Aktualisiert 20.10.2011 09:56

Konjunktur

Letztes Strohfeuer im Aussenhandel

Entgegen den Erwartungen sind die Schweizer Exporte im September wieder gestiegen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Ohne den Glanz der Uhrenindustrie sähe es düster aus.

von
Balz Bruppacher
Der Schweizer Uhrenindustrie geht es trotz des starken Frankens blendend: Die Exporte legten im September um über 20 Prozent zu.

Der Schweizer Uhrenindustrie geht es trotz des starken Frankens blendend: Die Exporte legten im September um über 20 Prozent zu.

Das kommt überraschend: Nach ersten Krisensymptomen im August rappelte sich der Schweizer Aussenhandel im September nochmals auf. Verschiedene Elemente deuten aber darauf hin, dass es sich um ein Strohfeuer handeln könnte. Es sei denn, an der Währungsfront käme es zu einer weiteren Entlastung beim Frankenkurs.

Die Exporte haben gemäss Statistik der Eidgenössischen Zollverwaltung im September verglichen mit dem Vorjahresmonat um 2,5 Prozent auf 16,6 Milliarden Franken zugenommen. Real machte der Anstieg sogar 9,5 Prozent aus. Im Unterschied zum August zeigen auch die saisonbereinigten Zahlen wieder deutlich nach oben. Eine leichte Zunahme gab es im September auf der Einfuhrseite. Der Handelsbilanzüberschuss betrug 1,9 Milliarden Franken. Das ist ein Fünftel mehr als im letzten Jahr und übertrifft die Erwartungen der Bankökonomen klar.

Glanz der Uhren verdeckt Probleme

Die nackten Zahlen sagen aber bloss die halbe Wahrheit über den Zustand der Exportindustrie. Da ist einmal der Glanz der Uhrenbranche, der alles überstrahlt. Die Uhrenexporte nahmen im September trotz dem teuren Franken um sagenhafte 21 Prozent zu. Zum vierten Mal im laufenden Jahr wurde damit die Wachstumsrate von 20 Prozent überschritten. Zum guten Gesamtresultat trugen in kleinerem Mass auch die Nahrungsmittel- und Genussindustrie bei sowie Sonderfaktoren wie eine Verdoppelung der Exporte von Schienenfahrzeugen. Die Ausfuhren der Maschinen- und Metallbranche sowie der chemischen Industrie waren hingegen rückläufig, jene der Papierindustrie stürzten sogar um einen Fünftel ab.

Hinzu kommt der Umstand, dass die Exportindustrie auch im September deutliche Preiskonzessionen machen musste. Die Exportpreise sanken um 6,3 Prozent. Der Blick auf die geografische Verteilung der Ausfuhren zeigt ebenfalls beunruhigende Tendenzen. So hat der Boom der Exporte nach China im September spürbar nachgelassen. Die Ausfuhren nahmen noch um 9,5 Prozent zu, verglichen mit einer Wachstumsrate von fast einem Drittel für die ersten neun Monate dieses Jahres. Deutschland als mit Abstand wichtigster Absatzmarkt für Schweizer Waren blieb noch mit minimen 0,4 Prozent im Plus, verglichen mit einer Zunahme von 6,4 Prozent für die ersten drei Quartale. Eine klare Tendenz nach unten vermitteln auch die Quartalszahlen: Nach einer Wachstumsverlangsamung im zweiten Quartal rutschten die Exporte im dritten Quartal ins Minus.

Keine Anhebung des Wechselkursziels erwartet

Wie geht es weiter? Mit der Verteidigung des Euro-Mindestkurses von 1.20 Franken durch die Nationalbank sind zwar die allerschlimmsten Szenarien vom Tisch. Selbst beim aktuellen Kurs von gegen 1.25 Franken bleiben die Probleme für Exportwirtschaft aber gross. Düster sind die Aussichten auch für den Tourismus, der im Winter stärker als im Sommer von den europäischen Gästen abhängig ist. Die Nationalbank wird gemäss Bankökonomen allerdings nicht auf die Forderungen der Gewerkschaften eingehen, die Untergrenze für den Euro auf 1.40 Franken anzuheben. Angesichts der ungelösten Probleme in der Eurozone werde die SNB ihr Pulver nicht ganz verschiessen, heisst es im Marktkommentar der Zürcher Kantonalbank.

Wenig Zuversicht bei Experten

Mindestens so wichtig wie der Wechselkurs wird der Verlauf der Weltkonjunktur für die Frage sein, ob die Schweiz an einem konjunkturellen Absturz vorbeikommt. Die jüngste Credit-Suisse-ZEW-Konjunkturumfrage brachte im Oktober immerhin keine weitere Verschlechterung, sondern einen Anstieg des Indikators auf tiefem Niveau. Bloss 8,5 Prozent der befragten Finanzmarktexperten erwarten aber eine Verbesserung der Konjunkturlage. 62,9 Prozent befürchten eine Verschlechterung.

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