15.07.2020 02:51

Junge Risikopatientin «Leute, die im ÖV keine Maske tragen, sind einfach nur rücksichtslos»

Dank des Maskenobligatoriums im öffentlichen Verkehr kann die junge Corona-Risikopatientin Tanja Hänggi (22) wieder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren. Im Postauto, das sie täglich benützt, sei die Maskendisziplin aber mangelhaft. Die Post Auto AG weist die Verantwortung von sich.

von
Jessica Schön
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Weil in den öffentlichen Verkehrsmitteln Maskenpflicht herrscht, kann Corona-Risikopatientin Tanja Hänggi (22) wieder mit dem Postauto 
zur Arbeit fahren.

Weil in den öffentlichen Verkehrsmitteln Maskenpflicht herrscht, kann Corona-Risikopatientin Tanja Hänggi (22) wieder mit dem Postauto
zur Arbeit fahren.

Foto: jes
Doch nicht alle Fahrgäste halten sich an das vom Bund erlassene Obligatorium.

Doch nicht alle Fahrgäste halten sich an das vom Bund erlassene Obligatorium.

Foto: jes
Die Problematik auf der 67er-Strecke schilderte sie dem Kundendienst der Postauto AG.

Die Problematik auf der 67er-Strecke schilderte sie dem Kundendienst der Postauto AG.

Foto: Post Auto AG

Darum gehts

  • Dank der Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr kann die junge Corona-Risikopatientin Tanja Hänggi (22) wieder mit den ÖV zur Arbeit fahren.
  • Die Postauto-Strecke von Seewen SO nach Dornach SO ist punkto Maske jedoch problematisch,
    da zahlreiche Passagiere sich nicht daran halten.
  • Bei der Postauto AG stiess Hänggi mit ihrem Problem auf wenig Verständnis.

Tanja Hänggi (22) macht eigentlich alles richtig: Zu Stosszeiten vermeidet sie das Pendeln ganz, und bei der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel hält sie sich an die Maskenpflicht. Letztere hatte es der 22-Jährigen überhaupt erst wieder ermöglicht, mit dem Postauto der Nummer 67 zur Arbeit zu fahren. Nun scheinen es einige ÖV-Nutzende mit der Maskendisziplin nicht allzu ernst zu nehmen, was gerade für Fahrgäste wie Hänggi ein Problem darstellt: Die 22-Jährige gehört zur Corona-Risikogruppe.

«Dabei sollten sie ein Vorbild sein»

«In Basel funktioniert das mit der Maskenpflicht gut», findet Hänggi. Problematisch sei allerdings die Busstrecke zwischen Seewen SO und Dornach SO, die sie täglich zur Arbeit zurücklegt: «Zwar ist das Postauto meistens eher dünn besetzt, weil ich die Fahrten zu den Stosszeiten vermeide.» Das tue aber nichts zur Sache: «Etwa die Hälfte der Fahrgäste ist ohne Maske unterwegs. Dabei erlaubt die Regelung ja Personen wie mir gerade, den Bus zu benützen. Dann geht es gar nicht, wenn sich Leute nicht daran halten.»

Wegen einer Erkrankung ist Hänggi auf verschiedene starke Medikamente angewiesen. Die ärztlichen Verordnungen sind klar: «Ich gehöre zur Risikogruppe und muss gut darauf aufpassen, dass ich mich nicht mit dem Virus infiziere», so die 22-Jährige. Von der fehlenden Solidarität einiger ÖV-Nutzenden ist sie enttäuscht: «Vor allem wundert es mich, dass sich vor allem Personen ab 40 nicht an die Maskenpflicht halten. Dabei sollten gerade diese ein Vorbild sein. Das ist einfach nur rücksichtslos.»

«Fahrpersonal kann keine polizeilichen Aufgaben übernehmen»

Wegen des Problems hatte sich die junge Frau an den Postauto-Kundendienst gewandt. Dort prallte sie mit ihrem Anliegen jedoch ab: «Man sagte mir, dass das Nichteinhalten der Maskenpflicht durch die Fahrgäste nicht Sache der Postauto AG sei, sondern die der Polizei, da es sich um einen Beschluss des Bundes handle.»

Auch habe man sie am Telefon darauf hingewiesen, dass sie sich selbst an die jeweiligen Fahrgäste wenden könne: «Beim Kundendienst meinte man, dass das anwesende Bus-Personal nicht die Kapazitäten habe, sich darum zu kümmern.» Auf Anfrage sagt Postauto-Sprecher Urs Bloch: «Das Fahrpersonal ist für die sichere und pünktliche Fahrt verantwortlich, es kann deshalb keine polizeilichen Arbeiten übernehmen und die Maskenpflicht kontrollieren.» Zu diesem Zweck gebe es in Postautos aber Kontrollteams. Tatsächlich sei die Kontrolle der Maskenpflicht in Bussen und Postautos nicht durchgehend, weil die meisten Fahrten nicht begleitet seien. Mitreisende freundlich auf fehlende Masken anzusprechen, sei ebenfalls eine Option.

«Grundsätzlich machen unsere Verantwortlichen in allen Regionen der Schweiz sehr gute Erfahrungen mit der Umsetzung der Maskenpflicht», so Bloch.

«Es ist etwas anderes, wenn der Bus-Chauffeur etwas sagt»

Doch gerade der Vorschlag, die Problematik selbst in die Hand zu nehmen, macht Hänggi betroffen: «Es ist einfach etwas anderes, wenn beispielsweise ein Bus-Chauffeur die Fahrgäste darauf anspricht, als wenn es eine mitfahrende Person tut.» Sie wolle sich nicht potenziell möglichen Diskussionen aussetzen: «Das ist schliesslich nicht meine Aufgabe, für Sicherheit zu sorgen. Mein Anliegen in Bezug auf eben diese Strecke wurde bei der Postauto AG nicht ernst genommen.»

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395 Kommentare
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Xxx

16.07.2020, 21:16

Dafür war die Gute aber ganz schön oft in Basel im Ausgang anzutreffen - ohne Maske..

Michael

16.07.2020, 15:47

Am besten gar kein ÖV fahren solange die maskenpflicht gilt. Im Auto muss man Gott sei Dank keine Maske tragen...

Anna

15.07.2020, 06:51

Die Aussage der jungen Frau ist auch rücksichtslos. Es gibt auch Menschen die keine Maske tragen können aus Medizinischen Gründen. Wer unter Kurzatmigkeit oder Asthma schlecht Luft bekommt soll dann noch Maske tragen? Sorry aber es die Kugel dreht sich nicht nur um sie und ihre Bedürfnisse. Aber wenigstens war sie für 20sek. In den Medien.