossen Imageschaden zu befürchten, andererseits entgeht uns für das Länderspiel die Stadionmiete.»

Über die Ursache, die Gefährlichkeit und die Schuldigen wollte die Stadt Zürich nicht spekulieren. Das übernahmen andere. Stahlbauer Hanspeter Wetter, der beim Letzigrund-Bau beteiligt war, hielt die Schliessung für zu dramatisch. «Der Haarriss im Stahlträger stellt auf keinen Fall eine Gefahr für die Zuschauer dar», sagte er. Für ETH-Statikprofessor Michael Havbro Faber war klar, dass der Riss auf Materialermüdung zurückzuführen sei. Er machte dafür menschliches Versagen verantwortlich.

In Rekordzeit gebaut

Das Stadion wurde für die Euro 08 in Rekordzeit erbaut. Nach dem offiziellen Spatenstich am 15. November 2005 entstand der Letzigrund unter der Federführung des Bauriesen Implenia. Im August 2007 konnte der Betrieb bereits aufgenommen werden. Nachdem Anwohner den Hardturm-Neubau bodigten, musste die grösste Stadt der Schweiz ernsthaft um die Durchführung von Europameisterschaftsspielen bangen. Hohn und Spott konnte da noch abgewendet werden. Der kam jetzt nachträglich.

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