Leuenberger verlangt Alternativen zu Endlager Benken
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Leuenberger verlangt Alternativen zu Endlager Benken

Bundesrat Moritz Leuenberger will die Suche nach einem Endlager für radioaktive Abfälle ausweiten.

Er verlangte am Dienstag von der verantwortlichen Nagra Alternativen zum Standort Benken im Zürcher Weinland. Mit der Kontroverse mit Deutschland um die Anflüge auf Zürich-Kloten habe dies nichts zu tun.

Mit seiner Forderung will Leuenberger vermeiden, dass der Eindruck eines «stillen Standortentscheides» entsteht, wie er am Dienstag vor den Medien sagte. Denn die Nagra hatte gleichzeitig mit ihrem Nachweis zur Machbarkeit eines Endlagers in Benken beantragt, die weiteren Abklärungen auf das Gebiet im Zürcher Weinland beschränken zu dürfen. Diesem Wunsch hat der Umweltminister nun eine Absage erteilt. Er verlangt von der Nagra, dass sie Alternativen prüft und potenzielle Standortregionen vergleicht. Dies wird er auch dem Gesamtbundesrat so beantragen. Nur wer sich mit möglichen Alternativen beschäftigt habe, könne bei einen späteren Standortentscheid glaubwürdig vertreten, sagte Leuenberger. Die Nagra müsse dereinst nachweisen können, dass ihr Gesuch für den Standort des Endlagers auf einem nachvollziehbaren Verfahren gründet. Leuenberger verwies zur Begründung auch auf seine Erfahrungen mit dem gescheiterten Projekt Wellenberg in Nidwalden. Dort habe man sich allzu früh nur auf einen Standort konzentriert.

Die Nagra wird sich bei der Suche nach Alternativen vorerst auf Gebiete mit Opalinuston konzentrieren, wie Ulrich Schmocker von der Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen sagte. Neben dem Zürcher Weinland kommen damit die nördliche Lägern, der Bözberg und der Jurasüdfuss als mögliche Standorte in Frage. Der Opalinuston verfüge über die besten Eigenschaften für ein Atommüll-Endlager. Die Nagra selber zeigte sich am Dienstag einverstanden mit dem Vorgehen. Sie will bereits in der ersten Jahreshälfte 2005 einen Bericht vorlegen, der Alternativen zum Zürcher Weinland aufzeigt und diese anhand von Sicherheitskriterien vergleicht.

Der Entscheid über den Standort des Endlagers wird laut Leuenberger erst 2010 fallen. In einem «Sachplan geologische Tiefenlager» sollen nun aber die genauen Kriterien für die Auswahl festgeschrieben werden. Dabei sollen auch die Kantone, das benachbarte Ausland und weitere Bundesstellen einbezogen werden. Der Teufel stecke im Detail, sagte Leuenberger. So müsse zum Beispiel diskutiert werden, bis zu welchem Grad mögliche Alternativen zu prüfen seien. Oberstes Kriterium bleibe aber die Sicherheit, sagte der Umweltminister und wies damit auch Spekulationen zurück, der Entscheid könnte mit den Luftverkehrsstreitigkeiten mit Deutschland zusammenhängen. Solche völlig sachfremden Dossiers spielten keine Rolle.

Aus Deutschland kamen am Dienstag positive Reaktionen. Der Landrat von Konstanz, Frank Hämmerle, begrüsste Leuenbergers Bekenntnis zu einem transparenten Verfahren. Er zeigte sich insbesondere dankbar darüber, dass auch die Betroffenen im angrenzenden Ausland angehört werden sollen. (dapd)

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