Stadt Zürich: Leutenegger zeichnet mit Rotstift Parkplätze ein

Aktualisiert

Stadt ZürichLeutenegger zeichnet mit Rotstift Parkplätze ein

Um Parkplätze zu retten, greift Zürichs Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger (FDP) bei Plänen gern zum Rotstift – auf Kosten von Radwegen. Das missfällt rot-grünen Politikern.

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Seit FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger im Tiefbaudepartement zeigt, wo es langgeht, sind laut «Tages-Anzeiger» einige Strassenprojekte ins Stocken geraten.

Seit FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger im Tiefbaudepartement zeigt, wo es langgeht, sind laut «Tages-Anzeiger» einige Strassenprojekte ins Stocken geraten.

Keystone/Ennio Leanza
So etwa die Umwandlung der Sihlstrasse zwischen Jelmoli (hinten) und Hiltl (links) in eine autofreie Flanierzone.

So etwa die Umwandlung der Sihlstrasse zwischen Jelmoli (hinten) und Hiltl (links) in eine autofreie Flanierzone.

Visualisierung Stadt ZH
Dabei gibt sich der «Verkehrsminister» gern volksnah - so wie hier bei einer Veranstaltung zur geplanten Verlegung der Tramlinie 2 in Altstetten. Ein Vorhaben, das nach heftigen Protesten aus dem Quartier schliesslich sistiert wurde.

Dabei gibt sich der «Verkehrsminister» gern volksnah - so wie hier bei einer Veranstaltung zur geplanten Verlegung der Tramlinie 2 in Altstetten. Ein Vorhaben, das nach heftigen Protesten aus dem Quartier schliesslich sistiert wurde.

Keystone/Steffen Schmidt

Bei mehreren Strasssenprojekten in der Stadt Zürich geht es nicht vorwärts. Einer der Gründe: Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger (FDP), seit knapp einem Jahr im Amt, ändert laut «Tages-Anzeiger» ausgereifte Projekte nochmals ab. Diese müssen dann nochmals neu ausgeschrieben werden.

Ein Beispiel dafür ist der Plan, die Sihlstrasse zwischen Jelmoli und dem Hiltl-Restaurant vom Autoverkehr zu befreien. Leutengger verhandelt derzeit nochmals mit Anrainern und der City-Vereinigung. Deren Geschäftsführer Andreas Zürcher sagt: «Wir hoffen (...) auf eine Lösung, welche die Innenstadt nicht aus ideologischen Gründen völlig abkapselt.»

Dank Leutenegger soll es etwa einen Linksabbieger ins Jelmoli-Parkhaus geben, weiter ist eine Begradigung bei der Sihlporte vorgesehen. 2016 sollen die Pläne nochmals neu aufgelegt werden. Auch am Zürichberg ist ein Projekt bei der Tramstation Fluntern ins Stocken geraten. Die Haltestelle hätte verbreitert werden sollen – auf Kosten des Autoverkehrs. Quartierbewohner ärgern sich darüber.

«Wahlkampfversprechen einlösen»

SP-Gemeinderätin Simone Brander wundert das alles nicht: Bei ausgereiften Projekten greife Leutenegger zum Rotstift und zeichne da und dort Parkplätze ein, wo seine Vorgängerin Ruth Genner (Grüne) keine wollte. Meistens ginge das auf Kosten von Radwegen oder Baumreihen. «Mit dieser Strategie löst er sein Wahlkampfversprechen ein», sagte sie dem «Tages-Anzeiger». Wobei: Das Tiefbauamt ist gemäss Masterplan verpflichtet, mehr Radwege zu bauen.

Andere linke Politiker vermuten, dass Leutenegger generell unliebsame Projekte vor sich herschiebt. Möglicherweise wolle er niemanden verärgern, da er in drei Jahren erneut fürs Stadtpräsidium kandidieren wolle. Leutenegger sagt zu dieser Vermutung, dass die erwähnten Projekte nichts mit den Wahlen zu tun hätten: «Dazu gibt es nicht mehr zu sagen.»

«Kontrollfreak»

Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger soll laut Mitarbeitenden ein Kontrollfreak sein. Er selber sagt dazu im «Tages-Anzeiger», dass er für wichtige Projekte die Verantwortung trage und überdies Fragen stelle: «Das ist für einige ungewohnt.» Dass es in seinem Departement zu einigen namhaften Personalabgängen gekommen ist – darunter zwei Bauingenieure und seine Assistentin, kommentiert er wie folgt: «Unser Departement hat eine äusserst tiefe Fluktuationsrate. Zudem beschäftigen wir mehr als 100 Ingenieurinnen und Ingenieure, da ist es normal, wenn sich einige Ingenieure neu orientieren.»

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