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Comedian Noelia (21) nach Insta-Coming-out«Leute schreiben mir, weil sie nicht wissen, wie sie sich outen sollen»

Vergangene Woche hat Noelia Berberat ihren 60’000 Insta-Followern eröffnet: «Ich bin gay.» Für ihr Social-Media-Outing bekommt sie viel Zuspruch – und noch mehr DMs.

von
Schimun Krausz

Noelias Antwort auf die Follower-Frage: «Wie läufts mit den Männern?»

Instagram noeliavid/Invideo/Schimun Krausz

Darum gehts

  • Die Baselbieter Comedian Noelia Berberat hatte 2016 ihr Coming-out.

  • Die breite Öffentlichkeit und viele ihrer fast 60’000 Instagram-Followerinnen und -Follower wussten das allerdings nicht.

  • Bis zu einem Insta-Q&A, in dem die 21-Jährige klarstellte: «I am gay.»

  • Seither haben sich bei ihr viele Leute gemeldet, die mit ihrem eigenen Coming-out hadern.

  • Noelia spricht ihnen via DMs Mut zu.

Noelia, du hast dich bisher nie hingestellt und gesagt, dass du lesbisch bist. Letzte Woche hast du ein Insta-Q&A gemacht und die Frage «Wie läufts mit den Männern?» relativ überraschend mit «Ich bin gay» beantwortet. Warum hast du dich dazu entschieden, überhaupt auf die Frage einzugehen?

Ich hätte diese Frage schon ignorieren können, es sind nämlich um die 300 reingekommen. Aber viele drehten sich ums Thema Liebe und eben um Männer. Auch wenn ich sonst kaum Privates auf meinem Channel poste, fand ich diesmal: Warum auch nicht?

War das so etwas wie ein Outing?

Für mich persönlich nicht. Meine Familie und meine Freunde wissen es schon seit 2016. Seither bin ich mit meiner (damaligen) Freundin durch die Stadt spaziert, war an Gay-Partys – ich war nie wirklich in the closet. Die sexuelle Orientierung sollte sowieso nichts sein, was man erst verheimlichen und dann outen muss. Ich habe schliesslich noch nie vom Outing eines Heteros gehört.

LGBTQI+: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Informationen

Lilli.ch, Informationen und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Tel. 147

Wie hat deine knapp 60’000 Leute starke Followerschaft reagiert?

Viele schrieben: «Ich habs doch gewusst.» Vor allem die Followerinnen und Follower aus der Queer-Community wussten es sowieso schon, weil ich jeweils an die Pride gehe. Was mich sehr gefreut hat: Ich bekam keine einzige negative Reaktion. Jemand schrieb sogar: «Bestes Outing ever.»

Was geht seither in deinen DMs ab?

Nach dem Insta-Q&A habe ich 280 Messages bekommen und mir bis um 2 Uhr morgens Zeit genommen, jede einzelne zu beantworten. Ich bekomme seither richtig viele Nachrichten von Leuten, die nicht wissen, wie sie sich outen sollen. Meine DMs sind zu so was wie einem Queer-Kummerkasten geworden. Das freut mich – ich komme mir vor wie Dr. Sommer.

Wie erklärst du dir, dass die Leute dir so offen schreiben?

Weil es so viel einfacher ist, als es zu sagen. Ich weiss von meinem Coming-out, dass das Aussprechen das Schwierigste ist, obwohl es nur drei Worte sind: «Ich bin gay.»

Wem hast du es damals als Erstes gesagt?

Meiner besten Kollegin. Aber ich habs ihr eben nicht gesagt, sondern in einer dreiseitigen Whatsapp-Nachricht geschrieben.

Wie hat sie reagiert?

Sie schrieb: «Chill, ich wusste eh Bescheid.» Ich habe das grosse Glück, dass mein Umfeld, also auch meine Eltern und meine Familie, direkt positiv reagiert und mich unterstützt hat.

Was nicht selbstverständlich ist.

Leider. Auch wenn man weiss, dass es eine Gay-Community gibt, die einen aufnimmt, ist das Outing in der eigenen Familie teilweise immer noch ein riesiger Schritt.

Was könnte man tun, damit dieser Schritt nicht mehr ganz so gross sein muss?

Das Thema Homosexualität schon früh in der Schule behandeln. Stell dir vor, Eltern wären damals schon dahingehend aufgeklärt worden – sie wären jetzt viel offener ihren Kindern gegenüber. In einer der DMs, die bei mir reingekommen ist, wurde ich gefragt, ob ich das Thema in einer Schulstunde besprechen und erklären wolle – das finde ich grossartig.

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