Schweiz: So viele Waffen verlor die Armee im Jahr 2022

Aktualisiert

SchweizSo viele Waffen verlor die Armee im Jahr 2022

Bei der Armee wurden im letzten Jahr fast 100 Waffen als vermisst gemeldet. Bis auf eine Waffe wurden alle gestohlen.

von
Florian Osterwalder
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82 Sturmgewehre der Schweizer Armee gingen 2022 verloren. (Symbolbild)

82 Sturmgewehre der Schweizer Armee gingen 2022 verloren. (Symbolbild)

20min/Simon Glauser
«Es kann vorkommen, dass Waffen während einer Übung in einer Gletscherspalte oder in einem See verloren gehen. Dann wissen wir ja, wo sie sind», so Armeesprecher Stefan Hofer. (Symbolbild)

«Es kann vorkommen, dass Waffen während einer Übung in einer Gletscherspalte oder in einem See verloren gehen. Dann wissen wir ja, wo sie sind», so Armeesprecher Stefan Hofer. (Symbolbild)

20min/Simon Glauser
Es könne jedoch auch vorkommen, das Waffen möglicherweise bei der An- oder Abreise verloren gehen. (Symbolbild)

Es könne jedoch auch vorkommen, das Waffen möglicherweise bei der An- oder Abreise verloren gehen. (Symbolbild)

20min/Ela Çelik

Darum gehts

  • Bei der Schweizer Armee wurden im Jahr 2022 96 Waffen vermisst.

  • Am meisten ist das Sturmgewehr 90 verloren gegangen.

  • Ein Grund könnte sein, dass Armeeangehörige nach der Pandemie wieder vermehrt gereist sind.

Jedes Jahr gehen beim Schweizer Militär Waffen verloren. Im vergangenen Jahr waren es knapp 100. Bis auf eine wurde alle gestohlen. Doch wie können solche Waffen überhaupt verloren gehen? Armeesprecher Stefan Hofer gab gegenüber dem SRF Auskunft. «Es kann vorkommen, dass Waffen während einer Übung in einer Gletscherspalte oder in einem See verloren gehen. Dann wissen wir ja, wo sie sind. In der Regel verschwinden die Waffen aber zu Hause», so Hofer gegenüber SRF News.

Es könne jedoch auch vorkommen, dass Waffen möglicherweise bei der An- oder Abreise verloren gehen, so Hofer weiter. In diesen Fällen würden die Armee und die Polizei die Daten zum Ort und Zeitpunkt des Verlusts aufnehmen. Hofer weiter: «Bei der Entlassung aus dem Militär ist es keine Armeewaffe mehr. Dann wissen wir nicht Bescheid.»

Laut der Armee gingen insgesamt 96 Waffen verloren. Darunter 82 Mal das Sturmgewehr 90 (Stgw 90), 13 Stück der Pistole 75 (SIG) und ein Mal die Pistole 12/15 der Firma Clock.

Häufig tauchen verloren gegangene Waffen wieder auf

Da die Armee bei den verlorenen Waffen fast ausschliesslich von Diebstahl spricht, stellt sich die Frage, ob die Armeeangehörigen bei der Lagerung der Gewehre zu fahrlässig damit umgehen würden. «Diebstahl ist vielleicht das falsche Wort», so Hofer gegenüber SRF. «Häufig, wenn eine Waffe als verloren gemeldet wird, kommt es vor, dass diese später dann doch wieder in der Wohnung gefunden wird – allenfalls durch einen Nachmieter. Diese kehrt später über die kantonale Polizei an die Armee zurück.»

Auffällig ist auch, dass im vergangenen Jahr mehr Waffen verloren wurden als die zwei Jahre davor, wie SRF schreibt. Für Hofer hat dies mit der Corona-Pandemie zu tun. «Während der Pandemie hatten wir deutlich weniger Soldaten, die Dienst geleistet haben, die beispielsweise einen Wiederholungskurs (WK) gemacht haben. Es hat also weniger Reisen gegeben, was einen Einfluss gehabt haben könnte.» Die Zunahme im vergangenen Jahr könne also etwas mit der gestiegenen Mobilität zu tun haben, so Hofer weiter.

«Jede verlorene Waffe ist eine zu viel»

In der Regel verschwindet das Sturmgewehr 90 am meisten. Aber auch das hat einen plausiblen Grund. «Es gibt viel mehr Soldaten, die mit dem Sturmgewehr 90 ausgerüstet sind und dieses im Keller oder Estrich lagern, als es bei Pistolen der Fall ist. Ich nehme an, dass dies der Grund dafür ist», so Armeesprecher Stefan Hofer.

Doch welche Konsequenzen hat es für einen Armeeangehörigen, wenn er eine Waffe verliert? Dies komme auf die Umstände an, so Hofer. «Wenn sie in eine Gletscherspalte fällt während einer Übung, also aus militärischen Gründen, dann hat es keine Sanktionen.» Geschehe der Verlust jedoch zu Hause aufgrund von vernachlässigter Lagerung, dann sei es ein Fall für die Militärjustiz. «Es kann von einer disziplinarischen Bestrafung über eine Busse bis zu einem Freiheitsentzug kommen. Wer die Waffe oder den Verschluss verliert, muss diese bezahlen», so Hofer.

«Es kann von einer disziplinarischen Bestrafung über eine Busse bis zu einem Freiheitsentzug kommen.»

Armeesprecher Stefan Hofer

Die Armee arbeite proaktiv daran, Waffenverluste zu verhindern. Armeeangehörige werden dementsprechend ausgebildet und sensibilisiert. «Es werden Merkblätter verteilt und wir machen alle Armeeangehörigen darauf aufmerksam. Jede verlorene Waffe ist eine zu viel. Und wir wollen nicht, dass die Waffen in die falschen Hände geraten», so Armeesprecher Hofer gegenüber SRF.

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