Bevor die Flut kam : «Leute hatten 30 Minuten Zeit, um fertig zu essen»
Aktualisiert

Bevor die Flut kam «Leute hatten 30 Minuten Zeit, um fertig zu essen»

An der Lenk BE spielten sich am Wochenende dramatische Szenen ab. Inzwischen hat sich die Situation im Dorf nach dem Hochwasser entspannt.

von
Benjamin Hostettler

Hochwasseralarm im Berner Oberland. Video: SDA

Am Freitag hatte sich der Gletschersee Faverges auf der Plaine Morte zu einem Teil entleert und in der Lenk Hochwasseralarm ausgelöst. Wie Gemeindepräsident René Müller gegenüber 20 Minuten erklärt, sei die Situation wieder normal. «Es kommt nach wie vor Wasser vom Gletschersee Faverges, jedoch in einer normalen Menge.» Gesperrt seien lediglich noch zwei Wanderwege. Auch mit einem erfrischenden Bad wird vor Ort nichts: Den Bewohnern wird geraten, Gewässer bis auf weiteres zu meiden.

Restaurant evakuiert

Das Restaurant Simmenfälle liegt direkt bei den namensgebenden Wasserfällen und neben der Simme. Am Freitagabend mussten die Gäste des Gasthofs innert Kürze evakuiert werden. «Die anwesenden Gäste hatten 30 Minuten Zeit, um fertig zu essen, das Gebäude zu verlassen und sich im Dorf in Sicherheit zu bringen», erzählt die Wirtin des Gasthofes. Danach musste das Restaurant seine Türe schliessen: «Von 20 Uhr abends bis 8 Uhr morgens durften keine Gäste in unser Restaurant.»

Gäste vorzeitig abgereist

Auch auf dem örtlichen Campingplatz Hasenweide mussten Feriengäste am Freitagabend temporär das Feld räumen. Dies nahmen Camper zum Anlass, ihre Zelte vorzeitig gleich ganz abzubrechen: «Manche Gäste reisten bereits einen Tag früher ab», sagt der Gemeindepräsident. Für die Gäste habe jedoch nie eine akute Gefahr bestanden.

«Wir hatten jedoch Glück im Unglück», sagt die betroffene Restaurantbesitzerin – «dank der raschen Warnung der Behörden und den Vorsichtsmassnahmen konnte Schlimmeres verhindert werden».

Gletschersee auf 2700 Metern über Meer

Das Hochwasser der Simme war vorhersehbar: Schmelzwasser des Faverges-Gletschersees auf der Plaine Morte oberhalb der Lenk hatte am Freitag auszulaufen begonnen. Die Überwachungsanlagen lösten am Freitag gegen 13 Uhr Alarm aus. Die Simme und der Trübbach führten bereits am Nachmittag Hochwasser mit.

Die Gletscherseen auf der Plaine Morte im Grenzgebiet der Kantone Bern und Wallis werden seit mehreren Jahren mit Kameras und einer Pegelmessung überwacht. Die Seen füllen sich mit Schmelzwasser und laufen jeweils Anfang August aus. Dann entleert sich der Gletschersee Faverges und bringt so Wasser in den Trübbach und die Simme. Bricht das saubere Wasser aus dem Gletscher, reisst es den zunehmend abgeriebenen Felsengrund mit sich.

Heuer ist aber aussergewöhnlich viel Wasser – und dies innert Kürze – ins Tal heruntergeflossen. Ist die Wassermenge grösser als 20 Kubikmeter pro Sekunde, sind Brücken in Gefahr und die Wassermengen gehen weiter ins Tal hinunter Richtung der Lenk – am Wochenende wurden gar 50 Kubikmeter pro Sekunde gemessen.

Der Gletschersee an der Lenk riss alles mit

Video: Leser-Reporter

Gletschersee Faverges in Lenk BE entleert sich. Video: Lesereporter

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