Geisterfahrt in Zürich: «Leute haben geschrien und um Hilfe gerufen»
Aktualisiert

Geisterfahrt in Zürich«Leute haben geschrien und um Hilfe gerufen»

Schreie, Chaos und Blut: Augenzeugen beschreiben den Horror, den sie heute Morgen auf der Zürcher Langstrasse erlebten. Und was zur Todesfahrt geführt haben könnte.

von
A. Fumagalli und A. Mustedanagic

Scherben liegen auf der Strasse, ein Verkehrsschild ist geknickt, überall liegen Abfall und Trümmerteile. Und überall ist Blut. Es sind Spuren einer Horrorfahrt, die heute kurz vor 5.30 Uhr an der Zürcher Langstrasse ein Menschenleben forderte und fünf Personen verletzte.

Die Spuren des Horrors hat Davide hautnah gesehen. Er ist noch immer schockiert über das, was er am frühen Morgen miterlebt hat: «Mehrere Personen waren voller Blut, eine Person am Boden war mit einem weissen Tuch bedeckt», sagt der Taxifahrer, der in unmittelbarer Nähe des Tatorts seinen Stand hat. Die Amokfahrt selbst hat er nicht miterlebt, er stiess aber kurz danach zum Ort des Geschehens: «Es war ein Riesenchaos, Leute haben geschrien und um Hilfe gerufen.» Das Amok-Auto sei stark beschädigt gewesen, der Fahrer sei noch lange Zeit im Auto geblieben: «Er war nicht ansprechbar, sein Kopf lag auf der Brust.»

«Pures Chaos»

Stefan Meier (Name geändert) war in der Lambada-Bar, als das Unfassbare geschah. «Es gab einen Riesenknall», sagt er. Dann rannte er raus. «Als ich hinauskam, herrschte pures Chaos.» Die Zeit, bis der erste Krankenwagen kam, sei ihm wie eine Ewigkeit vorgekommen.

Ein Anwohner gegenüber der Bar ist kurz nach dem Knall erwacht. «Ich hörte Hilfeschreie», so der Mann. «Als ich zum Fenster ging, dachte ich zuerst, es sei eine Schlägerei.» Doch was er vor dem Fenster sieht, ist ein blutiges Szenario: «Ich sah drei Personen am Boden liegen und eine grosse Gruppe von Leuten, die sich um sie kümmerten.»

Taxifahrer Davide blieb gut 20 Minuten am Tatort, danach wurden die umliegenden Strassen von der Polizei abgesperrt. Eigentlich hätte seine Schicht noch angedauert. «Nach all dem, was ich gesehen habe, konnte ich nicht mehr weiterfahren.»

«Der ist doch sonst nicht so»

Wieso steuerte der 25-jährige Amok-Fahrer seinen goldfarbenen Chrysler in die Menschenmenge? War sein Ziel die «Lambada-Bar», die er erheblich beschädigte? Waren es die Personen, die vor der Bar standen? Oder ist alles ein schrecklicher Unfall? Fragen, die derzeit nicht beantwortet werden können.

Der Taxifahrer sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Ein Mann fuhr mit seinem Auto in den Club rein, absichtlich. Viele Passanten sahen es genau. Viele schienen ihn auch zu kennen. Ich hörte, wie man munkelte: ‹Oh, nein, den kennen wir, der ist doch sonst gar nicht so.›.»

Klar ist: Der Mann fuhr mit hohem Tempo in verbotener Fahrtrichtung auf der Langstrasse. Er tötete einen 39-jährigen Schweizer. Er verletzte drei Männer und eine Frau im Alter zwischen 21 und 36 Jahren. Und er verletzte sich selber erheblich. Es ist das erste schreckliche Fazit der Horrorfahrt.

Video: Augenzeugen berichten (Keystone)

Video: Augenzeugen berichten (Keystone)

(Video: Leser-Reporter)

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