Aschewolke: Letzte Hoffnung ist das Wetter
Aktualisiert

AschewolkeLetzte Hoffnung ist das Wetter

Wieso produziert der isländische Vulkan eine so grosse Aschewolke?Ist ein Ende der Aschewolke in Sicht? Hier werden diese Fragen beantwortet.

Stillstand auf den europäischen Flughäfen, Millionenverluste bei den Airlines: Die Aschewolke aus Island sorgte weiter für Chaos. Schleudert der Vulkan auch weiterhin Tonnen feinster Partikel in die Atmosphäre, bleibt das Wetter die letzte Hoffnung. Das Warten auf das grosse Tief mit ordentlich Regen und Westwind hat begonnen.

- Wieso produziert der isländische Vulkan eine so grosse Aschewolke?

Der 1666 Meter hohe Gletschervulkan Eyjafjallajökull im Süden Islands liegt grossteils unter Eismassen verborgen. Kommen Magma und Wasser miteinander in Berührung, ist das hochexplosiv, wie der Geochemiker Knut Hahne vom Geoforschungszentrum in Potsdam erklärt. Die Folge sind starke Eruptionen, bei denen die Partikel aus dem Erdinneren weit hinauf in die Atmosphäre geschleudert werden. Insgesamt spuckt der Vulkan Hahne zufolge rund 750 Tonnen Asche pro Sekunde aus. Das sei eigentlich noch ein moderater Ausbruch. «Pech ist eben, dass wir die Wolke voll abgekommen.»

«Eyja...was?!»

- Ist ein Ende der Aschewolke in Sicht?

Nach Einschätzung isländischer Wissenschaftler wird der Vulkan auch in den kommenden Tagen noch Asche in die Atmosphäre schleudern. Die nach wie vor grosse Menge an Gletschereis und die sich intensivierende Vulkanaktivität liessen für die kommenden Tage keine grossen Veränderungen der Aschewolke erwarten. Die einzige Rettung bleibt damit das Wetter: Ein richtiges Tief mit Regen und strammem Westwind wäre super, wie Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst (DWD) sagt. Der Wind würde die Asche nach nach Osten wegblasen und der Regen die Luft auswaschen. Grundsätzlich sinken die feinen Partikel der Aschewolke Experten zufolge zwar auch ohne Regen langsam zu Boden, doch das dauert länger.

- Gibt die aktuelle Wetterprognose Anlass zur Hoffnung?

Ja und Nein. Ein starker Westwind sei nicht nicht zu erwarten - im Gegenteil, sagte Wetterexpertin Paetzold. Der Nordwestwind treibe die Aschewolken von Island weiter direkt auf Deutschland zu. Die gestrandeten Passagiere dürfen trotzdem kurz Hoffnung schöpfen: Ab spätestens Mittwoch ist Schauerwetter angesagt. Doch bereits zum Wochenende soll es wieder heiter und meist trocken werden.

- Woraus besteht die Aschewolke?

Die gewaltige Wolke besteht vor allem aus sehr kleinen Gesteinsteilchen und Gas, im Grunde handelt es sich dabei um «geschmolzenen Untergrund» von Island. Die Partikel, auch Aerosole genannt, sind nach Angaben Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) nur wenige Mikrometer gross. Bei einem Vulkanausbruch wird zudem Gas ausgeschleudert, in der Aschewolke über Europa dürften sich Kohlendioxid, Schwefeldioxid und möglicherweise Methan befinden. Die genaue Zusammensetzung der Wolke sollte mit einem speziellen Forschungsflugzeug des DLR erkundet werden.

- Ist es gefährlich, wenn die Aschepartikel auf den Boden gelangen?

Egal, ob sie durch Regen ausgewaschen werden oder langsam zu Boden sinken - hierzulande besteht für Mensch und Tier keine Gefahr, weil die Konzentration zu gering ist, wie Geochemiker Hahne sagt. Die Bauern auf Island versuchen dagegen bereits, ihr Vieh in Sicherheit zu bringen. Das Problem ist vor allem das in der Asche enthaltene Fluorid, das im Magen der Tiere Säure entstehen lässt, die den Darm angreifen und zu Blutungen führen kann. Zudem verbindet es sich im Blut mit Kalzium, so dass eine starke Belastung über mehrere Tage hinweg Knochen und Zähne spröde macht. Auch auf die Atemwege kann sich der Fluorgehalt der Asche auswirken. (dapd)

Deine Meinung