Leuenberger pfeift Cablecom zurück: Rai Uno bleibt

Aktualisiert

Leuenberger pfeift Cablecom zurück: Rai Uno bleibt

Die Kritik am Sender-Abbau im analogen Cablecom-Netz zeigt Wirkung: Das UVEK ordnet die Ausstrahlung der ersten Programme der öffentlich-rechtlichen Anstalten in den Nachbarländern an, darunter Rai Uno und France 2.

Das teilte Bundesrat Leuenbergers Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) am Freitag mit. Der Bundesrat kann in der Radio- und Fernsehverordnung (RTVV) den Kabelnetzbetreibern vorschreiben, welche ausländischen Fernsehsender sie verbreiten müssen.

Leuenberger will, dass zu diesem Pflichtangebot die ersten Programme der öffentlich-rechtlichen Anstalten der Nachbarländer gehören - also auch Rai Uno und France 2. Cablecom wollte beide Sender im Lauf des Jahres in der Deutschschweiz aus dem analogen Angebot nehmen.

Das wird nicht möglich sein, wenn der Gesamtbundesrat den Plänen Leuenbergers folgt. Der Medienminister kann aber nicht verhindern, dass Cablecom wie angekündigt die Sender TF1 und Canale 5 streicht- beides sind Privatsender, und hier können die Kabelnetzbetreiber in Eigenregie entscheiden, was sie anbieten.

Italienischer Vizeminister in Bern

Das angekündigte Streichkonzert der Cablecom hatte für Unmut gesorgt - auch im benachbarten Ausland. Am Freitag traf sich der italienische Vize-Aussenminister Franco Danieli in Bern mit Leuenberger und zeigte sich besorgt über die Abbaupläne.

Nach der Unterredung begrüsste Danieli, dass Rai Uno im Analog- Angebot bleiben soll. Damit auch Canale 5 erhalten bleibt, strebt er nun «direkte Gespräche» mit Cablecom an, wie Danieli sagte. Canale 5 gehört zum Medienimperium von Ex-Premier Silvio Berlusconi.

Auch Frankreich schaltet sich ein

Auch Frankreich will sich offenbar für seine Landsleute und die französisch-sprachigen Schweizer einsetzen. Sylvain Guetaz, Sprecher der französischen Botschaft in Bern, bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur SDA eine entsprechende Meldung in der Tageszeitung «La Liberté».

Botschafter Jean-Didier Roisin werde in den kommenden Tagen mit Cablecom das Thema erörtern, sagte Guetaz. Thema wird TF1 sein, der als Privatsender vom Verschwinden bedroht ist.

Cablecom begrüsst UVEK-Engagement

Cablecom begrüsst das Engagement des UVEK, den Empfang der Sender Rai Uno und France 2 auf dem analogen Netz zu garantieren. Das grösste Kabelnetzunternehmen der Schweiz lobt in einer Mitteilung die «klare Haltung seitens der Behörden».

Als privates Unternehmen könne Cablecom keine Medienpolitik betreiben, heisst es als Antwort auf Äbsichtserklärungen aus dem Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) von Bundesrat Moritz Leuenberger.

Die Cablecom brauche unverändert im Zuge der Digitalisierung des Fernsehens ab April bzw. Juni mehr Bandbreite und müsse deshalb 2007 sechs analoge Programme ins digitale Angebot verschieben, begründet das Unternehmen seine umstrittenen Schritte. (sda)

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