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«Geheimpapier» zeigtLeuthard plant mehrere Gaskraftwerke

Der Atomausstieg der Schweiz ist beschlossene Sache, dessen Umsetzung gibt aber heftig zu reden: Nun hat das Bundesamt für Energie offenbar konkrete Pläne in der Schublade.

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fum
Bundesrätin Doris Leuthard schlägt vor, bis 2050 vier bis sechs Gaskombikraftwerke zu bauen - und Energie zu sparen.

Bundesrätin Doris Leuthard schlägt vor, bis 2050 vier bis sechs Gaskombikraftwerke zu bauen - und Energie zu sparen.

Das Paket für den Atomausstieg ist geschnürt, der Bundesrat dürfte am Mittwoch darüber beraten. Dessen wichtigste Pfeiler sind deutliche Erhöhungen der Fördergelder für erneuerbare Energien und für die Sanierung von schlecht isolierten Gebäuden. Hinzu kommen Gasstrom und Stromimporte. Das geht aus einem vertraulichen Aussprachepapier des Departements von Energieministerin Leuthard hervor, wie die «NZZ am Sonntag», die «SonntagsZeitung» und der «Sonntag» übereinstimmend berichten.

Uneinig sind sich die Zeitungen allerdings über die Anzahl der Gaskombikraftwerke, die bis 2050 gebaut werden sollen - die Angaben schwanken zwischen vier und sechs. Zudem seien Stromimporte nötig.

Daneben will Leuthard die Fördermittel für erneuerbare Energien von heute rund 200 Millionen Franken jährlich auf über 800 Millionen Franken etwa im Jahr 2040 aufstocken. Die Stromkonsumenten sollen diese Ausgaben mit einem Zuschlag finanzieren, der bis auf 1,82 Rappen pro Kilowattstunde erhöht wird.

Sanierungen beschleunigen

Entscheidend für das Gelingen des Atomausstiegs ist laut dem Aussprachepapier auch die effiziente Nutzung von Energie. Deshalb will Leuthard vor allem die Sanierung von schlecht isolierten Gebäuden beschleunigen und die Mittel dafür von heute 300 Millionen Franken jährlich auf 600 Millionen verdoppeln.

Möglicherweise sollen auch die Kantone stärker zur Kasse gebeten werden. Zur Finanzierung der Massnahmen sollen ausserhalb des Bundesbudgets jährlich insgesamt bis zu 1,68 Milliarden Franken an Abgaben erhoben und umverteilt werden. Der Präsident der Energiedirektorenkonferenz, der Freiburger Regierungsrat Beat Vonlanthen, zeigt sich im «Sonntag» dennoch zufrieden: «Ich persönlich bin überzeugt, dass es Gaskraftwerke in einer Übergangsperiode braucht.»

Der Bau der Anlagen freut aber längst nicht alle: Umweltschützer kritisieren den CO2-Ausstoss, die Branche beklagt die mangelnde Rentabilität und fordert hinter vorgehaltener Hand gar Subventionen. Doch für viele Teilnehmer der vom Bund einberufenen Arbeitsgruppen ist die Kombination von erneuerbaren Energien und Gaskraftwerken der realistischste Weg.

Neues Stromnetz kostet bis zu 13 Milliarden Franken

Um die Stromversorgung nach dem Atomausstieg sicherzustellen, sind bis 2050 Investitionen in das Stromnetze zwischen 4,2 und 13,3 Milliarden Franken notwendig. Dies geht aus einem vertraulichen Bericht des Bundesamts für Energie hervor, aus dem die Zeitung «Der Sonntag» zitiert.

Gemäss dem Bericht rechnet das Bundesamt mit einer Erhöhung der Netzgebühren für Haushalte um 30 bis 90 Prozent. Ein Durchschnittshaushalt würde über die Stromrechnung jährlich zwischen 135 und 406 Franken mehr Netzgebühren zahlen müssen.

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