Winterthur ZH: Letzte Chance für türkischen Strassenräuber

Aktualisiert

Winterthur ZHLetzte Chance für türkischen Strassenräuber

Ein arbeitsloser Türke hat in Winterthur gleich zwei Passanten auf offener Strasse überfallen und ausgeraubt. Am Montag kam der Täter vor Obergericht dank einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren mit einem blauen Auge davon.

von
Attila Szenogrady

Der heute 24-jährige Angeklagte aus Winterthur hat sich am Montag vor Obergericht gut verkauft. Der türkische Staatsangehörige hinterliess einen reumütigen Eindruck, sprach von einem schwarzen Flecken in seinem Leben und stellte nachhaltige Besserung für die Zukunft in Aussicht. Für ihn sprach die Tatsache, dass er seit den Delikten vor über zwei Jahren offenbar nicht mehr kriminell in Erscheinung getreten ist.

In zwei Wochen zwei Raubüberfälle

Die Vorwürfe der Anklage gab der in Winterthur aufgewachsene Mann allesamt zu. So seine beiden Raubüberfälle aus dem Frühling 2008. Damals fiel er innerhalb von zwei Wochen über zwei Passanten her. Zuerst am 31. Mai auf der St. Gallerstrasse, wo er zusammen mit seinem jüngeren Bruder sowie einem dritten Komplizen einen heute 46-jährigen Bauführer bewusstlos schlug und diesem das Portemonnaie mit 200 Franken Bargeld entwendete. Kurz darauf hob das Trio mit einer Maestro-Karte des Opfers von einem Winterthurer Bancomaten 1000 Franken ab.

Am 13. Juni 2008 war ein weiterer Fussgänger im Frohbergpark an der Reihe. Der heute 45-jährige Hochbauzeichner wurde vom Angeklagten und dessen Bruder mit einem Faustschlag gegen den Kopf überwältigt und ausgenommen. Allerdings fiel diesmal die Beute mit zehn Franken Bargeld sehr mager aus.

Landsmann falsch beschuldigt

Der Angeklagte wurde am 9. Dezember 2008 von der Polizei festgenommen und verschwand danach für 78 Tage in Untersuchungshaft. Unschön war dabei, dass der gefasste Räuber einen unschuldigen Landsmann zu Unrecht der Mittäterschaft bezichtigte. Was ihm neben den Raubtaten einen weiteren Anklagepunkt wegen falscher Anschuldigung einbrachte. Bereits in einem ersten Prozess am Bezirksgericht Winterthur konnte sich der bereits vorbestrafte Angeklagte aber nicht beklagen. Während die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 28 Monaten und davon zwölf Monate im Vollzug forderte, setzten die Winterthurer Richter eine teilbedingte Strafe von zwei Jahren fest. Davon noch sechs Monate unbedingt.

Letzte Chance

Am Montag kam es für den Angeklagten vor dem Zürcher Obergericht noch besser. Er erhielt mit einer umfassend bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren eine letzte Chance. Allerdings setzten die Oberrichter eine sehr lange Probezeit von vier Jahren fest. Sozusagen als Damoklesschwert, um allfällige Rückfallgelüste des heute mit einer Frau verlobten Angeklagten schon im Keim zu ersticken.

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